Edel-Italiener in Sillenbuch Sardinien statt Stuttgart: Warum das Bianco e Nero geschlossen hat

Carlo Casorati und seine Frau Agnieszka haben sich für ein anderes Leben entschieden – auf Sardinien. (Archivbild) Foto: Caroline Holowiecki

Stammgäste waren informiert, die Vorbereitungen liefen im Hintergrund: Die Betreiber des Bianco e Nero in Sillenbuch haben nach 21 Jahren zugemacht – und sind ausgewandert.

Carlo Casorati kann noch immer nicht richtig glauben, dass er nicht mehr in Sillenbuch lebt. „Ich habe es noch gar nicht realisiert, es ist eine komplett andere Welt“, sagt er am Telefon. Am 12. April um 7.20 Uhr morgens sind er, seine Frau, die beiden gemeinsamen acht- und vierjährigen Kinder und der Familienhund in ihrem Auto von der Fähre gerollt – in ihr neues Leben. Die Betreiber des Sillenbucher Restaurants Bianco e Nero sind nach Sardinien ausgewandert. Am 26. März hatten sie den letzten Arbeitstag im Lokal. Nur Tage später haben sie Deutschland den Rücken gekehrt.

 

„Es war genug, wir haben uns für ein anderes Leben entschieden. Ich habe 42 Jahre in der Gastro gearbeitet.“

Carlo Casorati,Gastronom

Ganze 21 Jahre lang gab es den Edel-Italiener, der sich mit gehobenen Speisen einen Namen gemacht hat. Erfolgreich, wie Carlo Casorati betont. „Wir hatten genug Arbeit.“ Wirtschaftliche Gründe habe das Aus nicht gehabt. Vielmehr sei schlichtweg die Luft raus gewesen. „Es war genug, wir haben uns für ein anderes Leben entschieden“, sagt der 57-Jährige. Die Arbeit in der Branche sei anstrengend, „ich habe 42 Jahre in der Gastro gearbeitet“. Der Entschluss, sich anders zu orientieren, sei schon vor einer Weile gefallen. Die Stammgäste hätten gewusst, dass ein Nachfolger fürs Lokal gesucht werde.

Immobilienbranche statt Gastronomie

Für Sardinien hat die Familie sich entschieden, weil die italienische Insel die Wahlheimat von Carlo Casoratis Eltern ist. Der Vater Salvatore Fratantonio betreibt im Urlaubsort San Teodoro ein Büro, das sich auf den Verkauf, die Vermietung und die Verwaltung von Immobilien spezialisiert hat. Dort werden die Auswanderer nun einsteigen. „Jetzt muss ich mich natürlich in meinen Job einfinden“, sagt Carlo Casorati, „das tolle Wetter und das Meer sind eine Hilfe.“

Für den Gastronomen ist das Ganze eine 180-Grad-Wende. Der Wirt hat viele Jahre in Sillenbuch zum Inventar gehört. Das Eiscafé Timone, nur einen Steinwurf vom Bianco e Nero entfernt, hatten seine Eltern 1984 eröffnet und bis 2006 geführt. Der Sohn, ein gelernter Eiskonditormeister, machte dort mehr als 20 Jahre lang kalte Desserts, aber er kochte in der kleinen Küche auch.

Schwarz-Weiß war das Motto im Bianco e Nero

Seinen Traum vom eigenen Restaurant hat Carlo Casorati sich schließlich 2005 erfüllt. Der Look: schwarze Möbel, weiße Tischdecken, dazu 120 Bilder an der Wand, die Schauspieler der Dolce-Vita-Ära und Paparazzi-Schnappschüsse von italienischen Stars zeigen. Alle in Schwarz-Weiß, bianco e nero.

Das Lokal wurde bereits neu vermietet, das Inventar ist verkauft. Carlo Casorati berichtet von einer vietnamesischen Familie, die Speisen aus ihrer Heimat und Sushi anbieten wolle. Anfang, Mitte Mai, je nach Umbau, werde es im Restaurant im Zentrum von Sillenbuch weitergehen. Er selbst will vorerst nicht in die Gastronomie zurückkehren. „Das ist komplett ausgeschlossen momentan“, sagt er. Gekocht werde nur privat, doch „ich habe das Glück, dass zweimal am Tag gegessen wird“.

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