Stuttgart - Kevin David Lehmann ist 18 Jahre alt. Sein Leben gleicht aber wohl so gar nicht dem anderer 18-Jähriger. Während viele in diesem Alter mit einem Ausbildungsgehalt oder dem Nebenjob nach der Schule klarkommen müssen, sind Geldnöte für Lehmann ein Fremdwort. Der dm-Erbe verfügt über ein Vermögen von 3,3 Milliarden US-Dollar (2,8 Milliarden Euro) – und wurde jetzt vom Wirtschaftsmagazin „Forbes“ zum jüngsten Milliardär der Welt gekürt. Schon seit seinem 14. Lebensjahr ist Lehmann Milliardär. Sein Vater Günther Lehmann hatte ihm 2017 seine Anteile an der Karlsruher Drogeriemarktkette überschrieben. Das Vermögen wurde bis zu seinem 18. Geburtstag von einem Treuhänder verwaltet. Seit seinem Geburtstag im September 2020 hat Kevin David Lehmann nun die Macht über das Vermögen.
Der dm-Erbe will kein Rampenlicht
Was macht eine solche Menge an Geld aus einem jungen Menschen? Der Münchner Psychotherapeut Stephan Lermer coacht Lottogewinner, Selfmademillionäre oder reiche Erben und weiß, wie einige 18-Jährige ticken: „Sie sind zwar auf dem Papier volljährig, aber in diesem Alter ist man noch ein Jungspund, man will es krachen lassen, zum Beispiel mit einem Lamborghini die Mädels beeindrucken.“ Doch Lermer ist sich sicher, dass der dm-Erbe die Bodenhaftung nicht verlieren wird: „Sprösslinge von Superreichen werden von klein auf gecoacht, wie sie mit der damit verbundenen Macht und dem eventuellen Neid lernen, umzugehen.“
Die bisherige Strategie des 18-jährigen Lehmann bekräftigt diese Annahme nur: Im Gegensatz zur weltweit jüngsten Milliardärin des vergangenen Jahres, Reality-TV-Star Kylie Jenner, sucht der dm-Erbe nicht das Rampenlicht. Über ihn ist kaum was bekannt, der 18-Jährige ist auf keiner Social-Media-Plattform zu finden. „Der Hintergrund-Mensch kommt besser mit dem Reichtum klar, er braucht zum Beispiel keinen Bodygard“, sagt Lermer.
Psychotherapeut: „Die Probleme bleiben mit viel Geld die gleichen“
Käme der junge dm-Erbe zu Lermers Beratung, würde der Psychotherapeut ihm erst einmal eine Auszeit empfehlen: „Ich würde ihm vorschlagen, auf einer Weltreise gezielt zu schauen, wie es so zugeht und sich bewusst zu werden, wie er seine unglaublichen Möglichkeiten nun zielführend nutzen will.“ Kommt Lehmann mit neuen Lebenserfahrungen zurück, sollte er sich Projekte überlegen, sagt Lermer: „Er hat die Chance, dass er die Welt als eine bessere verlässt als zu dem Zeitpunkt, als er geboren wurde.“
Denn die alte Weisheit, dass Geld nicht glücklich macht, treffe laut Lermer nach wie vor zu: „Die Probleme bleiben die gleichen, Geld bringt nicht sofort einen Selbstbewusstseinsschub.“ Einer seiner früheren Klienten sei sogar kurz davor gewesen, sich das Leben zu nehmen, weil seine Frau ihn verlassen wollte.
Die einen bewirken was, die anderen machen Negativschlagzeilen
Mit dem Vermögen etwas bewegen, anderen eine Freude machen, das sei laut Lermer der richtige Weg, den er auch dem jungen dm-Erben empfehlen würde. Nicht nur zu spenden, sondern auch als Gründer durchzustarten. „Und dann ist es typabhängig: Der eine möchte mehr Gerechtigkeit, der andere möchte auf das Artensterben aufmerksam machen“, sagt Lermer. Er verweist auf einen ehemaligen Klienten, der mehrere Millionen Euro geerbt hatte. Dieser habe sich zum Beispiel mit anderen Millionären besprochen, was sie ethisch und humanitär mit dieser Menge an Geld bewirken könnten.
So könne verhindert werden, dass junge reiche Menschen für Negativschlagzeilen sorgten, wie etwa der Red-Bull-Erbe Vorayuth Yoovidhya: Mit einem 660-PS-Ferrari soll der damals 27-Jährige 2012 einen Motorradpolizisten angefahren und mehr als 100 Meter mitgeschleift haben. Danach soll er geflüchtet sein.
Info: Macht Geld doch glücklich?
Vermögen Wohlhabende und Millionäre sind glücklicher mit ihrer Familiensituation, mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben insgesamt – zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung aus dem vergangenen Jahr.
Einkommen Die alte Weisheit, dass Geld nicht glücklich macht, trifft zwar bei den Einkommen zu, aber nicht beim Vermögen, zu dem die Menschen im Laufe des Lebens kommen. Darin liegt für die Reichen wohl doch eine Glücksquelle.