Für Silke Wollinger-Helwig ist die Esslinger Stadtbücherei ein Herzensort. Foto: Roberto Bulgrin
Bibliotheken sind Glücksorte für viele. Freunde der Esslinger Stadtbücherei haben über ihren Lieblingsort geschrieben. Nun wurden ihre Texte in einer Lesung vorgestellt.
Schon der Römer Cicero wusste: „Wenn du einen Garten und eine Bibliothek hast, wird es dir an nichts fehlen.“ Bis heute empfinden viele Menschen ganz genau so. Bibliotheken sind Orte des Wissens und der Kultur, des Lernens und des Lesens, sie sind Orte der Begegnung und des Innehaltens. Und sie haben im Leben vieler Menschen ihren festen Platz. Was ihre Bibliothek für sie bedeutet, haben Esslingerinnen und Esslinger in einem Büchlein festgehalten, das der Förderverein der Stadtbücherei unter dem Titel „Ich und meine Bücherei“ veröffentlicht hat. Einige der Texte hat die Initiative für den Bürgerentscheid am 8. März nun im Café Hygge präsentiert. Dass die Plätze knapp wurden, lässt großes Interesse an der Zukunft der Stadtbücherei ahnen.
Silke Wollinger-Helwig hatte das Mitmachprojekt 2023 auf den Weg gebracht und sie war überrascht von der Resonanz, die ihr Aufruf zum Schreiben fand. Auf rund 90 Seiten versammelt dieses liebevoll illustrierte Büchlein 32 sehr persönliche Texte. Und egal, ob Prosa oder Lyrik: Jede dieser literarischen Miniaturen ist eine Liebeserklärung an Bibliotheken im Allgemeinen und an die Esslinger Bücherei im Besonderen. „Man spürt, dass es den Menschen ein Herzensanliegen war, darüber zu schreiben“, freut sich die Initiatorin.
„Büchereien sind die besten Orte der Welt“
Ein Ort mit Geschichte: der Bebenhäuser Pfleghof. Foto: Roberto Bulgrin
„Wenn ich mich mit Bücherei-Besuchern unterhalte, höre ich die unterschiedlichsten Geschichten“, erzählt Silke Wollinger-Helwig, die Stammgast in der Esslinger Bücherei ist. „Jeder hat seine ganz eigenen Erfahrungen, und man spürt, dass unsere Stadtbücherei ein ganz besonderer Ort für sie ist.“ Susanne Lüdtke zitiert in ihrem Vorwort die Autorin Stefanie de Velasco, die das bei ihrem Lesart-Auftritt 2013 auf den Punkt gebracht hat: „Büchereien sind die besten Orte der Welt, weil man in jeder Stadt eine Heimat findet.“ So ist es vielen der 32 Autorinnen und Autoren ergangen.
„Wenn es in meiner Kindheit ein gelobtes Land gab, dann war es die Stadtbücherei. Schon allein der Gedanke an die Bücherei macht mich noch heute ganz hibbelig und führt zu unglaublichen Glücksgefühlen“, schreibt etwa Yeliz Toklu über ihren „allerliebsten Lieblingsort“. Dorle Benze erzählt unter dem Titel „Der Eingang zum Glück“ von ihrer lebenslangen Liebe zu Bibliotheken und zur Esslinger Stadtbücherei: „Nun nutze ich die Bücherei als Lese- und Entspannungsparadies und tauche in andere Welten ein, gerade so wie vor mehr als 60 Jahren.“ Und Professorin Sylvia Greiffenhagen, die von Berufs wegen unzählige Bibliotheken gesehen hat, fühlt sich bei jedem Besuch im Bebenhäuser Pfleghof an einen Satz erinnert, der sie seit Jahren begleitet: „Eine Bücherei bringt Glück in die Stadt.“ Wie eine Bibliothek zum Glücksort in einem Stadtteil werden kann, beschreibt Tina Döffinger in ihrer Hommage an die ehrenamtlich betriebene Zollberg-Bücherei.
„Neue Ideen brauchen alte Gebäude“
Viele lauschten der Lesung im Café Hygge. Foto: privat
Das Glück, das Büchereien vermitteln können, hat viel mit denen zu tun, die dort arbeiten – wie die frühere Bücherei-Leiterin Gudrun Fuchs. Maren Gülck schreibt: „Die engagierte Leitung der Bücherei hat es verstanden, diesen (H)Ort der Kultur zum Publikumsmagneten zu machen.“ Und Bert Heim erinnert in seiner Satire „Die Füchsin kann wieder atmen“ an das jahrzehntelange Hickhack um die Zukunft der Bücherei, das an Gudrun Fuchs nicht spurlos vorübergehen konnte. Viele der Beiträge sind auch Liebeserklärungen an den Bebenhäuser Pfleghof. Christine Keinaths Text „Neue Ideen brauchen alte Gebäude“ erhielt besonderen Beifall. Sie nimmt die Leser mit auf einen Rundgang durch den Pfleghof und seinen malerischen Innenhof und schreibt: „Mir gefällt, dass hier Bücher, die von der Vergangenheit und der Zukunft erzählen, in einem Gebäude zu finden sind, das uns von der Esslinger Geschichte erzählt. Das passt zu Esslingen.“
Erhältlich ist das Büchlein „Ich und meine Bücherei“ bei der Esslinger Buchhandlung „Die Zeitgenossen“ in der Strohstraße.