„Das ändert, wie wir arbeiten“ Mercedes-IT-Chefin: Projekt dauerte acht Tage statt acht Monate – dank KI

Katrin Lehmann verantwortet die konzernweite IT bei Mercedes-Benz und ist damit auch für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz bei dem Autohersteller zuständig. Foto: Paul Zinken/dpa

Der Stuttgarter Automobilkonzern setzt verstärkt auf Künstliche Intelligenz. Wie viel Zeit und Geld sich dadurch sparen lässt, hat selbst Mercedes‑CIO Katrin Lehmann überrascht.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Veronika Kanzler (kan)

Künstliche Intelligenz kann Muster erkennen, Wahrscheinlichkeiten berechnen und Routinen automatisieren. Aufgaben, die früher mühsam und zeitaufwendig waren – etwa große Datenmengen zu analysieren oder Unregelmäßigkeiten aufzuspüren –, lassen sich mit KI deutlich schneller erledigen. Genau darin liegt ihr Reiz für Unternehmen.

 

Wie groß der Effekt sein kann, hat selbst Mercedes-IT-Chefin Katrin Lehmann überrascht. „Wow, das ändert jetzt wirklich die Art und Weise, wie wir arbeiten“, sagte die 47‑jährige Managerin kürzlich beim Wirtschaftspresseclub in Stuttgart.

Bei Mercedes gibt es veraltete Technologien

Mercedes sei ein traditionsreiches Unternehmen mit entsprechend gewachsenen Strukturen, erklärte Lehmann. „Wenn man seit 40 Jahren im selben Haus lebt und den Keller nicht regelmäßig aufräumt, sammelt sich dort einiges an.“ Ähnlich verhalte es sich mit der IT-Landschaft eines Konzerns, der seit 140 Jahren besteht: Systeme werden redundant, Technologien veralten.

In der Softwareentwicklung arbeitet Mercedes deshalb unter anderem mit dem Start-up Cognition aus San Francisco zusammen. Mithilfe von KI wurde eine rund 40 Jahre alte Mainframe-Technologie – gemeint sind Hochleistungscomputer – von der Programmiersprache Cobol in Java übersetzt. „Ursprünglich hatten wir dafür acht Monate eingeplant“, sagte Lehmann. „Am Ende haben wir es innerhalb von acht Tagen geschafft.“

KI übernimmt Arbeit, die sonst an Dienstleister gegangen wäre

Dieser Fall sei allerdings außergewöhnlich gut gelaufen, betonte die IT-Chefin. Nicht jedes Projekt profitiere in diesem Ausmaß von KI. „In anderen Fällen liegen wir vielleicht bei einer Beschleunigung von fünf bis zehn Prozent“, ordnete sie ein. Entscheidend sei, in welchem Bereich KI eingesetzt werde und wie spezialisiert das jeweilige Werkzeug sei.

Die Modernisierung der Software wäre ohnehin notwendig gewesen, sagte Lehmann. Der Unterschied: Mercedes musste dafür nicht wie geplant einen externen Lieferanten beauftragen. „Dieses Geld konnten wir uns sparen“, sagte Lehmann. Zugleich zeichnet sich eine strategische Verschiebung ab. „Der erste Schritt für uns ist, weniger externe Dienstleister zu brauchen,“ so die IT-Chefin.

Den Personalabbau bei Mercedes-Benz möchte die IT-Chefin Lehmann davon entkoppeln. „Dass man sich effizienter aufstellen muss, betrifft die gesamte Autoindustrie.“ Es bliebe aber noch genügend Arbeit übrig, die dann mit weniger Menschen erledigt werden müsste. Dabei könne KI unterstützen, dass die Beschäftigten schneller, besser und effizienter arbeiten können.

Seit 2025 gibt es bei Mercedes-Benz das Spar- und Effizienzprogramm „Next-Level-Performance“, NLP. Bis 2027 plant der Konzern, jährlich fünf Milliarden Euro einzusparen. Teil des Programms war auch ein Abfindungsangebot für Mitarbeiter, das im April 2026 ausgelaufen ist.

Mercedes verspricht sich keinen Wettbewerbsvorteil durch KI

Einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil durch KI sieht Lehmann dennoch nicht. „Das machen inzwischen alle.“ Deshalb sage sie ihren Mitarbeitenden immer: „Diejenigen, die sich damit auseinandersetzen, sind diejenigen, die hier auch in Zukunft eine Aufgabe haben werden.“

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