Brand im Engelbergtunnel Leonberg „Meine Tochter ist fast überfahren worden“: A 81-Umleitung belastet Höfingen

Auf den engen Straßen in Höfingen kommen sich Autos und Lastwagen gefährlich nah. Foto: Jelena Maier

Wegen der Sperrung des Engelbergtunnels weichen Autofahrer und Lkw auf Nebenstrecken aus. Eine führt durch Leonberg-Höfingen – zum Leidwesen von Anwohnern und Geschäftsleuten.

Mit geringem Abstand drängen sich Autos aneinander vorbei. Dann kommt ein Lastwagen entgegen, mehrere Autofahrer müssen zurücksetzen – und blockieren dabei den Zebrastreifen vor der Bäckerei Trölsch. Der sonst eher ruhige Leonberger Teilort Höfingen gleicht dieser Tage einer Großstadt – zumindest, was den Verkehr angeht.

 

Grund dafür ist die Sperrung der A 81 nach dem Brand eines Lkw-Anhängers im Engelbergtunnel. Viele Verkehrsteilnehmer weichen deshalb auf Alternativrouten aus, eine davon führt mitten durch Höfingen. Auch zahlreiche Lasterfahrer nutzen die Verbindung zwischen den Autobahnachsen A 81 und A 8, trotz des Durchfahrverbots für Schwertransporte.

A 81-Sperrung hat Folgen für Anwohnerin: „Es ist sehr laut“

Die Folgen bekommen vor allem die Anwohner deutlich zu spüren. So auch Martina Grimme, deren Haus direkt an der Ditzinger Straße steht. „Es ist sehr laut, meinen Mittagsschlaf kann ich so nicht machen“, sagt sie, während ein Lkw an ihr vorbeidonnert. „Die Risse in meinem Haus werden durch die Erschütterungen des Verkehrs bestimmt noch größer“, befürchtet sie.

Auch die Gefahr für Fußgänger und Radfahrer lässt ihr keine Ruhe: „Meine Tochter ist fast überfahren worden, als sie den Zebrastreifen überqueren wollte.“ Grimme wünscht sich, dass die Stadt reagiert und zusätzliche Umleitungen einrichtet.

Anwohner klagen über Lärm des Umleitungsverkehrs

Dem schließt sich Yvonne Mannl an. Ihr Geschäft „Blumen am Schloss“ liegt ebenfalls an der Ditzinger Straße. „Die schmalen Straßen hier sind nicht gemacht für so viele Lkw und Autos, da vibrieren meine Schaufenster“, sagt sie. Das sei leider keine Seltenheit. Viel zu häufig gebe es Umleitungen durch Höfingen, auch wegen des Tunnels. „Der war schon immer eine Katastrophe, aber welche Wahl haben wir?“ Ihr Lieferant müsse auf der Straße halten, was zusätzlich Stau verursache. In der ohnehin unübersichtlichen Verkehrssituation sei das kaum zumutbar.

Yvonne Mannl von „Blumen am Schloss“ befürchtet finanzielle Einbußen aufgrund der Verkehrssituation in Höfingen. Foto: Jelena Maier

Trotz allem zeigt Mannl auch Verständnis: „Mir tun die Lkw- und Autofahrer leid, zu den Umwegen kommen die hohen Spritpreise“, sagt sie. Die Floristin hofft deshalb auf eine schnelle Beseitigung der Sperrung im Tunnel – auch zur Sicherung des eigenen Geschäfts. „Mit Sicherheit habe ich Einbußen. Meine Kunden sind ja ebenfalls von dem Verkehrschaos abgeschreckt.“

Eine Bäckereifachverkäuferin der Bäckerei Trölsch sieht die Lage etwas entspannter. „Zu uns kommen viele Stammkunden direkt aus Höfingen und daher zu Fuß.“ Der Lieferant komme immer schon frühmorgens und umgehe so die Hauptverkehrszeit. Aber auch Lieferungen zu anderen Tageszeiten seien bislang pünktlich angekommen. Die junge Frau hofft, dass das so bleibt.

Manche Händler in Höfingen befürchten Umsatzeinbußen

Roland Hess hingegen bekommt das tägliche Verkehrschaos im Leonberger Stadtteil Höfingen buchstäblich hautnah mit. Seine Metzgerei liegt in der Pforzheimer Straße, genau dort, wo sich Lastwagen und Autos, die von der A 81 bei Ditzingen zur A 8 bei Rutesheim wollen, durch die enge Ortsdurchfahrt drängen.

„Gerade ältere Menschen trauen sich kaum noch über die Straße“, hat der Seniorchef des Traditionsbetriebes beobachtet. „Zu den Hauptverkehrszeiten ist der Begriff Chaos nicht übertrieben.“ Bei seinen Kunden hat der Metzgermeister eine gewisse Resignation festgestellt: „Viele sagen: Was können wir schon machen? Sie schimpfen dann über die Stadt.“

Natürlich wirke sich der Dauerstau in Höfingen auch aufs Geschäft negativ aus: „Viele Kunden aus der Leonberger Kernstadt scheuen den Weg nach Höfingen, aus Angst, dann auch in den Stau zu geraten.“ Für Hess und die anderen Händler ist das Verkehrschaos daher eine weitere starke Belastung, nachdem die Pforzheimer Straße sanierungsbedingt monatelang gesperrt war.

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