SVK-Torwart Steffen Scheck liebt das Eins-zu-Eins-Spiel. Foto: Baumann
Für Pattonvilles Keeper Karl Birkeneder ist das Derby Nebensache. Sein Kornwestheim Kollege Steffen Scheck moniert Termin parallel zum Champions-League-Finale.
Die Torhüter Karl Birkeneder (SV Pattonville/30) und Steffen Scheck (SV Kornwestheim/25) haben beide eine starke Saison in der Bezirksliga Enz/Murr gespielt. Vor dem Derby am Samstag (18 Uhr) verraten die beiden Keeper, dass auch ihr Job im Amateurfußball immer komplexer wird.
Das Los der Torhüter ist es , dass immer nur einer spielen kann, und selten gewechselt wird, ligaunabhängig. Welche Haltung haben Sie zur Rückholaktion von Manuel Neuer in den WM-Kader?
Birkeneder: Natürlich war Manuel Neuer auch immer mein Vorbild, weil er mit seiner Aura das Torwartspiel extrem geprägt hat, deshalb ist die Entscheidung nachvollziehbar. Sein natürlicher Nachfolger wäre ja eigentlich nicht Oliver Baumann, der auch ein überragender Keeper ist, gewesen, sondern Marc-André ter Stegen, der sich dann verletzt hat. Kommunikativ hat das Nagelsmann nicht gut gemacht. Deshalb Kompliment an Baumann wie er sich jetzt einfügt, nachdem er den Nummer-eins-Status verloren hat. Für mich ist es schon eine geile Sache, Neuer nochmals zu sehen.
Scheck: Da hab ich eine ähnliche Meinung. Für einen Stürmer macht es eben immer noch einen Unterschied aus, ob er auf Baumann oder Neuer zuläuft. Ich finde es auch schön, Neuer nochmals bei einem großen Turnier zu sehen, habe aber viel Respekt vor Baumann, der nicht trotzig auf die große Enttäuschung reagiert.
Wie sehr hat sich das Torwartspiel auch im Amateurfußball verändert?
Birkeneder: Wir gehören zu der Generation, in der auch bei den Amateuren ein Switch im Torwartspiel erfolgt ist. Auch bei uns ist es längst nicht mehr damit getan, einfach nur den Kasten sauber zu halten. Gerade beim SV Kornwestheim haben wir den Ansatz, Dinge falls möglich, spielerisch zu lösen. Da ist man auch als Torwart gefragt, das macht das Spiel komplexer und man darf dann eben keinen Fehler machen, sonst fängt es an zu brennen. Ich habe eigentlich als Stürmer in der F-Jugend begonnen, habe dann kurz im Tor übernommen und bin dann nicht mehr rausgekommen. Aber ich liebe diese spezifische Rolle.
Scheck: Ich bin damals auch Torhüter geworden, weil ich nicht so viel laufen wollte. Aber es macht mir bis heute sehr viel Spaß. Auch ich habe diesen Switch in vollen Zügen genossen und bin froh, dass man als Keeper mehr ins Spiel eingebunden ist. Ich liebe es, Bälle abzufangen oder auch mal mit dem Kopf zu klären, brenzlige Situationen zu entschärfen. Natürlich birgt so ein Spiel auch Risiken, etwa, dass man eine Rote Karte riskiert. Da wären wir auch wieder bei Manuel Neuer. (lacht)
Karl Birkeneder weiß seine 100 Kilogramm effektiv einzusetzen im Zweikamp Foto: Baumann
Der komplexe Job zwischen den Pfosten wird noch schwieriger: Immer mehr Teams rempeln bei Eckbällen systematisch und stellen sich gezielt in den Weg.
Scheck: Das stimmt, aber früher wurden für meinen Geschmack die Situationen oft zu früh abgepfiffen. Man hatte fast zu viele Freiheiten. Jetzt wird auch in unseren Ligen versucht, den Torwart zu behindern. Da muss man Lösungen finden.
Birkeneder: Als Torwart weiß man worauf man sich einlässt. Man benötigt Entschlossenheit und Körperlichkeit und muss extrem einstecken können. Aber ich kann auch meine 100 Kilo dagegen halten und das hilft auch, wenn der Gegner dich im Strafraum versucht zu rempeln. Wichtig ist, dass alles fair bleibt und die Spieler geschützt sind.
Wie würden Sie Ihr Torwartspiel charakterisieren?
Scheck: Ich habe meine Stärken sicher darin, dass ich ein mitspielender Torwart bin, Bälle gut ablaufen kann und auch das Eins gegen Eins liegt mir. Ansonsten bin ich auch sehr selbstkritisch und weiß, dass in vielen anderen Bereichen noch Luft nach oben ist.
Birkeneder: Fangen wir mal mit den Schwächen an. Ich bin kürzlich 30 geworden und merke, dass ich im athletischen Bereich nicht mehr ganz vorne dabei bin. Aber viele Dinge kann ich durch meine Erfahrung ausgleichen. Meine Rolle interpretiere ich schon als Führungsspieler im Team, der auch versucht aus dem Kasten heraus zu coachen. Und wie bei Steffen ist auch das Eins gegen Eins mein Steckenpferd.
Derby findet parallel zum Champions-League-Finale statt
Sie haben fußballerisch eine Vergangenheit im Stuttgarter Raum. Wie kam es zum Wechsel und was bedeutet das Derby?
Birkeneder: Ehrlich gesagt hat mir der Verein früher wenig gesagt. Aber dann habe ich mit Tobias Uhse (Mittelfeldspieler SVP) in Hohenheim studiert, so gab es erste Kontakte und ich kannte auch den damaligen Trainer Marc Bachhuber. Dann kam es zum Wechsel von Echterdingen, wo ich sogar Verbandsliga gespielt habe, zum SVP. Der Derbycharakter ist mir nicht so wichtig, da es für uns ja noch um den direkten Klassenverbleib geht und das natürlich im Fokus steht.
Scheck: Ich kann mich noch an das Duell in der Rückrunde in der vergangenen Saison und die tolle Atmosphäre erinnern. Wir haben viele Ur-Kornwestheimer im Team, die natürlich gewinnen wollen. Uns kann ja nichts mehr passieren, aber die Motivation ist da, nach den zuletzt nicht so überzeugenden Spielen nach dem Pokalsieg mal wieder zu gewinnen.
Birkeneder: Übrigens noch Gratulation zu diesem Erfolg.
Was wünschen Sie sich für das Spiel?
Scheck: Natürlich einen Sieg – im besten Fall zu Null. Übrigens ist der Termin um 18 Uhr vom Verband nicht ganz glücklich gewählt. Da findet parallel das Champions-League-Finale statt.
Birkeneder: Wir kommen natürlich trotzdem. Das Hinspiel (2:3) war ja suboptimal, da lagen wir nach 17 Minuten schon 0:3 zurück. Es ist gut, dass wir jetzt Druck haben, das beflügelt uns eher, statt dass es uns lähmt. Zudem haben wir es am letzten Spieltag gegen den den Konkurrenten Schwieberdingen noch in der eigenen Hand, den direkten Verblieb zu schaffen.