Als am letzten Spieltag der Bundesliga-Saison 2024/2025 in der Partie zwischen der TSG Hoffenheim und dem FC Bayern München der Schlusspfiff ertönte, verabschiedete sich nicht nur Thomas Müller von der Münchner Fußballbühne, sondern auch Arno Blos als Schiedsrichter-Assistent. Nach 335 Einsätzen als Linienrichter in der Bundesliga sowie in der 2. Bundesliga beendete der 46-Jährige, der von Deizisau nach Weilheim gezogen ist, seine Laufbahn an der Seitenlinie. „Ich hatte mir gewünscht, heimatnah und, da ich viele Partien mit Münchner Beteiligung hatte, noch ein Spiel der Bayern als letzte Begegnung leiten zu dürfen“, erklärt Referee Blos und fügt hinzu: „Es war damit ein perfekter Rahmen.“
„Ein emotionales Erlebnis“
Für Blos war es nicht nur aufgrund seines Abschieds vom Bundesliga-Rasen ein emotionales Erlebnis. „Meine Eltern waren mit dabei, meine Mutter sogar zum ersten Mal im Stadion, dazu saßen auch noch meine Frau sowie meine Tochter auf der Tribüne. Da habe ich schon aufpassen müssen, dass bei mir beim Einlaufen keine Träne fließt, aber ich konnte das emotional gut steuern und war mental auf den Moment vorbereitet“, gibt Blos seine Gefühlswelt auf dem Rasen in der PreZero Arena wider. „Es war ein schönes Gefühl und nach dem letzten Akt, den 90 Minuten, ist der Druck abgefallen. Und es war schön, die Familie, Freunde sowie Kollegen von der Schiedsrichtergruppe Esslingen, die ich ins Stadion eingeladen habe, danach mit in meine Kabine nehmen zu dürfen.“ Unter anderem waren der Ehrenobmann Herbert Brucker sowie der Schiedsrichterobmann Hardy Wolf mit von der Partie. „Die haben mich über all die Jahre begleitet und es war toll, ihnen so eine Freude bereiten zu können“, sagt Blos.
Sein letztes Bundesliga-Spiel als Schiedsrichter-Assistent wird ihm so immer in Erinnerungen bleiben. Angesprochen auf die schönsten Momente seiner Karriere, fällt ihm die Antwort nicht allzu schwer: „Da gibt es sicherlich viele, aber es war für mich eine große Ehre, beim Abschiedsspiel von Bastian Schweinsteiger in München gegen das MLS-Team Chicago Fire mit dabei gewesen zu sein“, erzählt Blos und fügt hinzu: „Ich hatte das Glück, dass ich auch bei ein paar internationalen Spielen dabei sein durfte und da werde ich vor allem eine Partie von Besiktas in Istanbul nie vergessen. Es ist eines der lautetesten Stadien der Welt, der ganzer Körper hat vibriert.“
„Es ging alles ganz schnell“
Aber Blos erinnert sich auch gerne an seine Anfänge als Schiedsrichter zurück. Als er für den SC Altbach noch auf dem Platz stand, verletzte er sich als A-Jugendfußballer am Knie und hing gezwungenermaßen die berühmten Kickschuhe an den Nagel. „Ich habe mich dann entschlossen, in Altbach an einem Schiedsrichter-Neulingskurs teilzunehmen und habe dann den Lehrgang absolviert. Es ging alles ganz schnell“, erzählt Blos und ergänzt: „Es kam mir zugute, dass ich ein Auge für die Zweikampfführung habe. Relativ schnell hat man mich dann in der Kreisliga als Hauptreferee losgelassen und dann ging das Ganze seinen Weg.“ Als größte Hürde seines Aufstiegs zum Bundesliga-Linienrichter nennt er den Übergang von der Oberliga in die Regionalliga. „Diese vier Jahre waren die härteste Zeit, aber da habe ich viel Erfahrung gesammelt, die ich in den höheren Spielklassen dann wiederum anwenden konnte“, betont Blos.
Die persönliche Verbindung zu seinem Heimatclub SCA ist dabei über die Jahre nie abgebrochen. „Ich bin dem Verein, bis auf eine kurzen Abschnitt beim TV Nellingen als Spieler, und trotz einiger Anfragen anderer Vereine auch als Referee immer treu geblieben“, sagt Blos, „Ich bin in Altbach groß geworden und habe in der Nähe des Sportplatzes gewohnt. Und ich freue mich, dass ich Ehrenmitglied des Clubs bin.“ Die Altbacher verfolgten indes die Karriere von Blos mit Stolz aus der Ferne. „Er ist ein echtes Vorbild und hat ein Herz für den Fußball“, betont der SCA-Vorsitzende Stephan Schnabel.
Blos wird dem Sport erhalten bleiben und künftig weiterhin als Bundesliga-Video-Assistant-Referee im Kölner Keller – der zur Spielzeit 2026/2027 nach Frankfurt umzieht – arbeiten. Zudem wird er als Schiedsrichter-Beobachter in der 3. Liga tätig sein und sein Wissen an die nächste Generation weitergeben. „Gar nichts mehr zu machen, kam für mich nicht infrage. Es war mir wichtig, dass ich meine Erfahrung einbringen und die jungen Schiedsrichter bei ihren Spielen begleiten darf“, betont Blos und ergänzt: „Gerade im Beobachtungswesen ist viel Potenzial.“
„Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Nachwuchs“
Dabei spricht er auch das Thema Schiedsrichtermangel an: „Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Nachwuchs. Ich glaube, dass durch die Öffentlichkeitsarbeit, die wir tätigen, sei es durch Instagram oder Reportagen, viele Jugendliche erreicht werden und die Nachfrage höher ist als zuvor “, sagt Blos und ergänzt: „Wichtig ist, in den Vereinen sowie im Freundeskreis den Stellenwert eines Schiedsrichters darzustellen. Denn der Sport wird nicht ohne Referees funktionieren.“
Die Linienrichter-Fahne legt Blos nun also ab, die Leidenschaft für den Fußball aber nie.