Brand in Stuttgart-Heslach Hausbewohner kritisieren Stadt: „Das eingetreten, wovor wir immer Angst hatten“

Feuerwehrleute löschen brennende Gegenstände, die Kollegen zuvor aus der Dachgeschosswohnung in der Hohentwielstraße geworfen haben. Foto: SDMG/Pusch

Am späten Montagabend brennt in Stuttgart-Heslach eine Dachgeschosswohnung. Andere Bewohner hatten offenbar mehrfach die Zustände dort beanstandet.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Nach dem Brand am Montagabend in Stuttgart-Heslach erheben Nachbarn Vorwürfe gegenüber der Stadt. In einer Wohnung an der Hohentwielstraße war in einer Dachgeschosswohnung ein Feuer ausgebrochen. „Wir haben des Öfteren das Amt für öffentliche Ordnung eingeschaltet“, sagt Christian M., der ebenfalls in dem Haus wohnt. Die Hinweise, dass die Frau Hilfe brauche, seien nicht gehört worden. „Es ist genau das eingetreten, wovor wir immer Angst hatten“, so der Nachbar.

 

Offenbar lebte die Bewohnerin in einem Messi-Haushalt. Noch in der Nacht schaufelte die Feuerwehr allerlei Müll, Klamotten und sonstige Dinge aus dem Dachfenster. Am Tag nach dem Brand türmte sich ein Müllberg vor dem Haus. Daniel Anand, Sprecher der Feuerwehr Stuttgart, nennt den Einsatz, der rund vier Stunden lang dauerte „aufwendig“. Die Herausforderung habe darin bestanden, dass die Wohnung ausgeräumt werden musste, gleichzeitig hätten seine Kolleginnen und Kollegen das Dach geöffnet, weil es auch dort Glutnester gab.

„Der Sachverhalt ist der Verwaltung bekannt“

Die Frau wurde von Feuerwehrleuten aus der Wohnung gerettet. Sie kam ins Krankenhaus. Bewohner des Hauses hatten gegen 22.45 Uhr Rauch bemerkt und den Notruf gewählt. Weitere Verletzte gab es offenbar nicht.

„Der Sachverhalt ist der Verwaltung bekannt, weil Beschwerden aus der Nachbarschaft eingegangen waren“, sagt Sven Matis, der Sprecher der Stadt Stuttgart. Hinweise dieser Art gebe es zahlreiche. Offenbar waren städtische Mitarbeiter auch vor Ort, die nachschauen wollten – es machte aber niemand die Tür auf. „Die Fachbehörden sind den Hinweisen nachgegangen, haben aber ordnungsrechtliche Maßnahmen für nicht erforderlich erachtet“, so Matis. Wenn Gegenstände im Treppenhause zu entfernen seien, sei dies Aufgabe der Eigentümer. „Darauf hat die Stadt in den vergangenen Jahren bei diesem Objekt hingewiesen.“ Ansonsten könne man aus Datenschutzgründen nichts weiter zu dem Fall sagen.

Generell prüfe das Ordnungsamt, ob Maßnahmen nach dem Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz zu treffen seien, sagt Matis. Darunter fällt beispielsweise, ob eine „akute Eigen- oder Fremdgefährdung“ besteht. Ist das der Fall, wird die Person von einem Amtsarzt untersucht und gegebenenfalls in eine entsprechende Einrichtung eingewiesen. „Nur in diesen Fällen ist die Stadt befugt, ordnungsrechtliche Maßnahmen zu treffen“, so Matis. Anderenfalls könnten höchsten Sozialdienste, Hilfsangebote auf freiwilliger Basis anbieten.

Verbrannter Müll vor dem Haus in der Hohentwielstraße. Foto: Maximilan Kroh

Die Stadt verweist auch auf die Privatsphäre von Personen. Bei Hinweisen dieser Art, wie sie zur Wohnung in der Hohentwielstraße eingingen, müssten die städtischen Mitarbeiter mit Augenmaß vorgehen, so Matis. „Das muss verhältnismäßig sein.“ Zumal es in dem Fall um eine Erwachsene ging; hätte der Verdacht im Raum gestanden, dass Kindeswohl gefährdet gewesen wäre, wären die städtischen Mitarbeiter vehementer vorgegangen, erläutert der Sprecher.

Der Schaden an dem Gebäude beläuft sich auf rund 300 000 Euro. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen.

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