Brücke in Besigheim Neckarbrücke vor kurzfristiger Sperrung? „Das wäre der Super-GAU“

, aktualisiert am 08.05.2026 - 10:50 Uhr
Die sechs Bürgermeister Uwe Seibold, Florian Bargmann, Boris Seitz, Jörg Frauhammer, Günther Pilz und Christoph Herre (von links) schlagen Alarm: Sie befürchten eine kurzzeitige Vollsperrung der maroden Neckarbrücke in Besigheim und vermissen ein Konzept für den Fall von Kreis und Land. Foto: Andreas Essig

Die Neckarbrücke in Besigheim ist sanierungsbedürftig. Vor 2030 geschieht dort aber wohl nichts. Was passiert, wenn kurzfristig gesperrt werden muss?

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Wegen Schäden ist die Wehr- und Kanalbrücke in Besigheim seit Ende Februar für den Schwerlastverkehr gesperrt. Die Bürgermeister von sechs umliegenden Kommunen befürchten nun, dass eine Vollsperrung bevorsteht und dann ein Verkehrschaos ausbricht.

 

„Es wäre der Super-GAU, wenn eine Vollsperrung genauso kurzfristig käme, wie die für Lastwagen“, sagt Jörg Frauhammer aus Gemmrigheim. Sensoren an der Brücke berichten aktuell vom Zustand der Brücke, aber bis das bei den Kommunen vor Ort ankommt, dauert es wohl. Die Sperrung für Lastwagen sei auch sehr kurzfristig verfügt worden.

Die Brücke ist in 1950er-Jahren gebaut worden und besteht aus drei Teilen: Einer Wehrbrücke, einer Kanalbrücke und der Decke des dortigen Kraftwerks. Alle Teile weisen Schäden auf und bergen die Gefahr weiterer Beschädigungen. Deshalb wird auch ein Ersatzneubau beziehungsweise eine Sanierung der unterschiedlichen Teile geplant. Die Planungen dauern aber wohl noch bis 2030. Erst danach soll drei Jahre lang gebaut werden. Eine lange Zeit. Die Frage ist, ob die Brücke so lange durchhält.

Drei Behörden mischen mit

Weil die Wehrbrücke in die Zuständigkeit des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Neckar (WSA) fällt, müssen sich bei Angelegenheiten das Gesamtbauwerk betreffend immer WSA, Landratsamt Ludwigsburg und Regierungspräsidium Stuttgart abstimmen. Auch wegen Denkmalschutz bei der Wehrbrücke ziehen sich die Planungen wohl hin.

Die Neckarbrücke besteht aus mehreren Teilen, für die unterschiedliche Behörden zuständig sind. Die Planung für Neubau und Sanierung dauert wohl noch Jahre. Ob das die Brücke durchhält, ist fraglich. Foto: Andreas Essig

Die drei Behörden wurden nun von den Bürgermeistern aus Besigheim, Walheim, Gemmrigheim, Kirchheim, Mundelsheim und Hessigheim angeschrieben. Hauptforderung: Die Planungen für den notwendigen Ersatzneubau zu beschleunigen, ein Verkehrskonzept für die Bau- und Sperrungszeit vorzulegen und einen Runden Tisch mit den Kommunen einzurichten, um den Informationsfluss zu verbessern.

„Seit Jahrzehnten wird in Besigheim schon angemahnt, dass die Brücke saniert werden muss“, sagt Boris Seitz aus Mundelsheim. Dass dennoch erst mit den Planungen begonnen worden sei, ist für die Rathauschefs schwer nachvollziehbar. „Da müsste doch längst eine Planung in der Schublade liegen“, findet Jörg Frauhammer aus Gemmrigheim.

Sperrung für Lastwagen

Gleichzeitig zweifeln die Bürgermeister die Notwendigkeit der Maßnahmen nicht an. „Wir sehen ein, dass die Sperrung für Lastwagen notwendig ist“, sagt Florian Bargman aus Besigheim. Auch wenn das Mehrbelastung für die umliegenden Kommunen bedeute, akzeptiere man das, weil man möglichst lange eine Vollsperrung vermeiden will. Vor allem in Kirchheim merke man, dass die 550 Lastwagen, die sonst täglich über die Brücke fahren, nun ausweichen müssen und durch den Ort rollen.

„Das ist natürlich nicht optimal, aber wir haben uns damit abgefunden und es ist aktuell auch noch erträglich“, sagt Uwe Seibold über seine Gemeinde. Das Problem werde allerdings viel größer, wenn nicht nur Lastwagen umfahren, sondern alle 15.000 Fahrzeuge täglich. Er befürchtet dann ein Verkehrschaos, wenn es keine verkehrslenkenden Maßnahmen gebe.

„Die Sicherstellung des Schülerverkehrs hat oberste Priorität.“

Andreas Fritz, Sprecher des Landratsamts

„Vor allem der Schülerverkehr wäre betroffen“, sagt Günther Pilz aus Hessigheim. Im Einzugsbereich jenseits der Brücke lebten viele Schüler, die derzeit täglich über die Brücke in Schulen gebracht würden. Die Umleitung führe zu längeren Fahrzeiten, was wiederum die Abfahrtszeiten der Schulbusse beeinträchtige.

Drehleiter gesucht

Eine Planung dazu vermissen die Bürgermeister derzeit noch genauso wie ein Konzept für Feuerwehreinsätze. Gerade weil in Besigheim die einzige Drehleiter im engeren Umkreis vorhanden sei, müsse koordiniert werden, wer wann wohin ausrücke. Für Teile Besigheims könnte eine kurzfristige Sperrung nämlich bedeuten, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfristen nicht mehr eingehalten werden, lautet die Befürchtung.

Beim Landratsamt Ludwigsburg bereitet man sich auf eine mögliche Sperrung aktiv vor „und wird die betroffenen Gemeinden natürlich in die Planungen einbinden“, erklärt Sprecher Andreas Fritz auf Nachfrage. Auf der jetzt schon genutzten Umleitungsstrecke sollen Verkehrsanlagen angepasst werden, um flexibel auf mehr Verkehr reagieren zu können.

Auch im öffentlichen Nahverkehr sowie im Schülerverkehr laufen laut Fritz bereits Abstimmungen mit dem Linienbetreiber FMO und dem VVS, um mögliche Anpassungen frühzeitig zu prüfen: „Die Sicherstellung des Schülerverkehrs hat dabei oberste Priorität.“

Bei der Feuerwehrversorgung sieht der Kreis aber eher andere in der Verantwortung: „Für eine leistungsfähige Feuerwehrversorgung – einschließlich der Überlandhilfe mit Spezialfahrzeugen wie Drehleitern und Rüstwagen – sind die Kommunen selbst verantwortlich“, teilt das Landratsamt mit. Die Kommunen sollten entsprechende Einsatzpläne selbst erarbeiten, um bei Bedarf zusätzliche Einheiten im Kreis Ludwigsburg oder Heilbronn alarmieren zu können. Vom Regierungspräsidium steht eine Reaktion noch aus.

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