Christian Schäfer hatte große Pläne – für eine Versorgung mit grünem Strom vor Ort. Auf den Wiesen und Äckern zwischen den Sindelfinger Teilorten Darmsheim und Maichingen wollte der Geschäftsführer von Naturstein Schäfer aus Darmsheim zwei Windräder bauen. Doch daraus wird vermutlich nichts. Denn das mögliche Vorranggebiet BB-19, auf dem die Windräder hätten stehen sollen, hat der Verband Region Stuttgart aus der Planung gestrichen.
Anfang April stimmte die Regionalversammlung mit einigen Änderungen dem überarbeiteten Plan zu. Das wirbelt nicht nur größere Projekte wie den möglichen interkommunalen Windpark bei Böblingen durcheinander, sondern auch kleinere Vorhaben, für die Privatpersonen ins Risiko gegangen sind.
260 Meter hohe Windräder geplant
Er habe aus der Presse davon erfahren, berichtet Schäfer. „Was soll ich dazu sagen? Es ist traurig.“ Denn die Windräder waren nicht nur eine fixe Idee des 54-Jährigen, sondern dahinter stand ein Plan, in den Schäfer bereits viel Zeit und Geld gesteckt hatte. Zwei 260 Meter hohe Windräder wollte er bauen. Mit diesen hätte sich laut Schäfer der Strombedarf der Darmsheimer Einwohner decken lassen, seine Firma hätte ebenfalls einen Teil davon abnehmen können.
Schäfer holte erste Gutachten ein, informierte die Öffentlichkeit, stieß nach eigener Aussage auf Zustimmung, suchte Investoren und versuchte, an die Daten der Eigentümer der infrage kommenden Grundstücke zu gelangen. Allein das kostete ihn viele Nerven. Die Stadt Sindelfingen wollte die Namen aus Datenschutzgründen erst nicht herausgeben. Anfang 2024 änderte sie aber ihre Haltung, Schäfer bekam die Namen – rund 100 Stück.
Visuelle Überlastung befürchtet
„Ich habe wahnsinnig viel Aufwand da reingesteckt“, sagt der 54-Jährige, aber auch in dem Wissen, dass noch nichts in Stein gemeißelt ist. Bleibt BB-19 aus der Planung draußen und erreicht die Region das Flächenziel von 1,8 Prozent, wird es künftig beinahe unmöglich sein, auf nicht ausgewiesenen Flächen Windräder zu errichten. „Dann wäre mein Vorhaben gestorben“, sagt Schäfer.
Sollten auf BB-19 Windräder stehen, sieht der Regionalverband eine visuelle Überlastung für Grafenau, Sindelfingen, Darmsheim, Dagersheim und Böblingen. Verbandssprecherin Emely Bosawé beschreibt die Methodik dahinter. Um die Überlastung festzustellen, werde um die jeweilige Siedlung ein Kreis mit 3500 Metern Abstand zum Ortsrand gezogen. In diesem Kreis müssten jeweils zwei Segmente mit einem Winkel von 60 Grad freibleiben, also ohne Sicht auf Windräder. Die Planung von Windkraftanlagen auf BB-19 sei dem Verband nicht bekannt gewesen, merkt sie außerdem an.
Schäfer fordert, Windkraft-Ausbau attraktiver zu machen
Noch ist der Regionalplan mit den Windkraftvorranggebieten nicht endgültig beschlossen. Voraussichtlich ab Juni wird er ein zweites Mal ausgelegt. Kommunen, Träger öffentlicher Belange aber auch Bürger haben dann erneut die Möglichkeit Stellungnahmen abzugeben. Ob Schäfer diese Gelegenheit nutzt, weiß er noch nicht.
„Wenn der Staat es einem so schwer macht, hat er am Ende eben keine Lösung“, meint er resignierend. Dabei wären Lösungen mit Blick auf den Ausbau erneuerbarer Energien aus seiner Sicht dringend notwendig. „Der Staat muss Investitionen in Windkraft attraktiver machen“, fordert er und betont: „Ich stehe nach wie vor hinter meinem Vorhaben.“