Die Welt der Luxusmarken Was der Maybach-Enkel noch mit Mercedes zu tun hat

Ulrich Schmid-Maybach (Mitte), Enkel von Karl und Urenkel von Wilhelm Maybach, jüngst bei der ersten Vorstellung des Maybach-Schaudepots in Friedrichshafen, rechts von ihm seine Schwester Kathrin Foto: Maybach Stiftung/Felix Kästle

Ulrich Schmid-Maybach eröffnet im September einen Showroom zu Ehren seiner Vorfahren und ihrer wegweisenden Ingenieurskunst. Der Mann aus Kalifornien macht noch mehr aus seinem Namen.

Lokales: Alexander Ikrat (aik)

Wenn das Maybach-Schaudepot im September in der Fußgängerzone in Friedrichshafen seine Pforten öffnet, dann wird die Maybach-Stiftung mit ihrem Präsidenten Ulrich Schmid-Maybach einen wichtigen Meilenstein ihrer 20 Jahre währenden Tätigkeit erreicht haben. Denn bisher gibt es in Deutschland kein Museum, das die Erfindungen von Wilhelm Maybach und seinem Sohn Karl ins Zentrum stellt. Dabei waren sie nicht nur maßgeblich an der Erfindung des Motorrads und des Automobils beteiligt, sondern schufen auch Bahnbrechendes im Antrieb von Flugzeugen, Schiffen und der Eisenbahn.

 

Dass Wilhelm Maybach 1907 bei seinem langjährigen Förderer Gottlieb Daimler in Bad Cannstatt ausstieg, um sich künftig in Bissingen an der Enz Flugzeugmotoren zu widmen, kappte die Verbindung zu Daimler langfristig ebenso wenig wie der Umstand, dass die Maybach-Motorenbau ab 1919 die Luxus-Autos herstellte, für die der Name heute noch berühmt ist. Die Rückkehr zum Automobil entstand tatsächlich aus der Notlage heraus, dass der Versailler Vertrag den Deutschen verbot, weiterhin Flugkörper zu bauen. Die Autos baute die Firma bis 1940, 1952 band Karl Maybach das Unternehmen an Daimler-Benz an, nach Maybachs Tod 1960 wurde es vollends übernommen. 1969 wurde die Maybach Motorenbau in Motoren- und Turbinen-Union Friedrichshafen, kurz: MTU, umbenannt. Heute heißt das Unternehmen Rolls Royce Power Systems.

Als Maybach-Markenbotschafter für DaimlerChrysler unterwegs

Ein Maybach kam wieder ins Spiel, als die damalige DaimlerChrysler AG 2002 die Marke für Luxus-Autos wiederbelebte. Wilhelms Urenkel und Karls Enkel Ulrich Schmid-Maybach war schon 1997 dabei, als der damalige Daimler-Chef Jürgen Schrempp das Maybach-Konzept erstmals auf der Tokyo Motor Show vorstellte, und er repräsentierte die Familie auf weiteren rund 70 Veranstaltungen des Konzerns. „Ich arbeitete damals als Markenbotschafter“, sagt der verheiratete und kinderlose Mann, der sein genaues Alter nicht nennen will („in den 60ern“), damit nicht zu viele Daten von ihm im Internet kursieren.

Als Daimler beschloss, die Produktion in der Maybach-Manufaktur in Sindelfingen wieder einzustellen, weil der Erfolg nicht groß genug war, stand der Mann mit dem Hang zum Understatement („Lieber weniger versprechen und mehr leisten“) zwar wieder weniger im Rampenlicht. Weil Mercedes aber 2014 einigen Modellen der S-Klasse und einem Geländewagen wieder den Beinamen Maybach gab, ist Schmid-Maybach bis heute gefragt. „Unlängst war ich mit Mercedes in Indien, weil der Mercedes-Maybach dort eingeführt wurde“, berichtet der Immobilienunternehmer, der Rhetorik und Kommunikation studiert hat. Selbstverständlich nahm am sogenannten Soft Opening des Schaudepots in Friedrichshafen auch eine Abgesandte von Mercedes teil. Er selbst wird im Juni wieder bei Mercedes in Stuttgart weilen, um den neuen Maybach-Markenverantwortlichen kennen zu lernen.

An 25 Luxus-Geschäften der Maybach Icons beteiligt

Praktischerweise konnte Ulrich Schmid-Maybach in Indien dieses Jahr auch schon das erste von drei eigenen Geschäften eröffnen. Schmid-Maybach ist nämlich an der Firma Maybach Icons beteiligt, die unter Lizenz von Daimler kostspielige Brillen oder Lederwaren mit dem legendären MM-Logo (von Maybach-Motorenbau) auch in Geschäften auf dem Berliner Kurfürstendamm oder der Maximilianstraße in München verkauft. „25 Läden weltweit“ sind es laut Ulrich Schmid-Maybach inzwischen, die der betuchten Kundschaft Luxus-Produkte in einer Welt feilbieten, die weit entfernt von den Wurzeln der Marke Maybach in Friedrichshafen erscheint.

Doch auch auf Events der Wilhelm-&-Karl-Maybach-Stiftung, die Ulrich Schmid-Maybach an seinem Geburtsort San Francisco und in Stuttgart betreibt, gab sich schon die Prominenz die Klinke in die Hand – bei der Gründung 2006 bei den Vereinten Nationen in New York etwa war Schauspieler Kirk Douglas der Hauptredner, bei einer jährlichen Stiftungsveranstaltung während der Filmfestspiele in Cannes waren Dennis Hopper und Quincy Jones mit von der Partie.

Mit dem Geld der Familie Gutes tun

Die Idee für die Stiftung kam dem US-Amerikaner, dessen Eltern um 1960 vor seiner Geburt nach Amerika ausgewandert waren, während seines frühen Jetset-Lebens, als er viel mit Wirtschaftsbossen zu tun hatte. „Ich wollte etwas Konkretes für Menschen bewirken“, sagte sich der Philanthrop und wollte mit dem Geld der Familie Gutes tun. Zum Beispiel junge Talente fördern, wie sein Urgroßvater Wilhelm eines war, als Gottlieb Daimler im Waisenhaus in Reutlingen auf ihn stieß. Oder wie jene, die sein Großvater Karl Maybach in der ersten Lehrwerkstatt 1919 in Friedrichshafen förderte, wo er die junge Idee der dualen Ausbildung mit Leben füllte.

„Auf einem Rückflug von Cannes sprach ich stundenlang mit einem Wissenschaftler und stellte mit Bedauern fest: Ich habe keine Medizin erfunden, ich rette keine Menschen.“ Das berichtete der Mann, der einst das Chemie-Studium abbrach und auf Rhetorik und Kommunikation umschwenkte, unserer Zeitung vor einigen Jahren in sehr gutem Deutsch und sorgsam gesetzten Worten. Also widmete sich Schmid-Maybach als Stifter zunächst einem jungen Mediziner aus Uganda, der zwar schon Arzt war, aber dank der Unterstützung Krankenhausdirektor und einer der meistpublizierten Wissenschaftler Afrikas in diesem Bereich werden konnte.

Lehrgeld mit dem ersten Schnellzug als Seminarraum bezahlt

Danach schaffte es Schmid-Maybach, der sein Geld zunächst als Software- und später als Immobilienunternehmer verdiente, auch Talente aus Bereichen wie Sport und Kunst zur Entfaltung zu verhelfen. Noch heute verbreitet die Stiftung die Idee des Mentoring mit verschiedenen Programmen in der Welt, vergibt in Deutschland zum Beispiel den jährlichen Maybachpreis an der Wilhelm-Maybach-Schule in dessen Geburtsstadt Heilbronn.

Ulrich Schmid-Maybach (links) und Andreas Hoffmann-Daimler 2017 vor einem Exemplar des ersten dieselbetriebenen Schnellzugs der Welt (SVT Köln 137 856) in Cottbus. Foto: Christiane Schleifenbaum

Der erste dieselbetriebene Schnellzug SVT Köln 137 856, den Karl Maybach 1937 aufs Gleis gesetzt und damit das Ende der Dampflokomotive eingeläutet hatte, war ein weiteres Projekt von Ulrich Schmid-Maybach. Er fand 2012 in Delitzsch bei Leipzig eines von fünf noch existierenden Exemplaren, das er ab 2015 in Kooperation mit der MTU unter der Verantwortung eines Urenkels von Gottlieb Daimler, Andreas Hoffmann-Daimler, restaurieren ließ. Der Zug sollte eines Tages als Seminarort für talentierte junge Menschen zwischen den Maybach-Städten Friedrichshafen, Stuttgart, Heilbronn und Neumarkt/Oberpfalz (Museum für historische Maybach-Fahrzeuge des Sammlers Helmut Hoffmann) rollen. Doch das Projekt entwickelte sich über mehrere Jahre zu einem Fass ohne Boden. „Je länger es dauerte, desto teurer wurde es“, sagte Schmid-Maybach jetzt am Rande der Veranstaltung im Schaudepot Friedrichshafen, „wir haben den Zug wieder an den Verein verkauft, von dem wir ihn hatten“.

In diesem Projekt haben die Stiftung und Ulrich Schmid-Maybach Lehrgeld bezahlt, im Showroom in Friedrichshafen sollen sich die Lehrjahre von Herbst an auszahlen.

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