Göppinger Ashwin Joseph in „The Taste“ Von Mumbai über Staufeneck ins Fernsehen

Der aus Mumbai stammende Göppinger Ashwin Joseph beim Auftritt in der Sendung „The Taste“. Im Hintergrund Frank Rosin. Foto: Sat 1

Der 29-jährige Göppinger Ashwin Joseph hat sein Handwerk im Salacher Sternelokal Burg Staufeneck gelernt. Seine Kochkünste haben den gebürtigen Inder jetzt auch in eine TV-Show geführt.

Es ist der 4. November 2013. Der Interkontinental-Flug landet gegen 16 Uhr auf dem Stuttgarter Flughafen, ein kalter Winterabend in Deutschland. „Ich steige aus und dort beginnt meine Reise, um der erste indisch geborene Kandidat der ,The Taste Season 2022‘ zu werden.“ Mit diesen Worten umreißt Ashwin Joseph seine Geschichte – ein junger Mann aus Indien, dem das Kochen im Blut liegt. Und das ihn jetzt sogar ins Fernsehen führte.

 

Doch der Reihe nach: Vom Flughafen ging es damals mit einem Koffer zum Hauptbahnhof, von dort mit dem Regionalzug nach Eislingen, wo ihn der Küchenchef von Burg Staufeneck abholte. Sechs Monate habe er auf sein Visum gewartet und nun sollte sein Traum, eine Ausbildung als Koch, endlich wahr werden. Und das im Sternelokal Burg Staufeneck hoch über dem Filstal.

Die Mutter weckte die Liebe zum Kochen

„Meine große Liebe zum Kochen kam durch meine Mutter, von ihr habe ich viel gelernt“, verrät Ashwin Joseph, dessen Wurzeln in der Millionenstadt Mumbai (bis 1995 Bombay) liegen. „Sie hat für unsere Familie immer gerne gekocht, mit verschiedenen Kräutern, wie zum Beispiel beim Kokos-Chutney“, berichtet er mit Begeisterung und schiebt mit einem Lachen nach: „Oder die Gewürze im Butter-Chicken, da läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich daran denke.“ Ashwin Joseph wird beim Erzählen etwas melancholisch: „Ja, ich vermisse meine Mutter und unser gemeinsames Kochen.“

Seine Eltern hätten ihn ja gerne im Bankgeschäft gesehen, verrät er, doch weil er schon als kleiner Junge Koch werden wollte, entschied er sich in Mumbai für ein Bachelor-Studium im Hotelmanagement. „Ich hatte Glück, von meiner Universität aus habe ich auf Burg Staufeneck einen Platz bekommen, um mich in Deutschland weiterzubilden und was Neues zu sehen“, berichtet Joseph. „Ein Michelin-Stern, 17 Gourmet-Punkte, da war ich hoch motiviert. Wollte viel lernen, mich verbessern und so weiter. Aber, hab‘ ich leider was vergessen…eine ganz wichtige Sache in Deutschland…die deutsche Sprache“, erinnert er sich.

Vom Hinduismus zum Christentum konvertiert

Dem 29-Jährigen zuzuhören ist dennoch ein Genuss. Besonders dann, wenn er so manches Wort mit einer Prise Schwäbisch würzt. „Ich habe auf Burg Staufeneck eine Ausbildung gemacht, natürlich als Koch, und nach drei Jahren fertig abgeschlossen mit guter Note“. Rückblickend sagt Joseph: „Es war schwer. Aber ich habe viel gelernt. Ohne Rolf Straubinger wäre ich nicht hier. Er ist ein guter Mensch, bodenständig, und hat ein offenes Ohr.“ Trotzdem verließ Ashwin Joseph nach sechs Jahren das Gourmet-Restaurant. „Es war wegen der Arbeitszeiten am Wochenende, ich brauche Zeit für mich und meine Partnerin Sneha, die Aviation-Management in Berlin studiert“, erzählt der Göppinger, der sich in der Hohenstaufenstadt sehr wohl fühlt. Auch konvertierte er vom Hinduismus zum Christentum und besucht als Katholik gerne die Gottesdienste in der Kirche St. Maria.

Seit 2019 klingelt bei dem Entremétier, der in der gehobenen Gastronomie in der Küchenhierarchie dem Chef de Partie (Postenchef) gleichkommt, der Wecker unter der Woche um 4.30 Uhr. Von 6 bis 15 Uhr arbeitet er im hochklassigen Betriebsrestaurant auf Sterneniveau „CANtine – Made by Traube Tonbach“ in der Vector Informatik GmbH in Stuttgart-Weilimdorf.

Der Reis muss locker bleiben

Dann erzählt er munter, wie es in der Kochshow ablief. „Du musst aufpassen, dass der Reis nicht zu fest und klebrig ist, der muss locker bleiben“, erklärt der 29-Jährige und ergänzt: „Das kriege ich hin.“ Mutmachende Sätze, die er vor laufender Kamera zum Besten gibt. „Kombiniere zwei Esskulturen“, lautete eine Aufgabe in der kürzlich ausgestrahlten Folge der Jubiläumsstaffel. Auf seinem Löffel muss er Geschmackskomponenten aus Skandinavien und Japan vereinen. Dafür formt er Bällchen aus Sushi-Reis und umwickelt diese mit hauchdünnen Lachsstreifen, kredenzt eingelegtes Gemüse wie Karotten, Gurken und Radieschen und dazu Avocadocreme „mit etwas Chili drin“.

Als er letztgenannte Zutat probiert, stellt er selbstkritisch fest: „Da fehlt eigentlich alles. Avocado ist so ein Thema, das kann viel schlucken“, findet er und würzt mit dem roten Pulver eher zaghaft nach. „Ich bin eh ein bisschen zurückhaltend, scharf ist hier anders als bei uns die indische Schärfe.“

Doch beim Anrichten platziert Joseph seine Zutaten falsch und verärgert damit seinen Coach. Der Fernsehkoch Frank Rosin muss sich von einem Kandidaten trennen – die Wahl fällt auf Joseph. Dessen Resümee: „Es war einfach nicht mein Tag. Das Leben geht weiter und das Verlieren gehört dazu.“

Mehr als 5500 Kandidaten haben sich für die Kochshow beworben

Bewerbung
 Sein Job in einem hochklassigen Betriebsrestaurant erlaubte es Ashwin Joseph, sich online – wie weitere 5500 bis 6000 Mitstreiter – bei der Kochshow „The Taste“, die seit Mitte 2013 vom Fernsehsender Sat 1 ausgestrahlt wird, zu bewerben.

Probekochen
Das Probekochen der Casting-Runde fand im April bei Sat 1 in München statt, darauf folgte ein Interview und nach einer Woche die Zusage. „Ich war der Allererste, der reingekommen ist“, berichtet Joseph, der für die Dreharbeiten drei Wochen Urlaub nehmen musste und schließlich im Team von Frank Rosin landete.

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