Christian Mauersberger von den Stuttgarter Kickers Wie ein Profi durch Gott neuen Spaß am Kicken fand

Christian Mauersberger bejubelt sein Tor zum 7:0 der Stuttgarter Kickers gegen die TuS Koblenz. Foto: Baumann/Volker Müller

Christian Mauersberger spielte in der U-19-Nationalmannschaft mit Stars wie Joshua Kimmich und Leon Goretzka, schaffte aber nicht den Durchbruch in die Bundesliga. Vor fünf Jahren änderte er sein Leben, fand zu Gott – und genießt nun auch sein Sportlerleben bei den Stuttgarter Kickers.

Sport: Jürgen Frey (jüf)

Die Wahrnehmungen sind deckungsgleich. Ob man Christian Mauersberger auf dem Rasen für die Stuttgarter Kickers Fußball spielen sieht oder sich abseits des Platzes mit ihm unterhält, es ist zu spüren: Dieser Mann versprüht Leichtigkeit und gute Laune, er hat Lust am Spiel und am Leben. „Ich habe mich hier gut eingelebt, bin fit, gesund – und genieße die Momentaufnahme“, sagt der Neuzugang vom Regionalligarivalen SGV Freiberg. Die Momentaufnahme vor dem Spiel bei Hessen Kassel (Samstag, 14 Uhr) lautet in Zahlen: zwei Spiele, 8:0 Tore, sechs Punkte, Platz eins. Ganz wesentlich zu diesem Traumstart des Aufsteigers beigetragen hat der offensive Mittelfeldspieler – mit seiner Technik, seiner Laufstärke, seiner Frische und seiner Unbeschwertheit.

 

Dass es so gut läuft, liegt auch daran, dass der 28-Jährige sein persönliches Wohlbefinden nicht mehr von den 90 Minuten abhängig macht. „Fußball ist ein Wochengeschäft. Mal bist du der Held, mal der Depp. Davon habe ich mich gelöst“, sagt Mauersberger und nennt ein Beispiel aus seiner Zeit in der U-19-Nationalelf. Ein Länderspiel gegen Frankreich (mit Bayern-Profi Kingsley Coman) gewann er 2013 an der Seite von Joshua Kimmich mit 4:3. „Ich habe damals mein erstes Tor für Deutschland erzielt, zwei Stunden später lag ich nach einem Syndesmosebandriss im Krankenhaus. Da habe ich hautnah miterlebt, wie eng Freud und Leid beisammen liegen.“

Projekt „Fußball mit Vision“

Davon erzählt Mauersberger gerne, wenn er an Schulen Vorträge hält – als Mitglied des gemeinnützigen Vereins „Fußball mit Vision“, einem Projekt von aktiven und ehemaligen Profis, die der christliche Glaube und die Leidenschaft zum Sport verbindet. Wie die Kernbotschaft lautet? „Es geht darum, eine eigene Identität zu finden. Zu wissen, dass, wenn der Fußball mal wegbricht, dich Gott unabhängig von deiner Leistung und deinem Standing bewertet.“

Vor fünf Jahren hat Mauersberger den Resetknopf gedrückt. Nachdem sich 13 Jahre lang alles nur um Fußball gedreht hatte. Im Alter von zwölf Jahren wechselt der im Erzgebirge aufgewachsene Nachwuchskicker zum Chemnitzer FC. Dort besucht er die Sportschule, lebt im Internat, unter anderem zusammen mit dem späteren Kugelstoß-Weltmeister David Sporl und Turnerin Paulina Schäfer. Als 15-Jähriger schlägt er Angebote vom FC Bayern, Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg aus.

Früheres Doppelleben

„Manchmal frage ich mich schon, wie alles gelaufen wäre, wenn ich zu einem großen Verein gewechselt wäre“, sagt er heute, ohne zu hadern. Mauersberger absolviert 30 Drittligaspiele für Chemnitz, lernt auch die negativen Seiten kennen. „Ich bin in Fettnäpfchen getreten, auch bei Mitspielern“, räumt er ein und erklärt, warum: „Ich verhielt mich viel zu oberflächlich, war nur auf dem Papier ein Christ und habe ein Doppelleben geführt. Donnerstags beim Bibelkreis war ich fromm und von Freitag bis Mittwoch habe ich, überspitzt formuliert, Party gemacht.“

Mauersberger hinterfragt damals seinen Lebensstil, wechselt zu Schalke 04 II, danach zum FSV Zwickau, wo er nicht Fuß fasst. Im Sommer 2018 überdenkt er seine Lebenssituation. In einem Urlaub am Bodensee lernt er einen Jugendpastor kennen, lässt sich nochmals taufen, beginnt ein Gemeindepraktikum in Konstanz, kickt nur noch hobbymäßig beim Verbandsligisten 1. FC Rielasingen-Arlen. „Das war die beste Entscheidung meines Lebens, ich habe meinen inneren Frieden gefunden, und auch der Spaß am Fußball kam zurück“, sagt Mauersberger.

Theologiestudium fortgesetzt

2020 geht es für ihn beim SGV Freiberg zumindest semiprofessionell wieder weiter, über den Glauben will er dennoch mehr erfahren: Er beginnt ein Theologiestudium am Bibelstudienkolleg in Ostfildern. Das führt Mauersberger auch nach seinem Wechsel zu den Kickers fort. „Wenn ich in mich reinhöre und mich frage, ob ich glücklich bin im Herzen, kann ich im Gegensatz zu früher voller Überzeugung sagen: Ja!“ Davon profitieren jetzt die Blauen – auf und neben dem Spielfeld.

Kickers-Termine

Regionalliga
3. Spieltag: KSV Hessen Kassel – Kickers (Samstag, 19. August, 14 Uhr), 4. Spieltag: Kickers – 1. FSV Mainz 05 II (Samstag, 26. August, 14 Uhr), 5. Spieltag: TSV Steinbach Haiger – Kickers (Dienstag, 29. August, 19 Uhr), 6. Spieltag: Kickers – TSG Balingen (Samstag, 2. September, 14 Uhr), 7. Spieltag: Kickers – VfR Aalen (Samstag, 9. September, 14 Uhr), 8. Spieltag: Eintracht Frankfurt II – Kickers (Freitag, 15. September, 19 Uhr), 9. Spieltag: Kickers – TSG 1899 Hoffenheim II (Samstag, 23. September, 14 Uhr), 10. Spieltag: SG Barockstadt Fulda-Lehnerz – Kickers (Samstag, 30. September, 14 Uhr), 11. Spieltag: Kickers – TSV Schott Mainz (Mittwoch, 4. Oktober, 19 Uhr), 12. Spieltag: Bahlinger SC – Kickers (Samstag, 7. Oktober, 14 Uhr). (jüf)

Weitere Themen