1. Hauptradroute 2 zwischen Hedelfingen und S-Ost Drei Kilometer lang ist der Abschnitt der Hauptradroute 2 entlang der Ulmer und Hedelfinger Straße zwischen Hedelfingen und Stuttgart-Ost, um den jahrelang gerungen wurde – unter anderem wegen wegfallender Parkplätze. Beschlossen ist das Zwölf-Millionen-Euro-Projekt seit Mai 2019, fertig sein sollte es 2021. Das hat nicht geklappt, denn die Stadt steckt nach wie vor im zweiten von drei Bauabschnitten, laut dem Sprecher Oliver Hillinger noch bis Sommer 2025.
„Die Arbeiten für den dritten Bauabschnitt zwischen Wangen und S-Ost sollen im Frühjahr 2026 beginnen und dauern voraussichtlich bis Ende 2027“, teilt der Stadtsprecher Hillinger mit. Und wie erklärt man sich diese Verzögerung von mehr als sechs Jahren? „Mit der Umsetzung der Hauptradroute 2 wurden weitere Fahrbahn- und Gehwegerneuerungen ausgeführt“, so der Sprecher. „Dadurch hat sich der Umfang des Projektes erhöht.“ Hinzu komme: Eigentlich hätte bereits 2025 ein Teilabschnitt der Hauptradroute 2 gemeinsam mit der Wasserstoffleitung H2Genesis gebaut werden sollen. „Durch die geänderte Trassierung der Wasserstoffleitung ist dies nicht mehr geplant“, sagt Hillinger: „Allerdings muss das Bauablaufkonzept für die Hauptradroute daher neu entwickelt werden.“
2. Pop-up-Radweg durch Kaltental Fragt man den Radentscheid-Mitgründer Thijs Lucas, was in den vergangenen fünf Jahren in Stuttgart Positives im Bereich Radverkehr passiert sei, fällt ihm nur ein einziges Beispiel ein: Kaltental im Stadtbezirk Süd. Der Pop-up-Radweg entlang der Böblinger Straße sei „qualitativ hochwertig“ und innerhalb von kurzer Zeit entstanden. Auch für die Stadt steht fest, dass dieser sein Hauptziel erfüllt habe: nämlich die Sicherheit der Radfahrer zu verbessern. Zuvor habe es „eklatante Regelverstöße durch die Nichteinhaltung des gesetzlichen Überholabstands gegeben“, heißt es.
Seit Sommer 2022 gibt es diesen Pop-up-Radweg zwischen den Haltstellen Waldeck und Kaltental. 600 Meter lang, 25 Höhenmeter Gefälle, beidseitig der Straße. Rund 2000 Radfahrer nutzen, laut Verkehrsplaner, an dieser Stelle täglich die Hauptradroute 1, an Spitzentagen sind es noch mehr. Rund 100 Parkplätze fielen seinerzeit für die Einrichtung der beiden Schutzstreifen weg.
Damals kam es zu massiven Protesten – vor allem von Gewerbetreibenden, die fürchteten, dass Kunden aufgrund der Parkplatz-Reduzierung nicht mehr kommen. Unterdessen sagt Stefan Böhm, Geschäftsführer des Garten- und Landschaftsbaubetriebs Blattwerks an der Böblinger Straße: „Wir möchten den Radweg nicht mehr missen.“ Man könne sich heute kaum mehr vorstellen, wie „gefährlich und konfliktreich“ die Situation zuvor war. Sein Betrieb habe 2022 einen Kundenstellplatz auf dem eigenen Grundstück eingerichtet. Die Mitarbeitenden nutzten vor allem Fahrräder, sagt Böhm. Ihm sei bewusst, dass der Wegfall von Parkplätzen andere härter getroffen habe, „aber wir halten die Verkehrswende für dringend notwendig und sehen den Radweg als positiven Schritt in die richtige Richtung“.
Allerdings: Ob dieser Radweg bleibt, ist nicht sicher. Denn nun soll noch einmal evaluiert werden, wie sich die Situation nach zwei Jahren für alle Betroffenen im Stadtteil zeigt. Eigentlich hätte diese Befragung noch 2024 beginnen sollen, nun heißt es, dass von Mitte Januar bis Anfang Februar 2025 Anwohner sowie Menschen, die diese Strecke nutzen, online unter stuttgart-meine-stadt.de ihre Einschätzung abgeben können. Parallel sollen Gewerbetreibende befragt werden, zudem würden bereits Stellungnahmen von Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei, ADFC und Verkehrsüberwachung eingeholt. Danach geht das Ganze in den Bezirksbeirat sowie in den Gemeinderat. Anschließend könnten Verbesserungen geplant und das Ganze „in eine Dauerlösung überführt werden“, heißt es von der Stadt.
3. Umweltspur in Bad Cannstatt Eigentlich hätte sie 2024 umgesetzt werden sollen – die sogenannte Umweltspur. Radlern und Bussen wurde eine eigene Spur auf der König-Karl-Straße in Bad Cannstatt versprochen, für Autos fällt eine weg. Letzteres führte zu Kritik im bürgerlichen Lager, vor allem von der CDU, die einen „Verkehrsinfarkt“ prognostizierte. Laut dem Vorsitzenden des ADFC-Kreisverbands handelt es sich dabei um „keine aufwendige Maßnahme“. Es brauche nur etwas Farbe, Schilder – und guten Willen, sagte Tobias Willerding. Doch laut Stadt habe sich dieses Projekt „durch die Koordination mit anderen Baustellen verzögert“, sodass eine Realisierung erst im Frühjahr 2025 beginnt.
Es handelt sich dabei übrigens um einen Verkehrsversuch. Nach einem Jahr soll Bilanz gezogen werden. Herausfinden will man unter anderem, ob die Busse dadurch schneller vorankommen und die Sicherheit für Radfahrer erhöht wird. Denn knapp 20 Unfälle wurden an der Einmündung Kleemannstraße/König-Karl-Straße in den vergangenen fünf Jahren registriert. Generell habe die Stadt das Ziel, die Hauptradroute 1 zwischen dem Mineralbad Leuze und Fellbach stadtein- und stadtauswärts zu einer Radschnellverbindung auszubauen, heißt es.