Vor allem Jugendliche träumen davon, sich vor der Kamera auszuprobieren – und womöglich für Film und Fernsehen „entdeckt“ zu werden. Bei der zweiten Castingshow der UFA Talent Base im Neckarcenter konnten Menschen jeglichen Alters kostenlos in das Star- und Sternchenmetier hineinschnuppern und ihre Talente vor laufender Kamera präsentieren.
Manche kommen aufgestylt im Rüschenröckchen, andere betont lässig in Jeans und T-Shirt, oder auch mit schickem Kopftuch: Insgesamt 114 Probanden im Alter von sieben bis 63 Jahren springen an diesem Nachmittag beherzt über ihren Schatten und zeigen sich vor der Kamera.
Sehr „vielfältige Talente“ kämen in Esslingen zum Vorschein, lobt der professionelle Talent-Scout Marcel Nitschke, „das war im vergangenen Jahr auch schon so“. Erstaunlich unbefangen und fast immer spontan wird vor der Kamera posiert, geschauspielert, gesungen, gerappt oder getanzt.
In der Schule als Klassenclown bekannt
„Ich kann beatboxen, und ich mache Witze“, verrät etwa der 13-jährige Levin aus Esslingen, der mit Freunden zum Casting gekommen ist. In der Schule sei er als Klassenclown bekannt und mache öfter bei der Karaoke-Talentshow mit. Am liebsten würde er Comedian werden. „Ich bringe gerne Leute zum Lachen.“
Ebenfalls mit etwas Bühnenerfahrung kommt die elfjährige Sabrina zum Casting. Sie hat schon mehrmals bei Ballettaufführungen mitgetanzt. Auf der Bühne zu stehen findet sie „einfach umwerfend“: Das Publikum sehe zu einem auf, „man fühlt sich wie ein anderer Mensch“. Beim Casting trägt Sabrina einen Rap-Song vor und improvisiert eine Schauspielszene. Ihr großer Traum: „Schauspielern oder Modeln, irgendwas im Fernsehen“.
Ganz spontan zum Casting entschlossen hat sich Julia (21), die mit Mutter, Schwester und Freundin eigentlich gerade beim Einkaufen war. Sie singe gern, „aber sonst nur allein unter der Dusche“, gesteht sie und rückt ihr Kopftuch zurecht. Etwas schüchtern, aber mit fabelhafter Stimme absolviert sie ihren ersten Auftritt vor Publikum. „Zeig mehr Emotionen, geh aus dir raus“, wird sie von Talentscout Otto Nitschke ermuntert. Der zweite Durchgang hat fast Gänsehautpotenzial und wird mit viel Applaus der Umstehenden belohnt.
Seit 15 Jahren veranstalten Marcel Nitschke und sein Team Castingtouren durch Deutschland, Österreich und die Schweiz für die traditionsreiche Produktionsgesellschaft UFA. Aus den vor Ort entstandenen Foto- und Filmaufnahmen werde für jeden Teilnehmer eine digitale Sedcard erstellt und ins Castingportal der UFA Talent Base hochgeladen, erläutert Marcel Nitschke: Die Sedcard sei praktisch „die Bewerbungsmappe für Jobs“. Stets als Talentscout mit dabei ist auch Marcel Nitschkes Vater Otto, der mit seinen 71 Jahren „nicht aufhören kann“.
Es sei eine gute Erfahrung, das Lampenfieber zu überwinden
Viele Probanden hätten anfangs Lampenfieber und seien gehemmt, berichtet Otto Nitschke. Deshalb unterhalte er sich mit ihnen und lasse sie einfach eine Weile ins Mikrofon sprechen oder singen. „Dann kommt plötzlich der Spaßfaktor und sie werden freier.“ Außerdem gibt er gute Tipps, die die Probanden bei einem zweiten Durchlauf umsetzen können. Nach jeweils temperamentvollen Improvisationseinlagen rät er etwa Sonja und ihrer Freundin Laura (23) dazu, wechselnde Emotionen zu zeigen. „Wenn man die ganze Zeit mit derselben Emotion durchpowert, schalten die Fernsehzuschauer weg.“ Auch für Sonja ist es das erste Casting. Sie studiere Kultur- und Medienbildung und sei „mega-filminteressiert“, erzählt sie. „Ich würde total gern Regie führen, aber auch Schauspielerei oder Modeln fände ich sehr cool.“ Sie tanze auch gerne, „am liebsten Steptanz“. Das Casting habe sie weitergebracht, sagt ihre Freundin Laura. „Es hat Spaß gemacht und es ist hilfreich, Feedback zu bekommen“. Ihre Ausbildung als Erzieherin mache ihr ebenfalls Freude – „aber ab und zu als Komparsin irgendwo mitzuspielen wäre toll“. Extra aus Leonberg ist Familie Seyfert für das Casting angereist. Nicht nur Tochter Julia (12), sondern auch Mutter Renata und Vater René nehmen am Casting teil. Julia hat als Komparsin bereits in einigen Serien mitgespielt – ihr großer Traum ist es, bei der angesagten UFA-Serie „Maxton Hall – Die Welt zwischen uns“ mitzumachen. Vater René ist fast schon ein alter Hase beim Film. Hauptberuflich sei er bei der Stadt angestellt, zusätzlich arbeite er seit 15 Jahren immer wieder als Komparse, so etwa bei der Soko Stuttgart. Es mache unheimlich Spaß, in die Welt des Films hineinzuschnuppern, sind sich Vater und Tochter einig.
Die große Karriere bei Film und Fernsehen bleibt wohl für die meisten Casting-Teilnehmer ein Traum – doch darauf scheint es gar nicht anzukommen. „Alle haben großen Mut bewiesen und waren kreativ“, zieht Marcel Nitschke den imaginären Hut. Das Team sei sich der Verantwortung für die vorwiegend jungen Menschen durchaus bewusst. Dass es eine gute Erfahrung war, das Lampenfieber zu überwinden, zeigen die strahlenden Gesichter nach dem Auftritt. Abgelehnt wird hier niemand: Eine persönliche Sedcard wird für alle angelegt.
Weitere Informationen unter: www.ufa-base.de und www.ufa.de
Fakten und Tipps rund ums Casting
UFA
Die UFA gehört zu den größten deutschen Produktionsgesellschaften für Film und Fernsehen. Die dazugehörige Talent- und Casting- Plattform UFA Base möchte Talenten eine Bühne bieten und fungiert als Vermittlungsportal für Film- und Fernsehproduktionen. Ständig würden „frische Gesichter“ für Komparserie, Neben- oder Hauptrollen gesucht, heißt es auf der Webseite. Gefragt seien Talente aus den Bereichen Schauspielerei, Musik, Mode, Comedy, Sport und Moderation.
Casting
Wer sich dafür interessiert und das Castingevent im Neckarcenter verpasst hat, kann dort auch online eine Sedcard anlegen. Diese fungiert als Visitenkarte und wird benötigt, um sich für Serien- oder Filmcastings zu bewerben. Möglichst authentisch und in Alltagskleidung sollte man sich präsentieren, wird auf der Webseite geraten. Das Portfolio der UFA umfasst Kino- und TV- Spielfilme sowie Serien.