Die Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn gehen in eine entscheidende Phase. Für Fahrgäste wächst die Unsicherheit, ob es in den kommenden Wochen zu neuen Einschränkungen im Bahnverkehr kommt.
Seit Anfang Februar kam es bereits mehrfach zu Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr. Die Züge der Deutschen Bahn, inklusive Regionalzügen und S-Bahnen, waren davon bisher jedoch nicht betroffen. Dies könnte sich in Kürze allerdings ändern. Ab wann drohen Streiks bei der DB?
Streik bei der Deutschen Bahn: Wann könnte es soweit sein?
Die Tarifverhandlungen zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) spitzen sich zu. Zwar hat der Konzern nun erstmals ein konkretes Angebot vorgelegt, doch aus Sicht der GDL reicht dieses nicht aus. Ein Scheitern der Gespräche ist nach Angaben der Gewerkschaft nicht ausgeschlossen. Damit rücken neue Streiks näher.
Für Fahrgäste ist die Lage zeitlich klar eingegrenzt: Bis Ende Februar gilt eine Friedenspflicht, in diesem Zeitraum sind Streiks ausgeschlossen. Dennoch könnte die GDL bereits jetzt eine Urabstimmung über unbefristete Arbeitskämpfe einleiten. Mit den notwendigen Mehrheiten wäre sie dann ab März handlungsfähig. Auch ohne Urabstimmung kann die GDL ab März zu kürzeren Warnstreiks aufrufen. Sollten die Gespräche endgültig scheitern, wären ab März erneute erhebliche Einschränkungen im Bahnverkehr wahrscheinlich.
Der aktuelle Stand der Tarifverhandlungen zwischen DB und GDL
Rund einen Monat nach Beginn der aktuellen Tarifrunde hat die Deutsche Bahn in der vierten Verhandlungsrunde erstmals ein Angebot vorgelegt. Dieses sieht insgesamt sechs Prozent mehr Geld für die Beschäftigten vor. Kernpunkte sind eine Entgelterhöhung von 3,8 Prozent in zwei Stufen (zwei Prozent ab September dieses Jahres und weitere 1,8 Prozent ein Jahr später) sowie 2,2 Prozent über strukturelle Anpassungen im Tarifsystem. Hinzu kommt eine Einmalzahlung von 400 Euro. Der vorgeschlagene Tarifvertrag soll eine Laufzeit von 30 Monaten haben. DB-Personalvorstand Martin Seiler sprach von einem „guten und weitreichenden Angebot“, das zentrale Forderungen der GDL aufgreife und die Tür für eine Einigung offenlasse.
GDL sieht Verhandlungen „auf der Kippe“
Ganz anders fällt die Bewertung bei der Gewerkschaft aus. GDL-Chef Mario Reiß bezeichnete das Angebot als „niederschwellig“ und warnte, ein Scheitern der Verhandlungen sei möglich. Vor allem die lange Laufzeit von zweieinhalb Jahren stößt auf scharfe Kritik. Auf den ersten Blick wirke das Angebot wie ein Entgegenkommen, relativiere sich jedoch deutlich, wenn man die Laufzeit berücksichtige, so Reiß. Ob die Gespräche wie geplant fortgesetzt werden, ist offen. Reiß will zunächst die eigenen Gremien beraten. Er selbst befürworte zwar weitere Verhandlungen, könne aber nicht garantieren, dass diese tatsächlich weitergeführt werden. GDL hält an Kernforderungen fest.
Die Lokführergewerkschaft fordert weiterhin acht Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Davon sollen 3,8 Prozent über eine direkte Lohnerhöhung erreicht werden, der Rest über Umstrukturierungen im Tarifsystem, etwa durch eine neue Entgeltstufe. Die GDL begründet ihre Forderungen mit Reallohnverlusten durch Inflation und einem wachsenden Armutsrisiko im Alter.
Mit Material der dpa