Seit Anfang Mai gilt der Tankrabatt. Unsere Grafiken zeigen, wie sehr die Spritpreise in Stuttgart seitdem gesunken sind – und wie stark die Preissprünge um 12 Uhr immer noch sind.
Die Spritpreise an Stuttgarter Tankstellen sind seit Einführung des Tankrabatts am 1. Mai insgesamt deutlich gesunken. Insbesondere in den letzten Maiwochen sind E10, Super und vor allem Diesel noch einmal deutlich günstiger geworden als zum Monatsbeginn. Das zeigt eine Auswertung unserer Redaktion von stündlichen Preisen aller Tankstellen im Stadtgebiet.
Demnach kostete der Liter Super am 1. Juni im Tagesschnitt 1,91 Euro. Zum 1. Mai, also zu Beginn des Tankrabatts, war er von 2,13 Euro auf 1,98 Euro pro Liter gefallen. Noch deutlicher ist der Dieselpreis gesunken: Mit der Einführung des Tankrabatts fiel er von 2,15 Euro auf 2,01 Euro, Anfang Juni kostete der Liter Diesel in Stuttgart sogar nur noch 1,81 Euro.
Mit dem Beginn des US-Angriffs auf den Iran sind die Preise deutschlandweit und auch in Stuttgart stark angestiegen. Inzwischen kostet Sprit immer noch mehr als vor Kriegsbeginn, der Unterschied ist aber längst nicht mehr so groß wie zum Beispiel rund um Ostern, als Diesel im Tagesschnitt in Stuttgart tagelang über 2,40 Euro pro Liter kostete.
Durch die 12-Uhr-Regel dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich zur Mittagszeit erhöhen. Dieser Preissprung war auch im Mai weiterhin groß: Zwischen zwölf und 13 Uhr stiegen der Dieselpreis in Stuttgart im Schnitt um 20 Cent, die Preise für E10 und Super um 15 und 17 Cent, nur um in den folgenden Stunden bis zum Abend wieder ebenso stark zu sinken. Am günstigsten war Sprit typischerweise am Vormittag bis kurz vor der Preiserhöhung um 12 Uhr.
Zu Beginn des Tankrabatts am 1. Mai senkten die meisten Tankstellen in Stuttgart entweder sofort oder innerhalb weniger Tage ihre Preise - und zwar meist auch um den Betrag von 16 bis 17 Cent, der auf die nun gestrichenen Steuern entfallen wäre. Welche Tankstellenmarken wie auf den Tankrabatt reagiert haben, hatte unsere Redaktion Anfang Mai berichtet.
Wie teuer Diesel, E10 und Super aktuell an den Tankstellen in Stuttgart und der direkten Umgebung sind, können Sie der folgenden Tabelle entnehmen. Sie zeigt alle einzelnen Tankstellen und aktualisiert sich alle 30 Minuten von selbst.
Wurde der Tankrabatt an die Autofahrer weitergegeben?
Ob die Tankstellen auch nach Anfang Mai den Rabatt vollständig an die Kunden weitergegeben haben, lässt sich nur schwer sagen: Im Laufe der Zeit ändern sich die Preise auch aus anderen Gründen. Wie sie sich ohne Tankrabatt entwickelt hätten, lässt sich ebenfalls nur schwer abschätzen. Neben der Konkurrenzsitutation und dem Verkehr vor Ort hängt die Kalkulation der Tankstellenbetreiber unter anderem am Ölpreis. Der lag in den ersten drei Maiwochen laut einer ADAC-Auswertung über den Preisen im April, ist Ende Mai aber wieder deutlich gesunken. Der Automobilclub wirft den Tankstellenbetreibern schon seit langem vor, nur steigende Ölpreise sofort an die Kunden weiterzugeben, sinkende Preise aber nur verzögert.
Während der ADAC als Autofahrer-Interessensgruppe naturgemäß für möglichst günstigen Sprit lobbyiert, gibt es auch Kritik am Tankrabatt. Anreize für günstigeres Fahren von Verbrennern dürften nicht gegen die Abhängigkeit von fossilen, klimaschädlichen Ölimporten helfen, ein juristisches Gutachten im Auftrag der NGO GermanZero sieht gar Bedenken, der Tankrabatt könnte gegen Klimavorgaben in der Verfassung verstoßen.
Und auch aus ökonomischer Sicht gibt es Einwände: Gegenüber dem Recherchemedium Correctiv erklärte Tomaso Duso vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung am Montag: „Aus unserer Sicht gibt es keine ökonomische Grundlage für eine Verlängerung des Tankrabatts.“ Duso wiederholte dabei einige häufig genannte Kritikpunkte an der Idee eines Tankrabatts: Den Preis künstlich zu drücken, verhindere, dass mehr von dem derzeit knappen Gut gespart würde. Es ändere auch nichts daran, dass überhöhte Gewinne bei Raffinerien und Großhändlern hängen blieben. Zudem helfe der Tankrabatt vor allem Vielfahrern, die häufig mehr Einkommen hätten - für Einkommensschwächere, die auf das Auto angewiesen sind, sei eine gezielte, direkte finanzielle Hilfe viel sinnvoller gewesen.