Cäsars Ermordung Tod dem Tyrannen

„Cäsars Tod“ an den Iden des März: Gemälde des bayerischen Historienmalers Carl Theodor von Piloty, entstanden im Jahr 1865. Foto: Wikipedia/gemeinfrei

Vor mehr als 2000 Jahren wurde Gaius Julius Cäsar ermordet. Eine Handvoll konservativer Senatoren wollten den Tyrannen beseitigen, um die römische Republik zu retten – und besiegelten damit nur ihren eigenen politischen Machtverlust.

Rom - Rom an den Iden des März im Jahre 44 vor Christus: Gegen elf Uhr vormittags besteigt Gaius Julius Cäsar seine Sänfte, um in den Senat aufzubrechen. Eigentlich wollte der Diktator zu Hause bleiben. Seine „heilige Krankheit“, Cäsar leidet an Epilepsie, macht ihm wieder zu schaffen. In wenigen Tagen, am 18. März, will er in den Krieg gegen die Parther im Osten ziehen. Ein anstrengendes Unternehmen, das dem fast 56-Jährigen noch einmal alles abverlangen wird.

 

Cäsar ist zu diesem Zeitpunkt der erste Mann im Staat. Geboren am 13. Juli 100 vor Christus gehört der Spross aus der Familie der Julier zu den ältesten Adelsgeschlechtern Roms, die das Monopol auf die Staatsämter besitzen. Der junge Aristokrat tut das, was für seine Standesgenossen selbstverständlich ist. Er geht in die Politik, absolviert die Ämterlaufbahn und nimmt auf der Karriereleiter der Republik den Weg nach oben.

Cäsar besticht durch Charme, Geschick und aufwendige Spiele

Er beeindruckt durch sein Organisationstalent und die Ausrichtung aufwendiger Spiele, besticht durch Intelligenz, Charme und taktisches Geschick. So gelingt es ihm, den reichsten Mann Roms, Marcus Licinius Crassus, und den mächtigsten Feldherrn, Gnaeus Pompeius, beide miteinander verfeindet, für ein Bündnis zu gewinnen, das fortan die Politik Roms bestimmt. Für die Senatoren ein Affront, zumal die Verfassung die Machtbildung Einzelner nicht vorsieht.

Trotz des Widerstands seiner Gegner erreicht Cäsar 59 vor Christus das Konsulat, das höchste politische Amt des republikanischen Roms. Aber um auch innerhalb des Dreierbundes gleichzuziehen, benötigt er dringend Einnahmequellen und ein militärisches Kommando. Im Jahr 58 vor Christus wird er Statthalter der Provinzen Gallia Cisalpina, Gallia Narbonensis und Illyrien. Aus harmlosen Grenzübertritten von Kelten und Germanen konstruiert der über vier Legionen befehlende Cäsar eine Bedrohung des Imperiums und beginnt ohne Absprache mit dem Senat, der eigentlich darüber zu bestimmen hat, den Krieg gegen das freie Gallien.

Ohne seine Legionen ist der Konsul verloren

Acht Jahre später hat Cäsar ganz Gallien erobert, mit Legionen, die sich ihm und nicht mehr dem Senat verpflichtet fühlen. Der senatorischen Führungsriege in Rom ist dies ein Dorn im Auge. Denn streng genommen ist die Republik eine Herrschaft von Gleichen. Und Cäsar schickt sich an, sich über seine Standesgenossen zu erheben. Der Senat fordert daher den Feldherrn auf, seine Legionen zu entlassen. Doch Cäsar lässt sich nicht einschüchtern und behält sein militärisches Kommando über den verfassungsrechtlich erlaubten zeitlichen Rahmen hinaus. Denn ohne seine militärische Machtbasis ist er in Rom verloren, wo ihm ein Prozess wegen seines eigenmächtigen Handelns in Gallien droht.

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Cäsar setzt alles auf eine Karte: Anfang Januar 49 vor Christus überschreitet er mit seinem Heer den Rubikon, den Grenzfluss zwischen Gallia Cisalpina und Italien. Die Würfel sind nun gefallen – Cäsar führt Krieg gegen Rom. Nacheinander besiegt er in einem verlustreichen Bürgerkrieg seine politischen Gegner und reißt die Alleinherrschaft an sich.

Cäsar trägt die Insignien eines Tyrannen

Im Theater des Pompeius auf dem Marsfeld, wo am 15. März 44 vor Christus die Senatssitzung stattfindet, warten 900 Senatoren auf die Ankunft Cäsars. Rund 60 davon in bestimmter Absicht. Sie wollen den Diktator, der ein ums andere Mal die Institutionen des republikanischen Roms mit Füßen getreten hat, beseitigen. Seine herausragende Machtposition verstößt gegen die Prinzipien der republikanischen Ordnung.

Eine Diktatur sieht die Verfassung zwar vor, aber lediglich als eine auf höchstens sechs Monate befristete Notstandsmagistratur. Doch im Herbst 46 vor Christus genehmigt eine willfährige Mehrheit des von Cäsar aufgestockten Senats dem Diktator eine Amtszeit von zehn Jahren. Zugleich erhält er ein Bündel von Ehrenrechten und Machtbefugnissen, die seine Person überhöhen. Dazu gehört das Tragen von Purpurtoga und Lorbeerkranz – Insignien siegreicher Feldherren, aber auch der verhassten griechischen Tyrannen.

Cicero rechtfertigt den Tyrannenmord

Für die Anhänger der alten Republik ist die Tyrannis die Negation des geordneten Staatswesens, und die Tötung Cäsars, der die res publica libera zu Grabe tragen will, gerechtfertigt. Schließlich hatte auch Cicero in seiner Schrift „Von den Pflichten“ den Tyrannenmord aus Gründen der politischen Nützlichkeit verteidigt. Was die Verschwörer verkannten: Das System hatte sich längst überlebt, die kollektive Herrschaft der Aristokratie war bereits vor Cäsar klinisch tot.

Männer mit einem überdimensionalen Ego wie Cäsar, die – gestützt auf die Loyalität der Heere – ihr Handeln mehr an persönlichen als an staatlichen Interessen ausrichteten, hebelten die politische Ordnung der römischen Adelsrepublik mit ihrem System von „checks and balances“ aus und zerstörten das auf politischem Konsens der Eliten beruhende Gemeinwesen. Cäsar war nicht nur ein herausragender Feldherr, sondern auch ein gewiefter und skrupelloser Politiker, der die Schwächen der überholten Ordnung ausnutzte.

Ist das Komplott verraten worden?

Spätestens als Cäsar Anfang 44 vor Christus die an ihn herangetragene Diktatur auf Lebenszeit annimmt, ist klar: Der Julier strebt nach der dauerhaften Alleinherrschaft. Das will die Schar der Verschwörer nicht hinnehmen. An diesem 15. März soll der Diktator sterben. Doch warum erscheint er nicht? Ist das Komplott verraten worden?

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Um dies zu erkunden, schicken die Verschwörer Decimus Iunius Brutus zu Cäsars Haus. Eine nahe liegende Wahl, genießt der junge Mann doch grenzenloses Vertrauen beim Diktator. Brutus gelingt es, Cäsar zu überreden, in den Senat zu kommen. Es ist fast Mittag, als er den Sitzungssaal betritt und auf seinem goldenen Amtsstuhl Platz nimmt. Sogleich umringt ihn die Schar der Attentäter und heißt ihn in schmeichlerischem Tonfall willkommen.

Der Mord ebnet Roms Weg in die Monarchie

Unter dem Vorwand eines Bittgesuchs tritt einer der Verschwörer vor den Diktator und ergreift dessen Toga. Das ist das verabredete Zeichen! Blitzschnell zücken die anderen ihre unter der Toga versteckten Dolche und stechen auf den Ahnungslosen ein. Cäsar setzt sich zur Wehr. Erst als Brutus ihm einen Stich versetzt, gibt er seinen Widerstand auf, hüllt sich in seine Toga und bricht blutüberströmt zusammen. Dabei fallen die legendären Worte „Auch du, mein Sohn Brutus!“.

Der als Befreiungstat deklarierte Mord vermochte Roms Weg in die Monarchie nicht aufzuhalten. Im Gegenteil: Er stürzte Rom in einen blutigen Bürgerkrieg, an dessen Ende Cäsars Neffe Gaius Octavius, der spätere Augustus, mit dem Kaisertum eine neue Staatsform begründete. So hatten die Attentäter genau das Gegenteil von dem erreicht, was sie bezwecken wollten.

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