Auch mit schamanischen Ritualen wird mitunter Heilung versprochen. Foto: imago//imageBROKER/Juanma Cuevas
Der Markt für Wunderheiler, Esoteriker und Coaches boomt. Mitunter finden sich dort Angebote, bei denen Kunden abgezockt und von echter Heilung abgehalten werden. Expertin Sarah Pohl erklärt, wie man verhindert, darauf reinzufallen.
Wer psychisch oder gesundheitlich belastet ist, holt sich Hilfe – das ist soweit völlig normal. Aber immer öfter geraten Menschen dabei an Leute, die für diese Hilfe nicht ausgebildet sind und trotzdem viel Geld dafür verlangen, mitunter psychische Abhängigkeiten erzeugen. Das geht aus dem aktuellen Bericht des baden-württembergischen Landtags „für gefährliche religiös-weltanschauliche Angebote“ hervor. Es geht darin um Sekten, radikale christliche Gruppierungen und Verschwörungstheorien. Aber während die Anfragen zu diesen Gruppen stagnieren oder abnehmen würden, gebe es vor allem um dubiose Coaches, Wunderheiler und Esoteriker einen Boom, wie Sarah Pohl von der Beratungsstelle Zebra BW erklärt. Warum das so ist und wie man die harmlosen von den problematischen Angeboten unterscheiden kann, erklärt Pohl im Interview.
Frau Pohl, viele Menschen fühlen sich wohl mit den Angeboten aus dem Esoterik- und Coaching-Bereich. Was ist problematisch an ihnen?
Wenn ich mich weiterentwickeln möchte und Lust habe auf ein bisschen Selbsterfahrung, kann man sich da auch mal umgucken. Es gibt Situationen, in denen kann ein Coaching prima sein und es sei auch jedem unbenommen, sich am esoterischen Markt umzugucken. Aber es gibt Alarmzeichen, auf die man achten sollte: Wie qualifiziert ist eigentlich der Anbieter? Werde ich dazu gedrängt, schnell etwas zu unterschreiben – und wie leicht komme ich da auch wieder raus? Auch sogenannte Immunisierungsstrategien sind ein Alarmsignal. Da heißt es bei Erfolg: Das ist mein Coaching. Und bei Misserfolg: Du bist nicht offen genug. Wenn etwas nicht klappt, ist es also immer dein eigener Fehler.
Manchmal gibt es auch Schweigegebote: Man darf mit niemanden darüber reden, was man in den Sitzungen erlebt hat. Auch gibt es oft einen Universalanspruch. Da sagt jemand: Ich kann mit jedem Problem dealen. Dazu wird die Schuld häufig nach außen delegiert: Schuld ist deine Mutter, deine Kindheit, irgendwelche unaufgelösten Traumata, oder der Ex-Partner war Narzisst. Das holt Menschen ab, die keine Lust haben auf eine Auseinandersetzung mit sich und ihren eigenen Anteilen an einem Problem.
Welcher Schaden entsteht dadurch?
Wir haben einige Paare begleitet, die sich getrennt haben, weil der Mann oder die Frau Unsummen ausgegeben und dann beschlossen haben, dass der Partner an allem schuld ist. Man lernt also einerseits Vermeidungsstrategien, in dem man die Schuld nach außen delegiert, löst aber keine Probleme. Andererseits gibt es eben die monetären Aspekte: Unseriöse Coaches halten Menschen oft in einer Abhängigkeit und verhindern, dass man seine Sachen selbst in die Hand nimmt. Das wird oft auch teuer, weil der Prozess immer weitergeht und man weiter zahlen muss. Viele geraten zudem in soziale Isolation, entweder weil sie sich selbst distanzieren oder ihr Umfeld.
Was sind die Gründe dafür, dass sich Menschen mehr an solche Angebote wenden?
Sie bieten Zeit und Erreichbarkeit, man kriegt meistens schnell einen Termin. Und sie geben einem dieses Gefühl, dass sie verstehen was los ist.
Sarah Pohl von der Beratungsstelle Zebra BW Foto: dpa/Philipp von Ditfurth
Was könnten Anbieter von professionellen Hilfsangeboten daraus lernen?
Wir bräuchten eine schnellere Versorgung. Wir hören immer wieder von Menschen, die an unseriöse Anbieter geraten sind, dass sie erst mal sehr lange keine Termine bei Therapeuten bekommen haben und dann halt irgendwo hingegangen sind. Es bräuchte auch sogenannte Clearing-Stellen, die der Suche nach guten Ansprechpartnern unterstützen. Denn vielen Menschen ist nicht klar, was eigentlich ein Heilpraktiker für Psychotherapie, ein Heiler oder ein Coach ist und was wie viel taugt.
Die Beraterin
Job Sarah Pohl leitet die Beratungsstelle Zebra BW in Freiburg. Sie ist ausgebildete systemische Paar- und Familienberaterin sowie Heilpraktikerin für Psychotherapie.
Beratung Zebra BW berät unter anderen zu Verschwörungstheorien, Esoterik und Alternativmedizin, Sekten sowie Glaubensangebote. Ziel sei es nicht, Betroffene zu verstehen und nicht ihre Ansichten zu korrigieren oder verurteilen, heißt es, sondern Perspektiven zu erweitern. Die Beratungen unterliegen der Schweigepflicht.