Ehrenamt am Limit Silvesterlauf Weilimdorf feiert Rekorde – die Zukunft ist aber ungewiss

Teilnehmer-Rekord beim Stuttgarter Silvesterlauf: Insgesamt machten sich 1719 Laufbegeisterte auf die Strecke zwischen Löwenmarkt und Fasanengarten. Foto: Andreas Gorr

Es passt alles beim Stuttgarter Silvesterlauf: Die Sonne strahlt, es werden fünf Bestmarken aufgestellt – jedoch haben die Organisatoren große Sorgen für 2026.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Rekordflut beim Stuttgarter Silvesterlauf in Weilimdorf: Die Veranstalter freuten sich über die neue Bestmarke bei den Teilnehmern – insgesamt 1719 Laufbegeisterte nahmen an der 33. Auflage der Veranstaltung teil. Zudem bescherten die Sieger des Hauptlaufes über 11 Kilometer sowie des Hörnleshasenlaufs (5,5 km) insgesamt vier neue Zeitbestmarken.

 

Im Hauptlauf triumphierte Lorenz Baum (LAV Stadtwerke Tübingen) bei seinem zehnten Start zum neunten Mal, er verbesserte seinen Streckenrekord von 33:30 Minuten um satte 21 Sekunden. Bei den Frauen freute sich Vereinskollegin Antonia Schiel über ihren Sieg samt Streckenrekord in 37:02 Minuten. Die bisherige Topmarke hielt Kira Weis (Gerlingen) in 37:12 Minuten.

Läufer stellen vier Rekorde auf

„Ich war besser drauf als beim Sieg 2024“, sagte der 35 Jahre alte Baum, „ich konnte auf der zweiten Runde richtig Druck machen – ich bin zufrieden.“ Schiel, die zum ersten Mal in Weilimdorf gestartet ist, hatte sich erst am Tag zuvor entschieden, „an Silvester ein bisschen Tempotraining zu machen und die gute Stimmung entlang der Strecke mitzunehmen“. Den alten Rekord kannte die 27-Jährige nicht, den holte sich sich als Zugabe. „Heute Abend kann ich das alles entspannt mit meinem Freund feiern“, sagte sie.

Zehn Starts in Weilimdorf – neun Siege: Lorenz Baum von LAV Stadtwerke Tübingen Foto: Andreas Gorr

Die Temperaturen von knapp über null Grad waren zwar nicht unbedingt nach dem Geschmack der Läufer, doch das muss jeder bei einem Silvesterlauf einkalkulieren. Die traditionelle Strecke zwischen Löwenmarkt und Fasanengarten war zwar an einigen Stellen tückisch, weil rutschig, aber insgesamt lobten die Teilnehmer die Organisation – egal ob Dauerstarter wie Lorenz Baum oder Debütanten wie Antonia Schiel.

Erster Start in Weilimdorf – erster Sieg: Antonia Schiel von LAV Stadtwerke Tübingen Foto: Andreas Gorr

Die Veranstalter um Chef-Organisator Janushan Chandrabalu hatten allen Grund zur Freude. Die Bestmarke von 1350 Teilnehmern im vergangenen Jahr noch einmal mit 1719 deutlich getoppt, dazu vier Streckenrekorde – und zahlreiche Zuschauer, die für viel Stimmung sorgten. „Es war alles perfekt, auch das Wetter“, freute sich Chandrabalu. Doch der Himmel über Weilimdorf war an diesem Silvesternachmittag ein Sinnbild für die Zukunft des Laufes – die strahlende Sonne wurde nach und nach durch Wolken getrübt. Die Erhöhung der Auflagen beschert den veranstaltenden Weilimdorfer Vereinen SG und TSV Personalnot. So mussten an allen Straßenkreuzungen Absperrzäune aufgestellt werden, wo bislang ein Absperrband genügte; zusätzliche Arbeit für die rund 130 Helfer. Um 9 Uhr hatte der Aufbau begonnen, erst gegen 18 Uhr war der Abbau beendet. „Es werden jedes Jahr neue Auflagen auferlegt“, klagte Helferin Tanja von der SG Weilimdorf.

Auch Verena Vogt von der SG, die per Fahrrad die Streckenposten kontrollierte und bei Problemen half, äußerte sich kritisch. „Die Helfer sind viele Stunden bei dieser Eiseskälte im Einsatz“, sagte sie, „der Aufwand, den wir leisten, wird immer größer.“ Dabei sind sich viele Freiwillige einig, nicht immer sei der Sinn der neuen Auflagen erkennbar. Die unglückliche Gemengelage führt zur gefährlichen Konsequenz: Es wird immer schwieriger, zusätzliche Helfer für den Silvesterlauf zu rekrutieren. „Die jungen Leute wollen nicht so lange arbeiten – sie gehen lieber feiern“, sagt Tanja.

Helferinnen der SG Weilimdorf an einer Absperrung: Nicole, Tanja und Verena (v. li.). Foto: Andreas Gorr

Dunkle Wolken ziehen auf über Weilimdorf für Silvester 2026. „Wir sind uns dieser Probleme bewusst und werden uns in den Vereinen zusammensetzen und reden“, sagte Chandrabalu, „ob wir dieses Engagement noch stemmen können.“ Danach wollen sich die Macher mit den Verantwortlichen der Stadt Stuttgart unterhalten. Die Traditionsveranstaltung hat Corona überwunden, sie erfreut sich steigender Beliebtheit bei Läufern und Zuschauern – es wäre ein Tiefschlag für alle Beteiligten, wenn der Weilimdorfer Rekord-Silvesterlauf mit seiner 33. Auflage der letzte gewesen wäre.

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