Croissants für die Trumps Stuttgarter Bäcker hat schon für den US-Präsidenten gebacken

Anderthalb Jahre lang hat der gebürtige Tübinger in Washington D.C. gearbeitet. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Stefan Kühnlein ist Storemanager bei den Wildbakers, davor hat er in den USA gebacken – und das für die allerhöchsten Regierungskreise. Sauerteig topsecret, wie geht das?

Die Kundschaft steht vor der Theke Schlange, die winterliche Erkältungswelle hat das Personal in der Backstube minimiert, und in der Vorweihnachtszeit ist sowieso mehr als sonst zu tun. Stefan Kühnlein rotiert, als hätte er vier Arme. Erst mal hinsetzen und durchschnaufen. Ja, es sei schon viel los gerade, sagt der Storemanager der Stuttgarter Sauerteig-Bäckerei Wildbakers. Aber mit Herausforderungen kann der 35-Jährige umgehen. Immerhin hat er bis vor Kurzem in den USA für die allerhöchsten Politiker gebacken. Sogar für die Präsidentenfamilie.

 

Top Secret in Washington D.C.

Anderthalb Jahre lang, bis Ende Mai dieses Jahres, hat der gebürtige Tübinger in Washington D.C. gearbeitet. Dort hatte der Bäckermeister bei einem Unternehmen angeheuert, von dem er zumindest wusste, dass es für die Regierung und fürs Repräsentantenhaus backt. Auch heute noch muss sich Stefan Kühnlein bei vielen Details genau überlegen, ob er sie preisgeben darf. In den USA musste er sich zur Verschwiegenheit verpflichten. Alles topsecret. Den Namen der Bäckerei, für die er gearbeitet hat, darf er aus Sicherheitsgründen nicht nennen. Zu groß ist die Gefahr, dass jemand die Lebensmittel manipulieren könnte. Selbst das Team werde bei vielem im Dunklen gelassen.

„Man weiß auch gar nicht, dass man fürs Weiße Haus backt, um die Präsidentenfamilie zu schützen“, sagt er. Das habe er erst später erfahren, denn wann genau welche Waren an wen gehen würden, das sei stets unter Verschluss gehalten worden. Alle Speisen kämen in eine Art Cateringpool, und was dann letztlich wohin geliefert werde, wüssten nur Eingeweihte. Dass auch das Weiße Haus auf der Liste stehe, habe er nur durch Zufall erfahren. Ein Fahrer habe erzählt, dass er wenige Tage zuvor Backwaren dorthin geliefert habe. Darunter Croissants, die Stefan Kühlein gerollt und gefaltet hatte.

Von der Kindergartenbrezel zur internationalen Karriere

Bäcker ist Stefan Kühnleins Traumjob. Seit er als Kindergartenkind selbst Brezeln schlingen durfte, „war ich Feuer und Flamme, das ist nicht mehr weggegangen“. Seine Ausbildung hat er als Kammersieger gemacht, gleich danach ging’s zur Meisterschule – und später in die große weite Welt, genauer gesagt nach Miami. In Florida arbeitete er ein Jahr lang als Head Baker, also in leitender Position, für einen Betrieb, der vor allem Nobelhotels belieferte. Seine Erfahrung: Im Ausland ist man scharf auf deutsche Handwerker, denn Deutschland gilt als Land des Brots und ist international bekannt für seine enorme Vielfalt und Qualität.

Seit dem späten Frühjahr ist Stefan Kühnlein zurück in Deutschland, und seine Abenteuerlust ist erst mal gestillt. Foto: LICHTGUT/Max Kovalenko

Doch auch in seinem Heimatland hat Stefan Kühnlein bereits in diverse namhaften Bäckerei gearbeitet, ein Start-up mit aufgebaut, später noch BWL studiert und Führungspositionen eingenommen. Eine steile Karriere zwischen Ofen und Knetmaschine. „Es gibt nur straight geradeaus, Stillstand ist Rückschritt“, sagt er grinsend.

Ein spontaner Wechsel in die US-Hauptstadt

Der Washington-Trip sei recht spontan gewesen. Seinerzeit habe sich etwas an seiner privaten Lebenssituation verändert, und „ich habe mir gesagt: Jetzt will ich noch mal was richtig Cooles machen“, sagt er. Dass er – zunächst unwissentlich – für den mächtigsten Mann der Welt Hörnchen gebogen und Brötchen gerollt hat, macht ihn bis heute stolz. Echte deutsche Handwerkskunst für die High Society. „Wir haben auch mit Sauerteig gebacken, davon ist bestimmt was ins Weiße Haus gegangen“, sagt er. Die Vorgaben seien streng gewesen. So habe es beispielsweise besonders viele Hygienechecks gegeben, und „ich weiß nicht, was noch im Hintergrund geprüft wurde“.

Zurück in Stuttgart – und voll motiviert

Seit dem späten Frühjahr ist Stefan Kühnlein zurück in Deutschland, und seine Abenteuerlust ist erst mal gestillt, wie er sagt. „Ich will hier bleiben, ich habe wieder Fuß gefasst.“ Demnächst will er mit seiner Freundin zusammenziehen, und seit dem Oktober hat er seinen Job bei den Wildbakers. Im Shop in der Nähe des Marienplatzes kann er wieder tun, was er am liebsten mache: backen. „Es macht mir riesig Spaß, das ist ein höheres Niveau als in Amerika.“ Stuttgart habe einen großen Platz in seinem Herzen. Und überhaupt: Zwar kann er hier nicht mehr den USA-Präsidenten mit Backwaren beliefern, dafür aber den VfB.

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