Die Eröffnung am Stuttgarter Marktplatz zieht sich hin Nächste Geldspritze für den Tourismus-Tempel

Der neue Tourismus-Tempel am Marktplatz erhält eine Holzfassade. Eröffnet werden könnte bis Mai 2025. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die neue Zentrale am Marktplatz war Anfangs mit 10,5 Millionen Euro kalkuliert. Sie kostet mehr als das Doppelte. Dazu kommt eine Position, die öffentlich gar nicht ausgewiesen ist.

Stuttgarts neue, auf Hochglanz polierte Visitenkarte am Marktplatz wird nicht nur noch später fertig, die Stadt muss für das neue Haus des Tourismus auch noch mehr Geld locker machen. Weitere 3,4 Millionen Euro soll der Wirtschaftsausschuss des Gemeinderates noch in diesem Jahr bereitstellen, damit der Komplettumbau des ehemaligen Bekleidungshauses Breitling neben den Rathaus vollendet werden kann. Die Zusatzspritze kommt aus dem städtischen Jahresüberschuss 2023, der mit 791,7 Millionen Euro zwar so üppig wie nie zuvor ausfiel, aber längst für den Doppelhaushalt 2024/2025 verplant ist. Dort müssen wachsende Löcher gestopft werden.

 

Doppelzahlung kommt nicht zur Sprache

Was der Wirtschaftsausschuss, der die weitere Baukostensteigerung auf dann 23,8 Millionen Euro (von ursprünglich 10,5 Millionen) zur Kenntnis nehmen und am Freitag den Zuschuss samt Inventar auf 21,5 Millionen Euro heben soll in der Vorlage nicht erfährt, ist eine Doppelzahlung in nicht unbeträchtlicher Höhe.

Die Stuttgart Marketing GmbH, die das Gebäude gemeinsam mit der Regio-Tourismus GmbH und dem Tourismus-Marketing des Landes nutzen soll, wird trotz der Investition nicht Eigentümer, sondern langjähriger Mieter des Hauses. Die Stadt hätte die Immobilie gern erworben, ist mit dieser Vorstellung beim ehemaligen Herrenausstatter aber abgeblitzt. Weil man die laut Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann (CDU) einzigartige Chance der Marktplatzaufwertung nicht vertun wollte, akzeptierte man die Regeln des Vermieters.

Fuhrmann räumt inzwischen ein, dass die neue Tourist-Info in die Rubrik De-luxe-Maßnahmen falle. Dieses Etikett hatte er, verärgert über die jeweils hohen Baukosten, dem geplanten Betriebshof der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) und einem Hallenbad-Neubau in Zuffenhausen angeheftet. Die Tourist-Info sei auch Wirtschaftsförderung, der Mehrwert so bedeutend, dass sich die Investition lohne, betont Fuhrmann.

Marode Bausubstanz

Bei der Vorstellung des Projekts im Aufsichtsrat von Stuttgart-Marketing, dem Fuhrmann vorsitzt, und gegenüber der Öffentlichkeit wurde das Engagement der Eigentümer betont. Breitling beteiligt sich mit  netto 840 000 Euro  an  den Abbruchkosten. Es gibt aber auch zusätzliche Ausgaben, nicht nur durch die marode Bausubstanz, den hohen Neubaustandard und die ausgeweitete Nutzung, sondern durch „doppelte Mietzahlungen“. Denn bereits während des Umbaus, der einem Neubau gleichkommt, muss Miete bezahlt werden. Die läuft natürlich auch für die bisherigen Räume weiter. Um der doppelten Mietzahlung „etwas entgegenzuwirken“ sei ein Nachlass mit der LBBW Immobilien verhandelt worden. Das Agreement sollte die Doppelbelastung zwischen August 2023 und dem ursprünglich geplanten Einzugstermin im Juni 2024 auf 400 000 Euro drücken.

Ein Umzugsdatum könne er „verlässlich derzeit nicht benennen, sagt Tourismuschef Armin Dellnitz auf Anfrage. Man hoffe auf einen Einzug zwischen März und Mai 2025. Die in unserer Anfrage „erwähnten doppelten Mietzahlungen“ umfassten dann rund 1,5 Jahre, räumt er ein. Wie hoch sie letztlich seien, dürfe man „nicht nach außen geben“, schließlich handele es sich um Details „zwischen uns und unseren Vermietern“. Dafür möge man bitte Verständnis haben.

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