Später Matchwinner für Calcio: Gustavo Borges Da Silva (links). Foto: Archiv/Günter Bergmann
Doch auch mit dem 2:1-Pflichtsieg in Heilbronn bleibt der Filder-Verbandsligist tief im Abstiegskampf. Derweil steht nun fest, wer den scheidenden Coach Di Frisco beerben wird.
Wären die redensartlich fallenden Steine der Erleichterung akustisch wahrnehmbar, wäre es im weiten Rund des Frankenstadions vermutlich ziemlich laut geworden. Vor der Geisterkulisse von knapp 150 Zuschauern, die sich auf den Rängen des Betonklotzes verteilten, blies Sezgin Karabiyik am Ende gleich mehrfach demonstrativ die Luft aus den Backen, begleitet von einer wegwerfenden Handbewegung. „Mann, oh Mann“, murmelte er. Offensichtlich war: Eben der Mann, nämlich er selbst, war geschafft. Und das, obwohl es für die Verbandsliga-Fußballer von Calcio Leinfelden-Echterdingen ja gerade noch einmal gut gegangen ist.
Ein spätes Jokertor des Brasilianers Gustavo Borges Da Silva hat dem Filderclub am Samstag doch noch den dringend benötigten Sieg beschert. Endstand im Auswärtsspiel beim abgeschlagenen Tabellenletzten VfR Heilbronn: aus Sicht der Gäste ein 2:1. Damit bleiben die Echterdinger Chancen im Kampf gegen das Schreckensszenario eines zweiten Abstiegs in Serie intakt. Mehr aber auch nicht. Aufgrund der gleichzeitig ungünstigen Ergebnisse in der Oberliga wäre der von Calcio weiterhin belegte zwölfte Platz Stand jetzt ein Abstiegsrang. Zum definitiv rettenden neunten Platz besteht unverändert eine Fünf-Punkte-Kluft. Und die Co-Trainer Karabiyik und Adem Demir bekamen an der Seitenlinie als Vertreter des beruflich verhinderten Chefcoachs Francesco Di Frisco schon mal einen Vorgeschmack, was für die drei letzten Spieltage der regulären Saison nun noch an Nervenkitzel droht.
Die Entscheidung ist gefallen: Adem Demir wird zum Cheftrainer aufsteigen. Foto: IMAGO/Pressefoto Baumann
Demir durfte dabei bereits in seiner künftigen Rolle üben. Denn hinter den Kulissen ist die mittlerweile erwartete Entscheidung gefallen: Der 39-Jährige wird fürs nächste Spieljahr zum Di-Frisco-Nachfolger aufsteigen. Die offizielle Bestätigung von Vereinsseite steht zwar noch aus, doch Demir selbst berichtet von „99, ja eigentlich 100 Prozent“ Einigkeit. Einen gewichtigen Fürsprecher hat er im Noch-Amtsinhaber: Beide kennen sich bereits aus gemeinsamen Jugendzeiten, als sie für den VfB Stuttgart als Mannschaftskollegen in der Junioren-Bundesliga kickten. Als Aktivenspieler brachte es Demir darauf immerhin bis in die Regionalliga (1. FC Köln II, Borussia Mönchengladbach II, Eintracht Frankfurt II) – während sich seine Referenzen als verantwortlicher Kommandogeber noch im überschaubaren Rahmen halten. Seine Trainervita? Notiert sind Kreisliga-Engagements in Kornwestheim, beim SSV Zuffenhausen und AKV BG Ludwigsburg, ehe der gebürtige Ludwigsburger im Januar ins Echterdinger Team wechselte.
Aktuell hatten er und Karabiyik ein glückliches Händchen. Der von ihnen für die Schlussphase eingewechselte Borges Da Silva kam, sah und traf. Nach einem Steilpass von Matino Schlotterbeck stand er plötzlich frei vor dem Tor und versenkte die Kugel flach im Netz (89.). Es war ein alles in allem verdientes Happy End. Schließlich hatten die Italo- Schwaben auch schon in der ersten Hälfte geführt – Casian-Matei Ulici hatte eine Vorlage seines Bruders Andrei-Lucian per Abstauber verwertet (9.). Und schließlich auch verbuchten sie darüber hinaus Aluminiumtreffer von Andrei-Lucian Ulici und Schlotterbeck, der das Leder aus kurzer Entfernung gegen die Latte drosch (8./68.).
Nur, eine Reihe von Abers gab es halt doch auch dieses Mal, gleichwohl sich Karabiyik hinterher voll des Lobes zeigte: „Toll, wie sich die Mannschaft in jeden Ball geworfen und alles gegeben hat.“
Allemal ärgerlich war der zwischenzeitliche gegnerische Ausgleich nur 70 Sekunden nach Beginn von Hälfte zwei. Beim Kopfballaufsetzer des Heilbronner Innenverteidigers Nico van Gameren befanden die Echterdinger sich noch im Halbzeitpausenschlaf (47.). Offensichtlich wurde danach erneut das schon seit Monaten währende Grundproblem: Offensiv fehlt es an Vollstreckern und Durchschlagskraft. Leistungsstempel: bemüht, aber harmlos. Oder, um es mit Demir zu sagen: „Vorne haben wir einfach keinen, der konstant die Dinger macht.“
Neuzugang Kelecti Nkem gleich in der Calcio-Startformation
Erkennbar ist zudem der personelle Substanzverlust in einem Kader, der von Beginn an auf Kante genäht war. Groß ist die Lücke, die die Winteraussteiger Pero Mamic und Jovan Djermanovic hinterlassen haben. Daran hat auch der aktuelle Blitztransfer des zuletzt vereinslosen Kelecti Nkem nichts geändert. Der 25-Jährige mit Oberliga-Vergangenheit (1. FC Normannia Gmünd, FSV 08 Bietigheim-Bissingen) rutschte als Debütant prompt in die Startformation, blieb aber ohne Bindung zum Spiel.
Obendrein, was nicht minder schwer wiegt, ist die Saison für die Leistungsträger Philipp Seemann (Syndesmoseanriss) und Lukas Zweigle (Muskelbündelriss) wie berichtet vorzeitig beendet und fielen am Wochenende auch noch Emilio Amenta (Zerrung) und Georgios Kaligiannidis (Gelb-Rot-Sperre) aus.
Auch hierzu passte Karabiyiks ächzende Gemütslage. Wie gesagt: drei Punktspiele noch. Esslingen, Tübingen, Dorfmerkingen. Dann wird man bei Calcio mehr wissen. Was wären im Erfolgsfall zum Vergleich diese paar Steinchen vom Samstag in Heilbronn?
„Spieler des Spiels“ bei Calcio Leinfelden-Echterdingen
Ali Bozatziolou (Nominierungen: 5). Sicherer Rückhalt im Calcio-Tor. Wehrte in vier Fällen mögliche Gegentreffer ab, beim 1:1 war er chancenlos.