Caritas Fils-Neckar-Alb Esslinger Tafelladen zieht bald in die ehemalige Wirtschaftshilfe

Noch müssen die Bauarbeiten warten: Die Genehmigung des Bauantrags steht noch aus. Foto: /Ines Rudel

Nach drei Jahren Suche hat der Esslinger Tafelladen neue Räumlichkeiten gefunden. Der Umzug ist überfällig, denn für die steigende Kundenzahl ist der aktuelle Laden nicht mehr ausreichend. Wir zeigen, wie es im neuen Gebäude aussieht und was geplant ist.

Abgetretener Parkettboden, die Luft steht in dem leer stehenden Gebäude, das 20 Jahre lang die Esslinger Wirtschaftshilfe beheimatete. „Selbst in diesem Zustand ist es schon deutlich besser als das, was wir jetzt haben“, sagt Sven Jaissle, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Finanzen der Caritas Fils-Neckar-Alb. „Da liegen Welten dazwischen.“ Über drei Jahre lang hat die Esslinger Caritas-Tafel „Carisatt“ nach neuen Räumlichkeiten gesucht. Im März sei sie endlich fündig geworden. Das Aus für die Wirtschaftshilfe war ihr Glück. Die Wirtschaftshilfe musste Ende des Jahres 2022 schließen, nachdem der Gemeinderat beschlossen hatte, den städtischen Eigenbetrieb aufzulösen. Der Vermieter sei dann Anfang des Jahres auf die Caritas zugekommen. „Sagen wir es mal so: Mit der Miete ist man uns sehr entgegengekommen“, verrät Jaissle. „Ein Faktor war vermutlich, dass er weiß, dass er mit uns zuverlässige Mieter hat.“

 

Allerdings sei vorab noch einiges mit dem aktuellen Vermieter zu klären gewesen, weshalb der baldige Umzug lange nicht bekannt gegeben worden sei. „Wir planen derzeit noch vorsichtig, auf Anfang September umzuziehen“, sagt Jaissle. Bevor die Tafel von der Neckarstraße 21 in die Sirnauer Straße 7 wandert, gebe es noch viel zu tun. Und die Zeit wird eng für den Umbau, der etwa zwei bis drei Monate dauern werde, da durch das doppelte Mietverhältnis die laufenden Kosten derzeit hoch seien. Allerdings könnten die Bauarbeiten noch nicht beginnen, da die Genehmigung des Bauantrags auf Nutzungsänderung ausstehe. Immerhin ist die Umzugsstrecke kurz.

Stetig steigende Kundenzahl

Überfällig ist der Umzug laut Barbara Zaremba-Meyer, der Marktleiterin der Esslinger Tafel, längst: „Die Lebensmittel werden auf mehreren Stockwerken verteilt gelagert, es gibt keinen Kühlraum, das Büro ist kaum isoliert und hat keine Heizung“ – das sind nur ein paar Punkte aus der Mängelliste. „Wer drüben arbeitet, der weiß, wie müßig das ist“, sagt sie. Auch für die Kunden: Oft stehen diese schon Stunden vor der Öffnung Schlange – egal bei welchem Wetter. Es sind einige ukrainische Flüchtlinge, Hartz-IV-Empfänger, aber auch ältere Menschen, die wegen einer geringen Rente auf die Unterstützung der Tafel angewiesen sind. „Viele setzen sich unter das Dach der gegenüberliegenden Bushaltestelle“, sagt Zaremba-Meyer. Drinnen zu warten sei leider nicht möglich – zu wenig Platz. Und die Kundenanzahl wächst stetig. „Derzeit kommen zwischen 120 bis 150 Personen am Tag. Vor Corona waren es etwa 100 bis 120“, so die Marktleiterin. Der Ukraine-Krieg habe die Situation nach der Pandemie verschärft. Nach Schätzung von Zaremba-Meyer seien derzeit 80 Prozent ihrer Klientel Ukrainer. Viele ältere oder gehbehinderte Kunden blieben auf der Strecke und würden wegen der langen Wartezeiten nicht mehr kommen. Nur vier Personen dürfen aktuell zeitgleich in den Laden. „Zukünftig werden mindestens zehn Personen gleichzeitig einkaufen können“, sagt die Marktleiterin. Sie hoffe, dass dadurch auch das aktuell gültige Nummernsystem abgeschafft werden könne: Jeder Kunde muss derzeit bei Öffnung eine Nummer ziehen, die darüber entscheidet, wann er einkaufen darf. Wer zuletzt kommt, hat die kleinste Auswahl, da die Menge der Lebensmittel begrenzt ist.

Momentan sehe es mit Privatspenden von Lebensmitteln schlecht aus. „Von der Inflation ist eine breite Mittelschicht betroffen. Das Geld sitzt nicht mehr so locker“, sagt Hans-Peter Kensbock, Leiter der Caritas-Tafelläden in der Region. Dasselbe gelte für Geldspenden. Und die würden derzeit dringend für den Umbau benötigt.

Das Problem mit der Barrierefreiheit

„Nach einer ersten Schätzung rechnen wir aktuell mit Kosten von etwa 140 000 Euro“, sagt Sven Jaissle. Finanzielle Unterstützung erhielten sie von der Esslinger Bürgerstiftung, der Kreissparkassenstiftung und der Lidl-Pfandspende, der Rest müsse die Caritas über Spenden aufbringen. Dafür stehen ihnen zukünftig insgesamt 700 Quadratmeter zur Verfügung. 150 Quadratmeter werden für den Verkauf von Lebensmitteln genutzt und weitere 100 für den Kleidungs- und Haushaltswarenbereich. Und das Wichtigste: alles auf einer Ebene. Im aktuellen Geschäft werden seit Jahren keine Klamotten und Haushaltswaren mehr angeboten, da diese Abteilung im zweiten Stock liegt und für Gehbehinderte quasi nicht erreichbar ist. Zwar führt auch in der alten Wirtschaftshilfe eine Treppe zum Haupteingang, aber es werde eine Hebebühne für Gehbehinderte installiert.

Auch die Logistik werde einfacher. Noch müssen alle ankommenden Waren ausgeladen und auf verschiedene Stockwerke getragen werden. Zukünftig geht das über einen Fahrstuhl, der in den weiträumigen Keller führt, wo alles zentral gelagert werden kann. Dort werde auch das neue „Schmuckstück“ stehen, wie Jaissle es nennt: eine neun Quadratmeter große Kühlzelle. Diese allein werde ungefähr 18 000 Euro kosten. Letztlich könne damit aber Energie und Arbeitszeit gespart werden, da aktuell noch alle Lebensmittel von Hand in mehrere alte Kühlschränke geräumt werden müssten.

Für Unterstützer und Bedürftige

Arbeit der Tafeln
 In den Tafelläden kann sich jeder einen Tafelausweis ausstellen lassen, der nachweist, dass er über ein geringes Einkommen verfügt. Dieser Ausweis berechtigt zum günstigen Einkauf von gespendeten Lebensmitteln. Öffnungszeiten in Esslingen sind von Montag bis Freitag von 11.30 bis 15 Uhr.

Kontakt und Spenden
 Wer Interesse hat, die Tafeln durch Spenden oder im Ehrenamt zu unterstützen, findet weitere Informationen auf der Internetseite der Caritas unter www.caritas-fils-neckar.de. Die Esslinger Tafel erreicht man unter der Telefonnummer: 07 11 / 3 51 01 42. Die finanzielle Unterstützung der Tafeln ist über das Spendenkonto möglich: Caritas Fils-Neckar-Alb Bank für Sozialwirtschaft IBAN DE46 3702 0500 0001 7907 00. Lebensmittelspenden können während der Öffnungszeiten oder nach Absprache vorbeigebracht werden. Wichtig: keine abgelaufenen Lebensmittel oder Selbstgemachtes (Kennzeichnungspflicht).

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