Deutsches Literaturarchiv Marbach Mit KI wurden Schillers unfertige Texte weitergeschrieben

Fünf Workshops für Schulklassen zum Thema Schiller wurden im Deutschen Literaturarchiv Marbach angeboten. Foto: avanti/Ralf Poller

Wie kann man Schiller für Schüler greifbar machen und ihr Interesse wecken? Das Literaturarchiv hat es mit Workshops versucht. Das Interesse war sehr groß.

Dass Friedrich Schiller ein schier endloser Quell an Inspiration sein kann, wissen die, die sich intensiv mit ihm beschäftigen. Damit dies auch jungen Menschen bewusst werden kann, gab es am Mittwochvormittag am Deutschen Literaturarchiv in Marbach (DLA) gleich eine ganze Schiller-Workshop-Palette für Gymnasiasten, die den Dichter in mehreren Facetten beleuchteten.

 

Rund 100 Schülerinnen und Schüler waren nach Marbach gekommen

Aus fünf parallel laufenden Workshops konnten die einhundert Schülerinnen und Schüler an diesem Vormittag wählen, jedoch nur zwei davon besuchen. Dabei galt es im Vorfeld schnell zu sein. „Das kostenfreie Angebot war nämlich gut nachgefragt“, erklärte die Verbindungslehrerin am DLA, Christine Schott, die für den Schulkontakt zuständig ist. „Das Interesse war größer als unsere Kapazität“. Zahlen müssen die Teilnehmenden für die Workshops nichts. Lediglich die Anreise muss aus eigener Tasche bewältigt werden. Doch nicht allein Schüler aus der Umgebung nahmen teil; auch eine Klasse aus Laupheim hatte sich angemeldet. Eine Handvoll Schüler aus dem Friedrich-Schiller-Gymnasium Ludwigsburg sowie eine Gruppe aus dem gleichnamigen Marbacher Bildungsbetrieb waren ebenfalls vor Ort.

Was waren die Themen in den Schiller-Workshops?

Die aktuellen Schiller-Workshops stellten bereits das dritte Angebot im Rahmen der Bildungsinitiative „Literatur bildet – bildet Literatur?“ dar. Sandra Richter hat es vor einiger Zeit aus der Taufe gehoben. Für Runde 3 aber wurden speziell DLA-Mitarbeitende aus ganz unterschiedlichen Bereichen aktiv. Aus dem Bereich Archiv beleuchtete Helmuth Mojem das Thema „Schillers Verleger Cotta und sein Verlag“, der damals in Tübingen angesiedelt war. „Wie sahen diese Bücher aus und was wurde sonst noch veröffentlicht?“ waren entsprechende Fragestellungen.

Der Workshop führte die Vielfalt eines Verlagsarchivs vor Augen und versuchte, anhand von authentischen Stücken, eine längst vergangene Zeit aufleben zu lassen. „Fanfiction“ war das Thema von Nathalie Maag und Sarah Schnitzler: Denn bei Schillers erster Vorlesung in Jena 1789 seien so viele Zuhörer gekommen, dass man in einen größeren Raum hatte um ziehen müssen. Hier gingen die Teilnehmenden mit einer eigenen Geschichte Fragen nach. Etwa der, wie wohl Schiller seine Popularität empfunden habe oder ob er wohl auch Neider im Publikum hatte? Mirko Nottscheid widmete sich dagegen Bildern und Dingen von Schillers täglichem Gebrauch, die so viel Aussagekraft besitzen, dass der Betrachter einen Eindruck vom Besitzer und dessen Leben bekommen kann. Was verraten diese Gegenstände also über den Menschen Schiller? Für die zwölfjährige Annika aus Steinheim war vor allem ein Brief Schillers, den er an den Herzog geschrieben hatte, besonders interessant und aussagekräftig.

„Schillerflipper“ hieß der Workshop zur Künstlichen Intelligenz

Mit dem Themenkomplex „Schiller in der Schule“ motivierten Verena Staack und Alina Palesch ihre Schützlinge dabei, den Unterschied von Schillers Schulalltag zu dem von heute herausarbeiteten. „Schillerflipper“, das Thema des fünften Workshops, befasste sich mit der Künstlichen Intelligenz. Literaturwissenschaftlerin Laura Friedrichsohn und die wissenschaftliche Volontärin Laura Relitzki brachten bei diesem Projekt den Jugendlichen nicht allein Schiller nahe, sondern auch, wie man die KI sinnvoll einsetzt. „Dazu hat sich das DLA ein eigenes KI-Tool beschafft, um sowohl jugendschutz-, als auch datenschutzkonform arbeiten zu können“, machte Friedrichsohn deutlich. „Chat GPT beispielsweise wäre nicht geeignet“.

Gemeinsam mit dem Tool konnten dann auch Fortsetzungen zu Schillers unfertigen Texten erfunden oder ein spielerischer Umgang mit Wörtern, Figuren, Räumen und Geschichten initiiert werden. Denn Schreiben und Spielen gehörten für Friedrich Schiller zusammen. „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“, lautet eines seiner vielen Zitate. Fragen wie: „Welche Informationen braucht die KI, um gute Texte zu schreiben?“, waren also wesentliche Bestandteile dieses Kurses, der auch mit dem Schlagwort Prompting arbeitet. Dieser besagt: „Je klarer und griffiger der Auftrag für die KI, desto wunschgenauer auch das Ergebnis“. Bei der Frage, wer denn alles mit KI arbeite, gingen ziemlich alle Hände nach oben.

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