Die großen Olympia-Stars Deshalb überstrahlt Johannes Hösflot Kläbo alle
Der norwegische Langläufer holt sechsmal Gold. Um zu den Stars der Winterspiele 2026 zu gehören, sind mindestens drei Olympiasiege nötig – Deutschland ist nicht vertreten.
Der norwegische Langläufer holt sechsmal Gold. Um zu den Stars der Winterspiele 2026 zu gehören, sind mindestens drei Olympiasiege nötig – Deutschland ist nicht vertreten.
Wenn eine Goldmedaille für den größten Philosophen der Winterspiele ausgelobt worden wäre, Johannes Rydzek hätte beste Aussichten gehabt, sie abzuräumen. „Manchmal geht es sich eben nicht ganz aus“, sagte der Kombinierer, der 2018 in Pyeongchang Einzel-Gold gewonnen hatte, diesmal im Val di Fiemme aber leer ausgegangen war, „bei Olympischen Spielen zerplatzen viele Träume – auf jeden Fall mehr als in Erfüllung gehen.“ Für das Team D galt dies ganz besonders.
Nur acht Goldmedaillen gab es für deutsche Athletinnen und Athleten im Norden Italiens. Insgesamt 34 (!) Olympia-Starter haben drei oder mehr Podestplätze geholt – schon in dieser erfolgreichen Gruppe befindet sich niemand aus Deutschland. Folglich hat auch keine(r) aus dem Team D den Sprung in den erlauchten Kreis der Top-Stars der Spiele geschafft. Denn dafür waren mindestens drei Goldmedaillen nötig.
Was für eine Bilanz! Der norwegische Langläufer Johannes Hösflot Kläbo (29) ist mit nun elf Olympiasiegen der erfolgreichste Wintersportler der Geschichte. Er holte wie bei der WM 2025 sechs Goldmedaillen (das gelang noch nie einem Einzelsportler bei Winterspielen) und damit alleine mehr Siege als die gesamten Teams von Österreich, Japan oder China. Das Bild, das ihn mit seinen sechs goldenen Plaketten zeigt, wird um die Welt gehen. Nach dem Sieg am Samstag im 50-Kilometer-Rennen war auch der König der Winterspiele geplättet. „Das ist die Krönung gewesen“, meinte er, „in Norwegen heißt es, man müsse den Fünfziger gewinnen, um ein Mann zu werden. Ich denke, das bin ich jetzt.“ Seine Motivation wird darunter nicht leiden. „Ich liebe es, mich zu messen“, sagte Kläbo, „das Beste, was ich kenne, ist es, diese Ziellinie als Erster zu überqueren.“ Für die Konkurrenz muss sich das anhören wie eine Drohung. Die Regentschaft des Norwegers wird weitergehen.
Die Affäre Simon (29) hat die Stimmung im französischen Team erheblich belastet. Die Biathletin war im November 2025 wegen Kreditkartenbetrugs zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe und 15 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Sie gestand, in den Jahren 2021 und 2022 mit den Daten ihrer Kollegin Justine Braisaz-Bouchet Waren für rund 2500 Euro gekauft zu haben. Zudem gab es eine kurze teaminterne Sperre, die aber rechtzeitig vor den Winterspielen ablief – und sportlich erarbeitete sich Julia Simon in Antholz neuen Kredit. Sie holte Gold mit der Staffel, der Mixed-Staffel und im 15-km-Einzel, dazu Silber im Massenstart. Anschließend sagte sie trotzig: „Ich glaube, ich muss nun niemandem mehr etwas beweisen.“
Nach Gold mit beiden Staffeln und im Sprint war Quentin Fillon Maillet (33) immer noch hochmotiviert. Dank einer Energieleistung auf der letzten Runde gewann der Franzose im Massenstart knapp vor dem Deutschen Philipp Horn Bronze – kein Biathlet war bei den olympischen Rennen in Antholz erfolgreicher. „Mein größter Gegner bin ich selbst“, meinte Fillon Maillet danach, „ich kann die Leistung meiner Gegner beeinflussen, indem ich sie verunsichere.“
Gold im Mund, Gold um den Hals: Der niederländische Shorttracker Jens van ’t Wout (24), der seit einem Unfall auf Schlittschuhen einen Goldzahn und eine Narbe auf der rechten Wange hat, holte sich vier Medaillen: Gold in der Staffel, über 1000 Meter und 1500 Meter, dazu Bronze über 500 Meter. „Eigentlich müsste ich jetzt aufhören, weil es keinen Weg gibt, bei Olympischen Spielen noch besser zu sein“, sagte er, „es ist einfach nur wundervoll.“
Nach dem Karriereende von Jarl Magnus Riiber kommt auch der neue nordische Dominierer aus Norwegen. Jens Luras Oftebro (25) gewann dank seiner Laufstärke beide Einzelwettbewerbe in der Kombination, dazu den Teamsprint. Das beeindruckte auch die Konkurrenz. „Der Typ, der diese Siege verdient hat“, sagte der Este Kristjan Ilves, „das ist Jens Luras Oftebro.“
Eigentlich hatte jeder erwartet, dass Marco Odermatt (28) der große Ski-Star der Spiele werden würde. Doch dann stahl dem Schweizer ein Landsmann die Show. Franjo von Allmen (24) gewann nicht nur die Abfahrt und den Super-G, sondern an der Seite von Tanguy Nef (29) auch noch die Kombination. „Ich wusste, dass ich gut in Form bin, aber von drei Goldmedaillen habe ich nicht mal geträumt“, sagte von Allmen – und dachte auch an seinen Kumpel Odermatt, der zwar drei Medaillen, aber keinen Olympiasieg geholt hatte: „Es tut weh, ihn so niedergeschlagen zu sehen.“