Der Countdown fürs Volksfest läuft: Ein Blick auf Trends, Preise, Partys, den neuen Song von DJ Robin sowie auf einen angeblichen „Darkroom“ – auf den ganz normalen Wasen-Wahnsinn.

Stadtleben/Stadtkultur: Uwe Bogen (ubo)

Die Krüge hoch! Manche meinen, im Herbst beginnt die schönste Jahreszeit. Das Oktoberfest, das am Samstag startet, geht vorneweg, ist weltbekannt, glanzvoll und viel größer. Na und? Mit schwäbischem Stolz dürfen wir jedoch feststellen: Das Cannstatter Volksfest (Start an 26. September) ist gemütlicher, ehrlicher und familiärer. Was Dirndl und Lederhosen angeht, gibt es kaum noch Unterschiede. Bei den Preisen und bei den Öffnungszeiten aber können die Wirte und Schausteller am Neckar ganz klar punkten.

 

Der neue Song von DJ Robin ist ein Ohrwurm aus den 1970ern

In München wie in Bad Cannstatt gibt ein alter Bekannter der Partyszene nun Vollgas: DJ Robin aus Ditzingen, der seit „Layla“ und „Bumsbar“ ein Star der Festzelte und des Ballermanns ist, hat am Freitag zum Wiesn-Auftakt seinen neuen Song „Wer bist denn du?“ herausgebracht. Die Melodie basiert auf dem 70er Jahre-Song „How do you do“ von Mouth & MacNeal – und Robin glaubt, dass der Song erneut Hitpotenzial hat.

Mitsingen dürfte nicht schwer fallen

Ob das deutsche Remake eines 50 Jahre alten Welthits zuerst in München oder Bad Cannstatt zum Ohrwurm wird – wer weiß das schon? Das Mitsingen dürfte nicht schwerfallen. Es ist ein Anmachsong, was aufs Volksfest passt, das immer auch ein Flirtfest ist. Der Refrain lautet: „Wer bist denn du? Nur ich und du, wollen wir zusammen – nana nana? Was hast du heut Nacht noch vor?“

DJ Robin hat am Freitag seinen neuen Song „Wer bist denn du?“ vorgestellt. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttgart

DJ Robin hat in Cannstatt noch viel vor. Während er kürzlich unserer Redaktion verraten hat, was er seit „Layla“ verdient – für einen Auftritt verlangt er 7900 Euro plus 800 Euro Reisekosten –, spielt der 29-Jährige beim Volksfest im Zelt des Wasenwirts „zu denselben Konditionen“, die 2017 galten, als er zum ersten Mal von der Familie Weeber engagiert wurde. Es mache ihm nicht nur Spaß, sondern er sei noch dankbar, dass er einst auf dem Wasen seine Chance bekam.

Während in München seit Tagen vor allem die hohen Wasserpreise für Schlagzeilen sorgen – der Liter ist dort zum Teil teurer als Bier – ist dieses Thema in Cannstatt bisher weniger brisant. Auf dem Wasen bleibt, was das Wasser angeht, das Preisgefüge relativ stabil. Der halbe Liter kostet in den Zelten zwischen 5,80 und 6,90 Euro – das ist ein ähnlicher Preis wie kürzlich auf dem Weindorf.  „Wasser  to go“ gibt es etwa bei Nina Renoldi für 5,50 Euro.

Beim Volksfest gibt es vorerst keine öffentliche Zapfstellen für Wasser

Das Oktoberfest allerdings verfügt über öffentliche Zapfstellen. Die Besucherinnen und Besucher können auf der Theresienwiese kostenlos Wasser in Flaschen abfüllen. In den Zelten wird daher hochwertiger Sprudel renommierter Marken serviert, der eben teuer ist. Dem Beispiel der Zapfstellen auf dem Gelände folgt in.Stuttgart als Veranstalter des Volksfestes nicht. „Beim Kesselfestival im Sommer gab es kostenloses Wasser“, sagt Sprecherin Stefanie Hirrle, „im Herbst, wenn es kühler wird, hat man bisher keine Veranlassung dafür gesehen.“

Auf dem Cannstatter Wasen vollzieht sich ein Wandel

Ein weiterer Unterschied besteht bei den Öffnungszeiten des Volks- und Oktoberfestes: In Cannstatt dürfen die Clubs, also die angeschlossenen Partybereiche in den Zelten, die mit Schampus und Wein locken, eine Stunde länger geöffnet bleiben als die Festzelte selbst. In München ist eine solche Verlängerung aller Zelte nicht vorgesehen. Dort ist das Fest traditioneller.

Seit Generationen steht Bier auf dem Volksfest im Mittelpunkt. Doch in den letzten Jahren vollzieht sich ein Wandel, weshalb sich etliche Wirte im Spagat zwischen Tradition und Trend versuchen. Immer mehr junge Besucherinnen und Besucher empfinden Maßkrüge und Ballermann-Musik als „uncool“. Hinzu kommt: Der Lifestyle rund um Drinks, Wein und Schampus passt besser zu Instagram und Co.

„Nein, das ist kein Darkroom“

Tim Berkemer, Betreiber des Hi-Life am Stuttgarter Rotebühlplatz, ist mit seiner Spitzbubenbar von der Empore der Almhütte Royal auf eine doppelt so große Fläche im Zelt von Sonja Merz ins Erdgeschoss gezogen. „Der Vorverkauf läuft sehr gut“, freut er sich. Dort gibt es einen eigenen Zugang sowie einen abgedunkelten und abgetrennten VIP-Bereich für 20 Personen, in dem man auf Sofas sitzen kann. Nein, das sei „kein Darkroom“, wie bereits rumerzählt wurde. Es sei eher ein „Secret Room“.

Clubmusik statt Wasenhits

Seinen früheren Ort bei Nina Renoldi haben nun die Betreiber von Fridas Pier bezogen, die als Neulinge ebenfalls sehr zufrieden sind mit der Nachfrage. „Courchevel trifft Cannstatt“ lautet ihr Motto. Der Wasenclub von Fridas Pier wird Royal 1850 heißen. Courchevel liegt in den französischen Alpen, und „Courchevel 1850“ bezeichnet den luxuriösen Teil des Skigebiets. In der „Premium-Loge“ soll es exklusiv zugehen. Statt der üblichen Wasenhits erwartet die Gäste Clubmusik – also nicht unbedingt die Vibes, die man von Fridas Pier gewohnt ist.

Preise für Eiswürfel sind „extrem gestiegen“

„Prost ihr Säcke, Prost du Sack“ – dieser Ruf ertönt nicht mehr überall auf dem Wasen. Die Partys für Promis in den Logen häufen sich wieder. Breuninger lädt zur Wasenliebe, Michael Wilhelmer zur Wasenpirsch, der Wasenwirt zu Gaydelight, die Almhütte Royal zum Gründerwasen und so weiter – die Vielfalt ist groß. „Das ist das Schöne am Volksfest“, findet Sprecherin Stefanie Hirrle, „für jeden Geschmack ist was dabei.“

Während hohe Preise für Sprudel wohl kein Thema beim Volksfest sind, sieht es beim gefrorenen Wasser anders aus. „Die Preise für die Eiswürfel sind extrem gestiegen“, sagt Festwirtin Nina Renoldi von der Almhütte Royal. Selbstmachen könne man das Eis nicht mehr mit eigenen Geräten, weil die Gefahr einer Sporenbildung verhindert werden muss. Eine um sich greifende Krankheit will keiner mehr.