China als Reiseland Wolkenkratzer, Himmelstempel, Große Mauer – unterwegs im Reich der Mitte

China hat so viel zu bieten, die Große Mauer ist nur eine von vielen Sehenswürdigkeiten. Foto: KI/Midjourney//Montage: Ruckaberle

So ein großes Land! So eine lange Kulturgeschichte! So viele Menschen! So wenig Zeit! Was Sie in zehn Tagen in China erleben können, wenn Sie von Beijing nach Schanghai reisen.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Frau Quan lacht. Kurz fällt sie aus der Rolle der fingerfertigen Arbeiterin, die aus zig Fäden spektakuläre Stoffmuster webt. Gerade hat sie ein Mensch aus dem Westen gefragt, ob ihr ihre Arbeit Spaß macht. Wie bitte? Was ist das für eine komische Frage! Sie arbeite hier, weil es eine Ehre sei, Stoffe so zu weben, wie das in China schon vor vielen Hundert Jahren gemacht wurde, antwortet sie, beim Arbeiten gehe es doch nicht darum, Spaß zu haben!

 

5000 Jahre Geschichte

Wer durch China reist, muss mit allem rechnen: Dass man erst inmitten riesiger Teeplantagen steht und dann vom dritthöchsten Gebäude der Welt auf eine nicht enden wollende Stadt blickt; dass man, während man durch die 8886 Räume der Verbotenen Stadt irrt, für chinesische Besucher zur eigentlichen Attraktion im ehemaligen Kaiserpalast wird; oder eben, dass man von einer Weberin ausgelacht wird, wenn man sie fragt, ob ihr Job ihr Spaß macht.

Aber genau das macht eine Reise durch China so aufregend: Hier ist vieles selbstverständlich anders und fremd. Was eine Reise durch China dagegen anstrengend macht, ist, dass das Land viel zu groß, viel zu vielfältig ist, um alles zu sehen. Zehn Tage sind für das viertgrößte Land der Welt, das 1,3 Milliarden Einwohner und mit einer über 5000-jährigen Geschichte eine der ältesten Kulturen der Welt ist, viel zu kurz. Da bleibt keine Zeit, um ins westliche China zur Terrakotta-Armee nahe der ehemaligen Hauptstadt Xi’an zu reisen, für eine Kreuzfahrt durch die Yangtze-Schluchten oder für einen Ausflug in die ehemalige Kronkolonie Hongkong.

Mögliche Stationen einer Chinareise Foto: StZN/Lange

Die Verbotene Stadt

Ein paar Tage bevor im Wasserdorf Wuzhen, einer Art riesigem Freiluftmuseum zur Kulturgeschichte Chinas, die fleißige Quan Jianhui lacht, beginnt die Reise in Beijing, das viele in Europa noch unter dem Namen Peking kennen. Vom hypermodernen Terminal 3 des Flughafens geht es gleich in die 720 000 Quadratmeter große Palastanlage im Herzen der Stadt. Hier residierten knapp 500 Jahre die Kaiser der Ming- bis zur Qing-Dynastie – und weil das einfache Volk keinen Zutritt hatte, heißt der Kaiserpalast auch heute noch Verbotene Stadt. Inmitten des symmetrisch angelegten Gebäudekomplexes befindet sich die Halle der höchsten Harmonie. Und obwohl Puyi, der letzte Kaiser Chinas, als Sechsjähriger im Jahr 1912 abdanken musste, darf dieses von 24 Säulen getragene Gebäude immer noch nicht jeder betreten. Doch auch von draußen wirkt der von zwei Steinelefanten bewachte Drachenthron majestätisch beeindruckend.

Foto: Reinhardt

Zwar lohnt sich in Beijing auch ein Bummel durch die Hutongs, die verwinkelten Altstadtviertel, vor allem protzt Chinas Hauptstadt aber mit dem Kaiserzeit-Erbe. Ob in der Verbotenen Stadt, im einem Paradies aus Gartenkunst, Pavillons, Wandelgängen und prächtigen Hallen gleichenden Sommerpalast, oder dem Himmelstempel, der ein sich auf 215 Hektar erstreckendes architektonischen Meisterwerk ist – die meisten Touristen hier sind Chinesen. Wie zum Beispiel Ying Xiu, eine 86-jährige Bäuerin, die 1200 Kilometer gereist ist, um einmal in ihrem Leben den Himmelstempel zu sehen.

Die Große Mauer

Wie viele Chinesinnen, die diese Kulturstätte besuchen, trägt sie ein traditionelles Kostüm. Rund um die Sehenswürdigen gibt es zahllose Kostümverleihe, die auch Perücken, farblich passende Sonnenschirmchen und einen Schminkservice anbieten. Und während man als westlicher Besucher von diesen Frauen in farbenfroh-edlen Gewändern (chinesische Männer sieht man nur selten kostümiert) fast genauso beeindruckt ist, wie von den Monumenten der Kulturgeschichte, wird man auch selbst oft zum Fotomotiv. Vielen Menschen, die sich wie Ying Xiu an Beijings Touristen-Hotspots drängeln, sind das erste Mal aus der chinesischen Provinz angereist: Viele haben noch niemals Menschen aus dem Westen gesehen. Große weiße Männer mit Bart oder blonde Frauen werden mitunter wie Sensationen bestaunt.

Auch beim Ausflug zur Großen Mauer wird man oft von höflichen Menschen darum gebeten, mit ihren Kindern für Fotos zu posieren. Solche Wünsche sind eine gute Gelegenheit, um zu Atem zu kommen. Denn der etwas nördlich von Beijing liegende gut erhaltene und begehbare Abschnitt der Chinesischen Mauer, die mit einer Länge von insgesamt fast 8000 Kilometern das größte Bauwerk der Welt ist, schmiegt sich so eng in die Hügellandschaft, dass man beim steilen Auf und Ab schnell aus der Puste kommt.

Hangzhou und der Westsee

Und natürlich darf man nicht aus Beijing abreisen, ohne Pekingente gegessen zu haben. Obwohl ein chinesisches Sprichwort lautet „Das Essen ist des Volkes Himmelreich", war dieses Gericht, bei dem das gebackene Entenfleisch mit Gurken, Frühlingszwiebeln und Hoisin-Soße in dünne Pfannkuchen eingerollt gegessen wird, einst der kaiserlichen Küche vorbehalten. Eine Chinareise lehrt ignorante Westler nicht nur, dass es etwa erhebliche regionale Unterschiede zwischen der Küche des Südens und Nordens gibt, oder dass Tausendjährige Eier zwar in Wirklichkeit höchstens drei Jahre haltbar, aber dennoch nichts für Menschen mit schwachem Magen sind. Man lernt auch, wie wenig man weiß. Etwa über Hangzhou. Die Stadt liegt 1278 Kilometer südlich von Beijing – eine Strecke, die der Hochgeschwindigkeitszug G183 in viereinhalb Stunden schafft. Hangzhou zählt zu den Wiegen der chinesischen Kultur, gilt aber auch als das Silicon Valley Chinas – und hat fast dreimal so viele Einwohner wie Berlin.

In Hangzhou ist eine Bootsfahrt auf dem idyllischen Westsee Pflicht, den schon die Kaiser liebten. Aber es ist auch nicht weit zu dem antiken buddhistischen Lingyin-Tempel, der bei der Mao Zedong Kulturrevolution verschont wurde. Aus der Provinz Zhejiang, deren Hauptstadt Hangzhou ist, stammt aber auch Lung Ching – der weltberühmte Drachenbrunnentee. Und kaum hat man die Stadt nach Südwesten verlassen, verwandelt sich die Landschaft in ein hellgrünes Meer aus Plantagen. In den Teedörfern erfährt man nicht nur alles über den Anbau und die Verarbeitung dieses grünen Tees, sondern kann sich durch die Ernten probieren.

Wuzhen und Suzhou

Und bevor es zum Ziel dieser Reise, geht – nach Schanghai, einer Stadt, die wie keine andere Metropole Chinas für die Zukunft dieses Landes steht – geht die Reise noch einmal in die Vergangenheit: Erst ins Wasserdorf Wuzhen, in dem das alte China weiterlebt, einem Quan Jianhui die alte Kunst des Webens vorführt, und wo selbst weniger romantisch Veranlagte beim Spaziergang entlang der Wasserstraßen zu Schwärmern werden. Und dann nach Suzhou: Die Partnerstadt von Konstanz lockt Besucher mit zwei Meisterwerken der traditionellen Gartenbaukunst: dem „Garten des bescheidenen Politikers“ und dem „Garten des Meisters der Netze“.

Schanghai – Chinas Megacity

Von Suzhou ist es nicht mehr weit zur Hafenstadt Schanghai, Chinas Tor zur Welt, einer Megacity, in der es alles gibt, was man auch aus westlichen Metropolen kennt – nur alles noch ein bisschen größer, in der es aber auch Tai-Chi-Meister wie Huang Lixiong gibt, die morgens im Park schwerfälligen Westlern bei einem Crashkurs beizubringen versuchen, Körper und Geist in Einklang zu bringen und dem Trubel zu entfliehen.

Von dieser Idee beseelt steht man später 561 Meter über der Stadt auf der Aussichtsplattform des Schanghai Towers, des höchstens Gebäudes Asiens, blickt auf das Metropolengewimmel und fragt sich, wie es sich wohl anfühlt, in China zu leben. Eine Frage, die Frau Quan bestimmt noch mehr zum Lachen gebracht hätte.

China als Reiseland: Informationen

Anreise
Neben Air China bietet zum Beispiel auch die Lufthansa Direktflüge von Deutschland nach China an. Die meisten starten in Frankfurt. Zurzeit ist bei Reisen, die maximal 30 Tage dauern, kein Visum erforderlich.

Unterkunft
Viele Hotels in Beijing, Hangzhou, Wuzhen, Suzhou und Schanghai gehören zu chinesischen oder internationalen Ketten. Wer Vgebecertrautes in der Fremde sucht, bucht ein Zimmer in einem Grand-Hyatt-, Novotel-, Crowne-Plaza- oder Hilton-Hotel. Wer zentrumsnah und komfortabel wohnen möchte, sollte pro Nacht mit 130 Euro für zwei Personen im Doppelzimmer rechnen.

Essen und Trinken
Im Hotelpreis ist oft das Frühstück inbegriffen. Das Büffet und die dort oft nach Gastwünschen frisch zubereitete Gemüse- oder Hühnersuppe sollte man keinesfalls verschlafen. Unerschrockene Reisende probieren sich mittags durch die zahlreichen, an Straßenständen angebotenen regionalen Snacks. Im Restaurant ist es üblich, gemeinsam mehrere Speisen zu bestellen und diese zu teilen.

Veranstalter
Gebeco ist ein Pionier des China-Tourismus und bietet Gruppen- und Privatreisen zwischen 8 und 24 Tagen an. Zum Beispiel die achttägige Reise „Impressionen im Reich der Mitte“ (ab 2245 Euro pro Person, ohne Flug) oder die 14-tägige Reise „Spektakuläre Höhepunkte Chinas“ (ab 2590 Euro ohne Flug), bei der auch eine Kreuzfahrt auf dem Yangtze zum Programm gehört.

Aktivitäten
Zu den größten Attraktionen Chinas zählen die Verbotene Stadt, der Himmelstempel, die Große Mauer, der Westsee, die Gärten von Suzhou, die Wasserstadt Wuzhen, der Schanghai Tower, die Terrakotta-Armee und die Yangtze-Schluchten.

Bezahlung
In China ist es üblich per Kreditkarte zu zahlen. Wer diese in der App WeChat oder Alipay hinterlegt, kann auch das Handy nutzen. Bargeld ist kaum verbreitet.

Mobilfunk
Man kann sein Handy in China in der Regel zwar nutzen, muss aber Roaminggebühren zahlen oder ein spezielles Reisepaket buchen. Einige Webseiten und soziale Netzwerke sind in China gesperrt.

Beste Reisezeit
Im Frühling und Herbst ist es nicht zu heiß, und es regnet wenig.

Buchtipp
Oliver Fülling: China. Dumont Reise-Handbuch. 584 Seiten, 26,99 Euro.

Allgemeine Informationen
Auswärtiges Amt, Fremdenverkehrsamt der Volksrepublik China

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Auszeit China Reise Shanghai Infografik