Der Hund, der die Welt bewegt Tokios treueste Seele

Beliebtes Fotomotiv: Hachiko wartet auf sein Herrchen. Foto: Hamann

Bis zu 3000 Menschen überqueren an der Shibuya Kreuzung gleichzeitig die Straße. Dabei übersehen sie eine kleine Bronzestatue. Sie erinnert an die rührende Geschichte eines Hundes.

Leben: Susanne Hamann (sur)

Da sitzt er. Die Vorderpfoten aufgestützt, den Kopf nach oben gereckt. Der Hund Hachiko, in Bronze gegossen, hat den westlichen Eingang des Tokioter Bahnhofs Shibuya fest im Blick. Der echte Vierbeiner lebte vor 100 Jahren und begleitete sein Herrchen jeden Tag hierher, wenn Hidesaburo Ueno zur Arbeit fuhr. Und er wartete, bis sein Halter, ein Professor für Agrarwissenschaft an der Kaiserlichen Universität Tokio, von der Arbeit zurückkam.

 

„Eines Tages konnte Hidesaburo Ueno seinen Hund nicht mehr abholen. Er war ganz plötzlich an einer Hirnblutung gestorben“, erzählt Izumi Aoki. Die 27-Jährige unterrichtet Englisch in der Erwachsenenbildung. Nebenbei führt sie Touristen durch ihre Heimatstadt und erzählt gerne die rührende Geschichte von Hachiko, die sich vor ziemlich genau 100 Jahren abgespielt hat.

Die Bronzestatue wurde in Hachikos Anwesenheit aufgestellt

Nach Uenos Tod 1925 kam Hachiko beim Gärtner seines Halters unter – und riss ständig aus. Tag für Tag wartete der treue Hund am Bahnhof Shibuya. Unbeirrt. Bedingungslos. Jahrelang. Irgendwann berichtete eine Zeitung über ihn. Die Menschen waren tief bewegt und spendeten Futter. Sie kamen, um das Tier zu besuchen. 1934 wurde die Bronzestatue aufgestellt – in Anwesenheit von Hachiko. Ein Jahr später starb der treue Hund. Im Zweiten Weltkrieg war Kupfer rar und Hachiko wurde eingeschmolzen. Bei dem Denkmal, das heute zu sehen ist, handelt es sich die zweite Version aus dem Jahr 1948. „Die Geschichte wurde auch in Hollywood verfilmt“, sagt Izumi, „Richard Gere spielt den Hundehalter.“

Foto: IMAGO/Depositphotos

Mit den spitzen Ohren erinnert Hachiko ein bisschen an einen zu klein geratenen Husky. Doch er ist ein Akita, benannt und heimisch in der gleichnamigen Präfektur in Nordjapan. Diese Rasse gilt als besonders schlau, eigensinnig und treu.

„Wenn wir in die Stadt gehen sagen wir oft: lass uns bei Hachiko treffen“, erzählt Izumi Aoki, die aus dem Vorort Machida stammt. „Aber eigentlich ist das kein guter Platz für Verabredungen – man findet sich kaum, es ist immer zu viel los.“ Auch an diesem Tag stehen unzählige Menschen geduldig Schlange, um sich mit dem Akita fotografieren zu lassen und seine Vorderläufe zu tätscheln. Die Pfoten sind von den vielen Streicheleinheiten schon ganz blank gerieben.

Direkt hinter dem Hund spielt sich derweil alle paar Minuten ein anderes Schauspiel ab: eine Kreuzung, umringt von Hochhäusern. Leuchtreklamen blinken wie wild, tausende Menschen drängen sich am Straßenrand. Wenn die Fußgängerampeln auf Grün springen, stoppt der Verkehr und alles wuselt los. Ein gigantischer Schwarm aus Passanten strömt über die Zebrastreifen. Von links nach rechts, von rechts nach links, und kreuz und quer durch die Mitte. Seltsamerweise rempelt niemand aneinander.

Der Stadtteil Shibuya liegt mitten in Tokio Foto: STZN/Lange

Tokio hat 38 Millionen Einwohner, und ein großer Teil scheint sich in Shibuya aufzuhalten. „Die Gegend ist sehr beliebt zum Einkaufen, außerdem ist der Bahnhof ein wichtiges Drehkreuz“, sagt Izumi Aoki.

Geheimtipp für die beste Aussicht – und noch dazu kostenlos

Am schönsten sieht das Schauspiel von oben aus. Doch Aussichtspunkte wie die Plattform Shibuya Sky muss man im Voraus buchen und Eintritt bezahlen. Izumi kennt einen Trick. Durch die unterirdische Passage des Bahnhofs geht es zum Hikarie Building, einen Steinwurf von der Kreuzung entfernt. Im elften Stock des Einkaufszentrums gibt es die Sky Lobby – direkt neben dem Eingang zu einem Musical Theater, wo gerade ein Stück über Kaiserin Sisi von Österreich gegeben wird. An der frei zugänglichen Scheibe genießt man einen wunderbaren Blick auf die Kreuzung. Die Menschen wirken von hier oben wie Ameisen. Und irgendwo mitten im Trubel wartet der kleine Hachiko.

Info

Anreise
 Tokio verfügt über zwei internationale Flughäfen. Im Vergleich zum Airport Narita liegt Haneda wesentlich näher an der Stadt. Flug ab Frankfurt nach Tokio-Haneda z.B. mit All Nippon Airways, www.ana.co.jp . In die City gelangt man zum Beispiel mit der Keikyu Airport Linie, Infos unter: www.haneda-tokyo-access.com . Wer sich nicht mit Fahrkartenautomaten rumärgern möchte packt sich die Suica-Card aufs Handy. Mit dieser Prepaidkarte kann man die meisten öffentlichen Verkehrsmittel in Japan – U-Bahn, Bus, Tram, etc. – nutzen und auch in manchen Läden bezahlen, www.jreast.co.jp/de/multi/pass/suica.html . Apropos bezahlen: Japan ist zwar hoch technisiert, dennoch nehmen viele Restaurants und Shops nur Bargeld.

Einreise
Deutsche Staatsbürger brauchen zur Einreise kein Visum, aber Aufenthaltsgenehmigung (gültig für maximal 90 Tage). Dazu füllt man entweder nach der Landung einen Zettel aus oder man erledigt die Formalitäten schon vorab online und muss dann nur einen QR-Code vorzeigen. Registrierung unter: www.vjw.digital.go.jp .

Tipp
Am besten besorgt man sich schon vorab eine japanische SIM-Karte, zum Beispiel beim in Berlin ansässigen Anbieter Japan Experience, www.japan-experience.com/de . Ständig online sein zu können ist absolut notwendig – zur Navigation oder zum Übersetzen von Speisekarten. Unbegrenztes Datenvolumen für 8 Tage gibt’s ab 22 Euro.

Unterkunft
Platz ist in Tokio ein rares Gut, daher sind die meisten Zimmer sehr klein – oder sehr teuer. Ein gutes Mittelklassehaus in Shibuya ist das Lyf Hotel. Doppelzimmer ab 115 Euro, www.discoverasr.com/en .Die Besonderheit der japanischen Kette Remm Hotels sind Massagesessel auf den Zimmern – so entspannt man nach einem langen Tag. DZ im Haus im Stadtteil Akihabara ab 59 Euro, www.hankyu-hotel.com .

Essen und Trinken
Klassische japanische Küche serviert Mushiya Seiro, nur ein paar Schritte von Shibuya Crossing entfernt, www.instagram.com/mushiya_seiro/.

Allgemeine Informationen
 Japan Tourismus, www.japan.travel/de/de

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