Die Waiblingerin Aska Fox arbeitet seit etwa zweieinhalb Jahren als Domina. Foto: /Gottfried Stoppel
Aska Fox verdient ihr Geld damit, anderen Schmerzen zuzufügen. Sie ist Domina. Wie läuft eine Session ab? Wer sind ihre Kunden? Ein Blick durchs Schlüsselloch.
Es ist ein unscheinbares graues Kästchen, das Aska Fox aus ihrem kleinen Reisekoffer nimmt. An der Unterseite sind zwei Klinken angebracht, aus jeder ragt ein Kabel, auf dessen Ende Aska Fox jeweils ein Klebepflaster steckt. Es handelt sich um ein sogenanntes Tens-Gerät. Einige werden es aus der Krankengymnastik kennen: Über die Elektroden überträgt die Apparatur elektrische Impulse auf die Haut, stimuliert die Nervenbahnen und kann so Rückenschmerzen oder Verspannungen lindern.
Aska Fox benutzt das Gerät ein wenig anders: Sie fügt anderen Menschen Schmerzen zu. Und sie verdient damit ihr Geld. Aska Fox ist nämlich Domina. Sie bietet ihren Kunden gegen Bezahlung sadomasochistische Praktiken an, auch als „BDSM“ bekannt. Auch wenn es in der Regel nicht zu Geschlechtsverkehr kommt, gilt die Tätigkeit einer Domina laut Prostitutionsgesetz als Sexarbeit.
Domina Foto: Gottfried Stoppel
Aska Fox arbeitet inzwischen seit etwa zweieinhalb Jahren in diesem Beruf. Für ihre Sessions mietet die Waiblingerin zumeist Räume in einem Stuttgarter Studio. Aska Fox ist ihr Künstlername. Die 40-Jährige will anonym bleiben. Nicht, weil sie etwas zu verheimlichen hätte, sagt sie, sondern um ihre Privatsphäre zu schützen.
Das BDSM-Studio der Domina: Eine Welt voller Käfige und Masken
Es ist eine andere Welt, in der Aska Fox arbeitet. Eine schwere Stahltür, an der die Domina ihre Gäste in der Regel empfängt, trennt das Studio vom Treppenhaus. Sobald die Tür von innen ins Schloss fällt, ist man wie abgeschnitten von allem, was draußen passiert. Der Boden des Eingangsbereichs ist pechschwarz, die Wände sind in einem dunklen Rot gestrichen. In der Ecke steckt ein Metallständer, auf dem schwarze, blickdichte Masken hängen, in denen ein menschlicher Kopf vollständig verschwindet. Wer zu den Räumen will, geht an diversen Käfigen aus Stahl vorbei; in manchen kann ein durchschnittlich großer Mann gerade mal aufrecht stehen, in anderen nur knien. An jeder der handgelenkdicken Stangen kann ein Mensch angebunden werden.
Auch die Räume sind gänzlich von außen abgeschirmt. Es gibt keine Fenster, an den roten und grauen Wänden und Decken sind große Spiegel angebracht. Überall stehen Apparaturen, die eigens für die BDSM-Studios gebaut werden: Sessel mit gespreizter Sitzfläche, über denen ein Stahlseil mit einem handgroßen Haken aus der Decke ragt. Gestelle, die stark an einen gynäkologischen Stuhl erinnern. Käfige, die denen in den Gängen ähneln. An den Wänden hängen unter anderem: ein Teppichklopfer aus Holz, Peitschen aus Leder und eine Gerte mit einem Pferdekopf. Aska Fox nimmt die Gerte aus der Halterung, schlägt sich damit auf die Hand und trägt das lederne Teil fortan wie selbstverständlich mit sich herum.
Vom bizarren Erotiker bis zum Hardcore-Masochisten erlebt die Domina alles
„Was möchtest du erleben?“, ist die erste Frage, die Aska Fox ihren Kunden stellt. Vor jeder Session gibt es ein Vorgespräch, danach eine kurze Nachbereitung. Das gehöre zum Handwerk, alle Kolleginnen machten dies. „In meinem Job ist es sehr wichtig, dass ich verstehe, was für ein Mensch vor mir sitzt und welchen Film er im Kopf hat“, sagt Fox. „Es gibt ja extrem viele Facetten von Erotik. Das geht vom bizarren Erotiker, der zum Beispiel nur verbal gedemütigt werden möchte, bis zum Hardcore-Masochisten.“
Das Gespräch kann 30 Sekunden oder auch mal 20 Minuten dauern – je nachdem, welche Bedürfnisse der Kunde mitbringt und wie oft er schon da war. Gerade am Anfang seien die Gespräche oft länger, weil auch die Tabus beider Parteien besprochen werden müssen. Aska Fox zieht ihre Grenze bei jeglicher Form von Intimkontakt, bei Anal-, Oral- und Geschlechtsverkehr sowie bei allem, was bleibende Schäden verursacht oder ein entsprechendes Risiko mit sich bringt.
Als Domina nimmt Aska Fox viele Rollen ein
In ihrem Beruf nimmt Aska Fox Rollen ein, die sich aus den Fantasien derjenigen speisen, die vor ihr sitzen. „Dein Schmerz ist meine Lust“, ist der Slogan, der groß auf ihrer Webseite steht. Ihre Kunden bilden einen Querschnitt der Gesellschaft ab, sagt sie. „Ab 18 natürlich.“ Nur eins haben sie gemeinsam: Es sind zu 98 Prozent Männer.
Als Domina ist Aska Fox also in erster Linie Dienstleisterin. Davon kann sie gut leben, wie sie selbst sagt. Wie viel genau eine Stunde bei ihr kostet, hängt von den Wünschen des Kunden ab. Als Mindestpreis für einen Erstbesuch gibt sie auf ihrer Webseite 300 Euro für eine Session an.
Von der Immobilienmaklerin zur Domina
Dass die heute 40-Jährige einmal als Domina ihr Geld verdienen würde, war keinesfalls klar. Denn zunächst studiert Aska Fox Medienmanagement, später arbeitet sie als Immobilienmaklerin. Aber sie fühlt sich unwohl in ihrer Arbeit. Also entscheidet sie sich, ihr Hobby zum Beruf zu machen. So erzählt sie es. „Ich war schon immer mit der Szene verbunden“, berichtet die Waiblingerin. Sie habe lange als Tänzerin gearbeitet und sich so das Studium finanziert. „Dann habe ich gedacht: Komm, mach doch einfach das im Leben, was dir Spaß macht – und mir die Chance gegeben“.
Aska Fox lässt sich also zur Domina weiterbilden – wobei es eine klassische Ausbildung zum Beruf nicht gibt. Vielmehr bieten einige Kolleginnen Schulungen an, bei denen sie ihre Kenntnisse weitergeben. Diese können nur ein paar Tage, aber auch mehrere Monate dauern. Eine solche nahm auch Aska Fox in Anspruch. Natürlich bringe man auch seine eigene, private Erfahrung in den Beruf mit. „Aber dort habe ich viele Dinge gezeigt bekommen, die ich vorher noch nicht gemacht hatte“, berichtet die Waiblingerin. Ihr nahes Umfeld habe darauf sehr offen reagiert, manche hätten sogar fast schon damit gerechnet. „Die Leute, die mich kennen, wissen ja, wie ich bin“, sagt sie. Für ihre Familie war es dennoch eine Überraschung – schließlich hatte sie zunächst studiert – aber auch dort sei ihre Berufswahl immer akzeptiert und nie kritisch beäugt worden.
Gemeinderätin und Domina zugleich – geht das?
Aska Fox geht offen mit ihrem Beruf um. „Ich mache ihn nicht selbst zum Thema, aber wenn jemand fragt, dann bin ich schon ehrlich.“ Die Leute seien dann meist überrascht, negative Reaktionen habe sie aber noch nie erlebt. Auch nicht als Gemeinderätin im Rems-Murr-Kreis. Das Gremium wisse Bescheid, Diskriminierungen habe sie aber keine erfahren.
„Natürlich weiß ich nicht, was die Leute im Nachhinein reden“, sagt sie, aber das sei ihr egal. Zumal viele keine genaue Vorstellung von ihrer Tätigkeit hätten. „Mir ist wichtig, was mir gespiegelt wird.“ Dass ihre Arbeit als Domina nicht jedem gefällt, damit kann sie leben. Schließlich sei alles legal und einvernehmlich. Aber ihr ist wichtig, dass sie und ihre Kolleginnen auch zur Gesellschaft gehören: „Wir brauchen uns nicht zu schämen oder zu verstecken.“
BDSM und Einvernehmlichkeit
Der Begriff „BDSM“ ist ein mehrschichtiges Akronym, der verschiedene Sexualpraktiken umfasst, die dem Sadomasochismus zuzuordnen sind.
Er setzt sich aus den englischen Begriffen „Bondage & Discipline, Dominance & Submission sowie Sadism & Masochism“ zusammen.
Gemeint sind sexuelle Interaktionen, bei denen Dominanz und Unterwerfung, gezielte Bestrafung, lustvoll empfundener Schmerz sowie Fesselspiele eine Rolle spielen.
BDSM-Praktiken finden einvernehmlich statt. Es handelt sich um bewusste Rollen- und Machtspiele, Konsens und Vertrauen spielen eine zentrale Rolle.
Hinweis:
Ein TENS-Gerät sollte nicht ohne ärztliche Rücksprache eingesetzt werden, insbesondere nicht bei Schwangeren, Herzschrittmacher-Trägern oder Epileptikern.