Die Stuttgarter SPD-Politikerin und Schriftstellerin Anna Haag hat wesentlichen Anteil daran, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung im Grundgesetz verankert worden ist. Sie sei aber keine Radikalpazifistin gewesen, meint ihre Enkelin.

Am 22. April 1948 ergreift Anna Haag im Plenum des Landtags von Württemberg-Baden ungeduldig das Wort. Leidenschaftlich appelliert sie an die Abgeordneten, die noch zögern, der von ihr eingebrachten überparteilichen Gesetzesinitiative zum Recht auf Kriegsdienstverweigerung zuzustimmen: Sie mögen „doch einmal jene Lazarette besuchen, wo die Menschenwracks, unseren Augen entrückt, lebendig begraben sind“. In grafischen Details zählt sie Kriegsverstümmelungen auf. Doch „viel wesentlicher“ sei, betont die SPD-Abgeordnete, was man einem Menschen „auftragen kann, anderen anzutun“. Daran hätten viele Männer noch lange zu leiden.