Die Sitzung des Jugendhilfeausschusses plätscherte ruhig dahin, als der Ton plötzlich scharf wurde: Dass die Stadt für den Erfrierungsschutz in den Wintermonaten einen Teil des Containerdorfs im Reitstadion nutzt, hat die dort tätigen Sozialträger sehr verärgert. Sie befürchten, dass es Probleme zwischen Flüchtling sfamilien mit Kindern und Obdachlosen geben könnte.
„Ich bin fassungslos“, sagte Armin Biermann von der Caritas. Obwohl der Erfrierungsschutz jedes Jahr organisiert werden müsse, habe es die Stadt nicht geschafft, rechtzeitig Immobilien bereitzustellen, und greife nun auf Flüchtlingscontainer zurück. „Das geht gar nicht.“ Es handle sich um zwei komplett verschiedene Gruppen.
Unter den obdachlosen Menschen seien auch Personen mit „auffälligem Verhalten und Suchtproblemen“, direkt nebenan lebten Familien. Unter den derzeit 145 Bewohnern der Flüchtlingscontainer (mit insgesamt 550 Plätzen) sind 54 Kinder. In der Notübernachtung waren vorige Woche 22 Männer untergebracht. Ein solches Nebeneinander „muss einmalig bleiben“, betonte Armin Biermann. Die Winternotübernachtung organisieren Caritas und Evangelische Gesellschaft (Eva), auch in der Flüchtlingsunterkunft ist die Caritas tätig.
Klaus Käpplinger, der Vorstandsvorsitzende der Eva, pflichtete Biermann bei. Dass das Gebäude an der Hauptstätter Straße, das seit Jahren der zentrale Standort der Winternotübernachtung ist, immer noch saniert wird und nicht zur Verfügung steht, hält Käpplinger für ein Versäumnis der Stadt. Einer der Gründe für die Sanierung, ein Schwelbrand, habe sich schon vor einem Dreivierteljahr ereignet, merkte er an.
Zusammenlegung zu Sparzwecken?
Die Verwaltung hält die Sorgen der Träger nicht für begründet. Man sei froh, die Plätze überhaupt zu haben, sagte die Jugendamtsleiterin Katrin Schulze. Den Kinderschutz habe man im Blick, die Container sind durch einen Zaun getrennt, das Personal sei dafür sensibilisiert, man habe zusätzlich „zwei Wachstellen“ dort im Einsatz. Der Start sei „ruhig und unproblematisch verlaufen“, sagte die Jugendamtsleiterin, sie mache sich „nicht mehr so große Sorgen“.
Isabel Fezer (FDP), Bürgermeisterin für Jugend und Bildung, erklärte, die Verwaltung habe lange nach Immobilien für die Winternotübernachtung gesucht, es sei aber „ein Eigentümer kurzfristig abgesprungen“. Dass in Einrichtungen Menschen zusammenkommen, „die unterschiedliche Bedarfe haben, die sich schon mal beißen“, gehöre aber „zum täglichen Brot“. Fezer: „Wir sind in der Lage, solche Situationen zu bewältigen.“