Umstrittener Comedian in Stuttgart Oliver Pocher kann’s einfach nicht lassen
Nach dem Eklat auf dem SWR-Sommerfestival führt der Comedian als „Liebeskasper“ erneut Besucher vor. Und wieder steht eine Single-Frau im Fokus seiner Scherze.
Nach dem Eklat auf dem SWR-Sommerfestival führt der Comedian als „Liebeskasper“ erneut Besucher vor. Und wieder steht eine Single-Frau im Fokus seiner Scherze.
Er ist wieder da! In jener Stadt, wo er zuletzt viele Irritationen hinterlassen hat. Im Mai trat der im Privatfernsehen groß gewordene Oliver Pocher im Rahmen des SWR-Sommerfestivals auf dem Stuttgarter Schlossplatz auf. Dabei nahm er eine Frau, die nach eigener Auskunft noch nie Sex gehabt hatte, als Running Gag und „Zuckerschnecke“ so sehr ins Visier, dass sie nach der Show verstört zurückblieb. Der SWR als Veranstalter distanzierte sich erst nicht und dann doch von dem Auftritt. Bei einer Show kurz darauf in Klagenfurt sagte Oliver Pocher, „wenn man es nicht abkann, sich in der ersten Reihe auch mal einen Spruch zu fangen, dann muss man sich einfach verpissen“.
Im Hegel-Saal begrüßt der „Liebeskasper“ am Freitagabend sein treues Publikum, „nur das Mobbingopfer ist heute nicht da, aber der ganze obere Rang ist für sie reserviert“, ätzt Pocher. Denn tatsächlich: Im Parkett ist zwar kein Platz mehr frei, insgesamt aber ist der Saal laut Veranstalter nur zu 70 Prozent ausgelastet. Trotz aller Risiken und Nebenwirkungen scheinen auch die „Premiumplätze“ vor der Bühne, auf denen man bei vielen Comedians und erst recht bei Pocher mit allem rechnen sollte, begehrt zu sein.
Und so pflügt der 46-Jährige im Laufe des Abends wieder durch die ersten Reihen. Vorbei an Mona, die er reich und berühmt machen könnte. „Das habe ich bis jetzt bei all meinen Frauen geschafft.“ Weiter zu einem Stadtbahnfahrer türkischer Herkunft, der also „Ü-Bahn“ fahre und dessen Söhne draußen gerade die Autos aufbrechen, witzelt Pocher. Und am Ende der Show entdeckt er weiter hinten einen Mann, der trotz Krankschreibung im Publikum sitzt, aus dem er den nicht ganz unbekannten Namen des Arbeitgebers herauskitzelt.
Wenn Pocher aber Paare befragt, die schon am längsten zusammen sind, dann hat das fast etwas Rührendes. Wie das gehe, so lange glücklich zu sein, fragt der „Liebeskasper“, dessen Programm sich schließlich um die Trennung von seiner Frau Amira dreht. „Mit gegenseitigem Respekt“, sagt Irmgard mit ihren 53 Jahren Partnerschaft.
Genau den lässt Pocher vermissen – Respekt auch vor der Intimsphäre und Persönlichkeitsrechten. Später fragt er, wer auf der Dating-Plattform Tinder sei. Eine Nelly, seit zwei Jahren Single, meldet sich und lässt sich auf die Bühne bitten. Ihr Smartphone wird auf einem „Ständer“ befestigt und dessen Bildschirm auf der Leinwand geteilt. Oliver Pocher grabbelt sich durch die Anwendungen, schreibt in die Whatsapp-Gruppe „Dreamteam“ mit ihren 274 Mitgliedern, wer ohne Geschlechtskrankheit sei, „bin seit zwei Jahren ungebumst“. Eine Elena löscht die Nachricht und wird sogleich angerufen ebenso wie die Mutter. Und nebenbei wird auf Tinder in Abwandlung des User-Namens noch ein Match klargemacht: „You like to fuk?“
Die Single-Frau versucht es mit Humor zu nehmen, und trotz der Androhung „noch jemand Bock auf Bildschirmkontrolle“, endet dieses auf die Spitze getriebene Vorführen und Fremdschämen. Pocher präsentiert nun seine gespeicherten Inhalte, und das ist okay, wenn es um Influencer oder noch prominentere Personen des öffentlichen Lebens wie Heidi Klum und Helene Fischer geht. Oder um Kai Pflaume, dessen Selbstdarstellung auf Social Media, wo der Moderator den besonderen Witz von Wortspielen wie „Extra-Schaf“ und „Froschhaltefolie“ erklärt, Steilvorlagen liefert.
Und immer wieder sind Pochers Ex-Frau Amira und deren Partner im Visier. Diese Form von öffentlicher Therapie dürfte nun ein Ende haben, denn es war der letzte Auftritt als „Liebeskasper“. Die nächste aber läuft schon, denn mit seiner ersten Ehefrau Sandy Meyer-Wölden ist er als „Die Pochers! Frisch recycelt“ unterwegs. Zum Finale bietet Oliver Pocher, der durchaus komödiantisches Talent hat, mit „Baby one more Time“ eine Parodie auf Britney Spears. Noch passender wäre ihr Hit „Oops …I did it again“, denn auch Pocher hat’s wieder getan – und wird es auch in Zukunft nicht lassen können: Scherze ohne Grenzen, hemmungslos und notfalls auch auf eigene Kosten.