Dienstleister aus Stuttgart Wie Leadec die Autoproduktion sicherstellt
Ohne externe Dienstleister rollt kein Auto vom Band. Die Stuttgarter Firma Leadec bietet als Marktführer alles: Anlagenaufbau, Wartung, Logistik, Reinigung.
Ohne externe Dienstleister rollt kein Auto vom Band. Die Stuttgarter Firma Leadec bietet als Marktführer alles: Anlagenaufbau, Wartung, Logistik, Reinigung.
Bernd Schirm ist beim Blick auf seinen Bildschirm überrascht – und zwar positiv. „Der Kollege hier schafft heute ganz schön was weg“, sagt der für die Instandhaltung zuständige Bereichsleiter bei Leadec. Der sitzt in Heilbronn, einem der vielen vor Ort ansässigen Leadec-Büros, von wo aus in diesem Fall die Arbeit des Serviceanbieters in zwei Audi-Werken koordiniert wird. Bernd Schirm sieht gerade, welche über Handy beim Mitarbeiter in der Fabrik eingegangenen Aufträge von ihm heute angenommen und bereits abgearbeitet wurden. So sieht digitalisierte Dienstleistung in der Autoindustrie heute also aus.
„Wir halten die Fabrik am Laufen“, so umschreibt Leadec-Chef Markus Glaser-Gallion das Komplettangebot des Unternehmens, das von allen deutschen Autoherstellern, den größten Zulieferbetrieben sowie von Flugzeugbauern, Lebensmittel-, Logistik-, und Onlinehandelsunternehmen angenommen wird. „Wir sind täglich in 900 Fabriken weltweit tätig“, sagt Markus Glaser-Gallion, was Leadec zum weltweit führenden Komplettanbieter macht.
Zu diesem Komplettangebot im sogenannten Automotive- und Manufacturing-Bereich gehören alle Dienstleistungen, die eine Fabrik erst zum Laufen bringen und in der Folge auch am Laufen halten. Das fängt mit dem Anlagenaufbau, der Automatisierung und der Inbetriebnahme an. Weiter geht es mit Wartung, Instandhaltung, technischer Reinigung und Logistik. Zum Leistungsspektrum gehört aber auch die zum klassischen Facility-Geschäft gehörende Reinigungssparte.
„We love your factory“, so lautet das Motto bei Leadec, und das versteht dann so ziemlich jeder auf der ganzen Welt. Das soll natürlich auch so sein, schließlich ist das Geschäft global ausgerichtet mit wichtigen außereuropäischen Standorten in den USA, Kanada, Brasilien, Indien, China oder Mexiko. 22 500 Beschäftigte gehören zum Unternehmen, etwa 6200 davon sind in Deutschland tätig. Tendenz steigend - das gilt auch für den Umsatz, der 2025 auf mehr als 1,35 Milliarden Euro angehoben werden konnte.
Wachstum – wie ist das möglich in einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft kriselt, vorne dran die Autoindustrie, die bei Leadec etwa 60 Prozent des gesamten Geschäftsaufkommens ausmacht? „Früher waren es 90 Prozent“, sagt Markus Glaser-Gallion und blickt dabei zehn Jahre zurück, als Leadec eigenständig geworden und die Servicesparte des Technologiekonzerns Voith mit dem Stammsitz in Heidenheim darin aufgegangen ist. Die Ursprünge des Unternehmens klingen dagegen weniger weltläufig und gehen zurück auf die 1962 in München gegründete Kesselreinigungsgesellschaft Reichenberger, die später zur Deutsche Industriewartung (DIW) wurde.
Dass Leadec heute so gut dasteht, macht der Chef unter anderem daran fest, dass das Unternehmen mittlerweile breiter aufgestellt und nicht mehr nur von einer Branche abhängig ist. „Rechtzeitig handeln, nämlich dann, wenn es einem gut geht, dabei Veränderungen schnell und konsequent umsetzen“, benennt Markus Glaser-Gallion einen weiteren Strategie-Eckpfeiler.
Zurück nach Heilbronn, wo es für den Instandhaltungsbereichsleiter Bernd Schirm ins benachbarte Neckarsulm geht, um sich nicht nur digital ein Bild von den aktuellen Leadec-Aktivitäten im Audi-Werk zu machen. Dabei schaut er einem Kollegen über die Schulter, der gerade in einem Gebäude die Brandmeldetechnik überprüft. Alles in Ordnung! So bleibt noch ein wenig Zeit für ein Fachgespräch, bei dem ein Nicht-Elektroniker in Folge von Verständnisschwierigkeiten früh abschalten muss.
Mehr dieser Experten kann Leadec im Moment gut gebrauchen. Der Servicespezialist sucht qualifizierte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Offene Stellen gibt es bei Leadec im dreistelligen Bereich. Besonders gefragt sind Elektroniker und Mechatroniker. „Es ist schwieriger geworden, in diesen Bereichen Fachkräfte zu bekommen“, sagt Markus Glaser-Gallion. Er erwartet von ihnen Flexibilität – auch was den Ort des Arbeitsplatzes angeht, bietet aber im Gegenzug „sehr gute Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens“.
Der lückenlose Vor-Ort-Service ist für Glaser-Gallion ein weiterer Schlüssel zum Erfolg. An den vielen ausländischen Standorten sorgen dafür grundsätzlich einheimische Teams unter einheimischer Führung. Das habe mit Respekt, Akzeptanz und dem Wissen um die jeweilige Mentalität zu tun, erklärt er.
Obwohl Leadec mit seiner Strategie sicher durch die Krise fährt, sagt Markus Glaser-Gallion aber auch: „Der Wettbewerb ist härter geworden, die Verhandlungen mit den Kunden sind intensiver.“ Dazu komme, dass weniger Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen mehr Arbeit leisteten – auch ermöglicht durch eine bessere digitale Planung. Wobei die Beschäftigten trotzdem ein bisschen an Heinzelmännchen erinnern, die im Verborgenen regelmäßig alles in Ordnung bringen.