Der Luxusgeländewagen EQS SUV läuft in den USA vom Band. Produktionsmitarbeiter freuen sich über den Start der Fertigung in ihrem Werk in Alabama. Foto: IMAGO/USA TODAY Network
Ob Ungarn oder die USA: Standorte jenseits von Deutschland werden für Mercedes immer attraktiver. Der Standort Deutschland droht zerrieben zu werden, meint Klaus Köster.
Seit Donald Trump sein Amt als US-Präsident antrat, ist das Gesicht der USA ein grimmiges geworden. Die Verhängung von Zöllen geht einher mit Beschimpfungen anderer Länder, die den Amerikanern angeblich die Jobs stehlen. Doch es gibt auch ein anderes Amerika. Allein im Bundesstaat Alabama, in dem Mercedes ein großes Werk betreibt, feierten sich die Wirtschaftsförderer im vergangenen Jahr für 50 Ansiedlungsprojekte, mit denen 3700 Arbeitsplätze geschaffen worden. Geht es um deutsche Autobauer, passt zwischen Trump und die Wirtschaftsförderer kein Blatt. Die Ansprache unterscheidet sich, nicht aber die Ziele.
Kein Wunder, dass auch Mercedes mit größtem Interesse in Richtung USA blickt. Äußerst niedrigere Energiekosten, staatliche Förderung, ein riesiger Markt und jetzt auch noch die Zölle, die sich durch US-Investitionen vielleicht auch senken lassen: Anreiz und Druck, in den USA Jobs zu schaffen, wachsen gewaltig.
In Ungarn feierten Mercedes-Beschäftigte schon 2015 den Produktionsstart eines neuen Modells in ihrer Fabrik. Foto: imago/Xinhua
Und wo bleibt Deutschland? Die neue Bundesregierung startet angesichts der fortschreitenden Erosion des Standorts keinen Tag zu früh. Ihre Turbo-Abschreibungen wirken nach lähmenden Ampeljahren wie ein Signal für den überfälligen Aufbruch.
Die ersten Initiativen aus dem Arbeitsministerium zu großen Themen wie Mindestlohn und Rente zeigen allerdings, dass die Koalition die von Bundeskanzler Friedrich Merz verkündete Priorität der Wirtschaft noch hart wird erarbeiten müssen. Während Deutschlands Selbstfindung wird die globale Konkurrenz nicht stillstehen – und Unternehmen wie Mercedes auch nicht.