Die ersten Seiten des Romans sind in limettengrün gefärbt, bedruckt mit schwarzer Schrift. Sie erinnern an das legendäre Brat-Album der britischen Popsängerin Charli XCX. „Während des Schreibens habe ich das ‚Brat’-Album von Charli XCX sehr viel gehört“, erzählt Sommer im Interview. Dass sich im Look diese Assoziation ergeben hat, sei allerdings nicht geplant gewesen.
Und auch in der Erzählung der Hauptperson im Buch geht es um Musik, aber auch um High Society und „das Gefühl, alles haben zu können und trotzdem unglücklich zu sein“, erzählt der Autor. Zweieinhalb Jahre schrieb Sommer, der selbst DJ ist, an der Erzählung. Für die Recherche sprach er mit verschiedenen hochkarätigen DJs. Seine Arbeit an „Partypeople“ wurde von der Kunststiftung Baden-Württemberg mit einem Stipendium gefördert.
„Der Text besteht nicht aus den Geschichten von den Leuten, mit denen ich gesprochen habe. Er ist eine Fiktionalisierung“, sagt der Autor. Sein eigenes DJ-Dasein sei nie so extravagant gewesen, habe aber bei Gesprächen geholfen: „Ich glaube, dass sie mit mir gesprochen haben, weil sie mich als jemanden gesehen haben, der aus einer ähnlichen Bubble kommt.“
Hauptperson im Buch: Ohne Namen, ohne Geschlecht
Für die Recherche seines Buches las er die Tagebücher der verstorbenen DJ-Größe Avicii. „Es ist sicher nicht Aviciis Leben, aber es gibt einzelne Sätze, die die Hauptfigur in Dialogen sagt, die auch Avicii selbst so in seinen Tagebüchern notiert hat“, sagt Sommer. Im Buch bleibt seine Figur konturlos, sie hat weder Namen noch Geschlecht. Oft wechselt die Hauptperson ihr Aussehen, hat mal lange Haare, mal kurze. „Ich wollte jemanden, der keine Heimat hat. Es gibt nichts, woran diese Person sich halten kann. Kein Geschlecht, kein Ort, an den sie zurück gehen kann“, sagt er. Dafür habe er das Buch auf Pronomen untersucht und alle herausgestrichen, die er habe finden können.
Sommer selbst stammt aus Neckartenzlingen im Kreis Esslingen. Für ihn bedeute die kleine Stadt immer noch Heimat, auch wenn er vor 16 Jahren dort wegzog. Einmal im Monat besuche er seine Eltern, die dort immer noch leben. Heute lebt er in München.
In seinem Buch beschreibt Sommer die Hauptperson als einen DJ, der seinem DJ-Leben überdrüssig geworden ist. Jemand, der sich mit der dunklen Seite dieses Business einsam und traurig fühlt. „Am Ende des Tages sitzt die Person im Hotelzimmer oder am Flughafen und weiß eigentlich mit allem überhaupt nichts mehr anzufangen. Dieses Gefühl hat mich sehr interessiert. Eine luxuriöse Tristesse.“
Partypeople: Es kommt auf die Details an
Ausgewählte Champagner-Marken, Helikoptertypen und spezielle Spa-Behandlungen: „Partypeople“ ist durchzogen von kleinsten Details, die die Szenen im Buch ausschmücken. Von Sommer sind sie bewusst gewählt: „Der Text lebt von den Details. Die Welt, die im Buch beschrieben wird, ist eine sehr glänzende, schimmernde Oberfläche. Unter der sich vielleicht weniger verbirgt, als man hofft.“
Um diese Oberfläche abzubilden, analysierte Sommer unzählige Accounts von DJ-Superstars. „Die grundlegende Ästhetik in diesem Buch soll eine Social-Media-Gegenwart abbilden“, erklärt er. Redewendungen der Hauptfigur seien oft deckungsgleich mit dem, was dort gepostet würde, so der Autor. Dazu gehören auch Anglizismen, die er oft in die Sprechweisen der Charaktere einbaut. „Mit der Art, wie Leute sprechen, lässt sich ein Milieu abbilden. Mir schien der Sprachenmix dafür sehr geeignet“. Die vielen englischen Begriffe im Buch seien dabei für manche Leserinnen und Leser anstrengend – doch genau das sei gewollt: „Natürlich sind auch die Leute, die beschrieben werden, anstrengend." Was sich hinter der schimmernden Fassade noch verbirgt, was passiert, als die Person einen verheirateten Mann kennenlernt und mit welchen Menschen und Situationen sie noch konfrontiert wird – all das lässt sich nur durch das Aufschlagen von „Partypeople" herausfinden.
Lesungen von „Partypeople“:
Im Rahmen des „About Pop Festivals“ liest Stefan Sommer aus seinem Buch. Die Lesung findet im „Im Wizemann“, Quellenstraße 7 um 22.15 Uhr in Stuttgart statt. Tickets gibt es unter: www.aboutpop.de