Cannstatter Volksfest Ärger um Gebührenerhöhung
Was müssen die Wirte künftig für ihre Zelte auf dem Wasen zahlen? Noch immer tobt der Streit und gibt es unterschiedliche Vorstellungen.
Was müssen die Wirte künftig für ihre Zelte auf dem Wasen zahlen? Noch immer tobt der Streit und gibt es unterschiedliche Vorstellungen.
Am Freitagmorgen wird es ernst. Dann entscheiden die Stadträte darüber, in welcher Höhe die Gebühren der Wirte für die Feste auf dem Cannstatter Wasen steigen sollen. Noch immer gibt es unterschiedliche Vorstellungen, wie die Erhöhung ausfallen soll.
Michael Wilhelmer baut das Schwabenbräu-Zelt beim Volksfest auf. Ihn und seine Kollegen ärgert der Zungenschlag, den die Debatte bekommen hat. Man wolle sich nicht verweigern. „Natürlich sehen wir die Lage, in der die Stadt ist“, sagt er, „und uns ist klar, dass jeder seinen Teil tragen muss.“ Doch sie finden, was die Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart für die Wirte vorgesehen wird, sei zu hoch. Die Platzgebühren für das Volksfest und das Frühlingsfest sollen um 36 Prozent steigen. Damit würden laut Beratungsvorlage die Gesamtkosten für ein Zelt um vier Prozent steigen.
Warum das nötig ist? Gestiegen sind die Auf- und Ausgaben für die Wache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), für Brand- und Anwohnerschutz und Sicherheit. Die Kosten für das DRK lagen 2019 beim Frühlingsfest bei 95.000 Euro, 2025 bei 356.000Euro. Die für Sicherheit stiegen von 486 .000 auf 615.000 Euro. Weder der Wirtschafts- noch der Finanzplan erlauben solche Defizite, sagt Kämmerer Thomas Fuhrmann. Das summiert sich auf ein Minus von 400.000 Euro in diesem Jahr.
Die Schausteller müssen bis zu 40 Prozent mehr Gebühren bezahlen. Fanden aber auch die Vorgehensweise zumindest diskutabel. „Wir waren mit den Erhöhungen nicht einverstanden“, sagt Schaustellervertreter Mark Roschmann, „das hat man nicht mit uns besprochen, nicht mal ansatzweise.“ Da wünscht er sich einen anderen Umgang. Und man könne durchaus auch mal darüber reden, ob alle Kosten denn auch so nötig wären. „Warum muss beim Öffnen des Platzes die gesamte Security-Mannschaft da sein?“, fragt er, anderswo würden tagsüber auch weit weniger Ordner reichen. Und wie Wilhelmer stört ihn auch der Ton der Diskussion. „Die Feste bringen Geld in die Stadt, sehr viel Geld“, sagt er, „Hotels, Einzelhandel, Taxifahrer und viele andere profitieren, aber im Gemeinderat wird so getan, als seien wir nur ein Kostenfaktor.“
Auch Wilhelmer betont die Ausstrahlung des Frühlingsfestes und des Volksfestes und welch wichtige Rolle es für die Darstellung Stuttgarts spielt. Und dass daran die Brauereien und Wirte maßgeblich daran beteiligt seien. Wochenlang schon haben sie versucht, diese Botschaft den Stadträten nahezubringen. Und ihrerseits Vorschläge gemacht. Etwa jenen, die Gebühren im ersten Jahre auf 15 bis 20 Prozent zu steigern, und über drei Jahre hinweg anzuheben. Und nicht jetzt auf einen Schlag. „Dann können wir uns darauf einstellen“, denn so zahle man die Zeche doppelt. Was für die Veranstalterin und den ganzen Platz gelte, gelte für die Wirte in ihren Zelten schließlich auch. Auch sie müssen Jahr für Jahr strengere und damit teurere Auflagen der Sicherheit wegen erfüllen.
Der Mindestlohn steigt, Energie ist teuer, Lebensmittel dito, zudem noch die steigenden Platzgebühren, die Kalkulation ist anspruchsvoll geworden. Gerade für neue Betreiber heißt es , man brauche einen langen Atem bis man Geld verdiene. „Wir können die Kosten schon lange nicht mehr an die Gäste weitergeben“, sagt Wilhelmer, „wir wollen schließlich alle, dass das Volksfest familienfreundlich bleibt.“ Heißt, die Stadträte sollen noch mal in sich gehen, bevor sie an diesem Freitag entscheiden.