Michael Mauer drückte Porsche seinen Design-Stempel auf. Foto: dpa
Seine Aufgabe als Porsche-Chefdesigner hatte Michael Mauer bereits verloren. Nun scheidet er ganz aus dem VW-Konzern aus und wird durch Andreas Mindt ersetzt.
Es sollte ein Abschied auf Raten werden. Doch was als sanfter Übergang in den Ruhestand geplant war, endet jetzt doch sehr abrupt. Der legendäre Chefdesigner Michael Mauer verlässt den Volkswagen-Konzern zum 1. März. Bereits im Januar war Mauer im Zuge der Umstrukturierung unter dem neuen Porsche-Chef Michael Leiters von seinen Aufgaben beim Zuffenhausener Sportwagen-Hersteller abberufen worden. Übergeordneter Chefdesigner des gesamten Volkswagen-Konzern sollte Mauer aber bleiben. Doch auch dort hat er nun keine Zukunft mehr. Bei Porsche wird Michael Mauer durch den ehemaligen McLaren-Mann Tobias Sühlmann ersetzt, bei der Volkswagen Group folgt auf ihn nun Andreas Mindt.
Modelloffensive als komplexe Aufgabe
22 Jahre lang war Michael Mauer Chefdesigner bei Porsche und stand damit persönlich für die Kontinuität der Marke, die sich wie keine andere der eigenen Tradition verpflichtet fühlt. Der 63-Jährige, der deutlich jünger wirkt, war erst der vierte Designleiter des Sportwagenherstellers – nach Ferdinand Alexander (F. A.) Porsche, Anatol Lapine und Harm Lagaaij. Wobei Mauer die wohl komplexeste Aufgabe unter diesen Stardesignern zufiel: Mit einer Modelloffensive neue Segmente erschließen.
Trotzdem richten sich die Augen auch immer ganz gezielt auf den größten Schatz des Hauses: den 911. Diese von F. A. Porsche entworfene Stilikone gilt es seit 61 Jahren neu zu interpretieren und gleichzeitig den Charakter des Fahrzeugs zu wahren. Was die wohl größte Herausforderung im Automobildesign darstellt. „Das ist ein bisschen wie im Fußball, wo es ja auch Millionen von Bundestrainern gibt“, sagte Michael Mauer einmal. „Es wissen auch ganz viele, wie ein 911er auszusehen hat.“
Auf die Millionenfrage hatte Michael Mauer über Jahrzehnte hinweg immer wieder die richtige Antwort gefunden. Drei von nunmehr acht Generationen des 911ers trugen seine Handschrift. Auf diesem reichen Erfahrungsschatz basiert auch ein Buch über den Wagen mit dem bekanntesten Zahlencode der Autowelt, das anlässlich von Mauers 20-jährigem Dienstjubiläum erschienen war. „Unvergänglich ewig neu“ heißt es darin über den Porsche 911.
Dieser 2024 erschienene Bildband markiert den Höhepunkt in Michael Mauers Karriere. Bei der Buch-Präsentation in Stuttgart wurde er von der Autobranche damals als Design-Koryphäe gefeiert. Mauer ließ die Huldigungen stilvoll-bescheiden über sich ergehen, als er auf dem Gipfel stand. Der Weg dorthin begann auf 1015 Metern, in Höchenschwand im südlichen Hochschwarzwald ist Michael Mauer aufgewachsen. Der Feldberg und der Wunsch, von Beruf Skilehrer zu werden, liegen dort nicht fern. Weil er sich auch für Autos interessierte und im Kunstunterricht seine besten Noten bekommt, vermittelte ihm sein Vater aber nach dem Abitur ein Praktikum bei Mercedes. Der Beginn einer großen Karriere.
Geplatzter Traum vom elektrischen 911er
Es folgte ein Design-Studium in Pforzheim. „Das hat mich geprägt, die Hochschule orientierte sich sehr stark am Bauhaus-Stil“, sagte Michael Mauer einmal und benannte damit die Richtlinie, zu der er schon früh F. A. Porsches Design hinzufügt. Dazu zählt auch ein Tipp, der ihm von seinem Porsche-Vorgänger Harm Laagay mit auf den weiteren Weg gegeben worden war. Der Niederländer riet ihm, dem Bauchgefühl zu folgen. Und das hat ihm offenbar jetzt gesagt, dass die Zeit für den Abschied gekommen ist. Bevor er sich seinen letzten großen Design-Traum von einem elektrischen 911er erfüllen konnte.