Insgesamt sind es vonseiten der Württembergischen Sportjugend zehn Ausgezeichnete, sie gehören dazu: Alexander Schmidt und Rahma Bouteldji. Foto: Torsten Schöll
Alexander Schmidt und Rahma Bouteldji werden sie für ihren Einsatz im Inklusionsfußball beim TSV Musberg beziehungsweise im Schwimmverein muslimischer Frauen Stuttgart ausgezeichnet.
Torsten Schöll
20.05.2026 - 07:00 Uhr
Alexander Schmidt ist „Trainer, Organisator, Teambetreuer, Medizinmann, einfach alles“, wie er selbst schmunzelnd erzählt. „Alles“ heißt: für alles zuständig bei der Inklusions-Fußballmannschaft des TSV Musberg. Unterstützt wird er bei seiner Arbeit von weiteren fünf Trainern. „Neuerdings haben wir auch ein inklusives Mädchen-Team“, berichtet der 54-Jährige. Die zwei männlichen Formationen spielen in der 2023 gegründeten Unified-Liga, in der inklusive Mannschaften aus der Region Stuttgart und darüber hinaus gegeneinander antreten.
Schmidt lebt mit seiner Familie in Wernau, wo er bis 2017 bereits als Jugend- und Spielleiter aktiv war. Die Behinderung eines seiner zwei Söhne führte ihn dann zum TSV Musberg, wo Marco Pisacreta, ein ebenfalls gehandicapter Freund seines Sohnes, vor acht Jahren begonnen hatte, eine inklusive Fußballmannschaft zu gründen.
„Marco hatte in und um Stuttgart bei zehn Vereinen angefragt, ob Interesse an inklusivem Fußball besteht“, sagt Schmidt. Der TSV Musberg sei der einzige Club gewesen, der zusagte. So seien sie in den Leinfelden-Echterdinger Teilort gekommen – der Sohn, um Teil der Mannschaft zu werden, der Vater, um im Verein mitzuhelfen. „Und dann“, erzählt Schmidt, „wurde aus dem Helfen immer mehr.“
Die Arbeit am Aufbau einer Inklusions-Fußballmannschaft, in der gehandicapte Spieler mit solchen ohne Handicap zusammenspielen, trug Früchte: „Angefangen haben wir mit 13 Spielern, inzwischen sind wir 40 Fußballer und Fußballerinnen im Alter zwischen 14 und 34 Jahren“, sagt Schmidt. Das Mädchen-Team sei für Turniere zuletzt bis nach Essen und Frankfurt gereist. Nebenbei rückt Schmidt in Musberg das Thema Kinder- und Jugendschutz in den Fokus der Aufmerksamkeit.
Viel ehrenamtliches Engagement also. Und das ist der Württembergischen Sportjugend (WSJ), der Jugendorganisation des Württembergischen Landessportbundes, die Auszeichnung „Vorbild des Jahres 2025“ wert. Der Preis, der seit 2005 für herausragendes ehrenamtliches Engagement im Jugendsport verliehen wird, geht auch in diesem Jahr an insgesamt zehn Personen aus ganz Baden-Württemberg. „Wir gehen dabei in Abstimmung mit den Verbänden in Baden über unsere Verbandsgrenzen hinaus“, erklärt dazu Bernd Schäfer, Sportjugendreferent des WSJ. Die hochgradig besetzte Jury konnte in diesem Jahr aus 167 Vorschlägen auswählen. Dotiert ist der Preis mit jeweils 1000 Euro. Zudem erhalten die „Vorbilder des Jahres“ eine Urkunde und die Trophäe „Viktor“.
Zur Jury gehörte unter anderen Theresa Schopper, bisherige Landesministerin für Kultus, Jugend und Sport. Foto: Bernd Weißbrod/dpa
Zu den Ausgezeichneten gehört in diesem Jahr auch die 23-jährige Rahma Bouteldji aus Stuttgart. Die junge Muslimin ist seit mehreren Jahren Jugendbeauftragte beim Schwimmverein muslimischer Frauen Stuttgart, der in Untertürkheim und Sonnenberg Schwimmkurse speziell für muslimische Mädchen, Frauen und Jungen bis zu einem Alter von sechs Jahren anbietet.
„Die Nachfrage an Schwimmkursen für muslimische Mädchen und Frauen ist sehr groß“, sagt Bouteldji. Der Stuttgarter Verein, der inzwischen über 600 Mitglieder habe, besteht seit 25 Jahren. „Wir bieten neben den Schwimmkursen auch Aqua-Dance und Wassergymnastik an und wollen jetzt auch einen speziellen Kraulkurs ins Programm aufnehmen“, sagt Bouteldji. Ihre Aufgaben als Jugendleiterin umfassen die inhaltliche Planung ihrer Kurse über die Einteilung der Gruppen bis hin zur Aufsicht am Beckenrand.
Rahma Bouteldji: die Möglichkeit, Grenzen zu erweitern
Aber eben nicht nur: Seit einigen Jahren organisiert Bouteldji auch die Kinder- und Jugendfreizeiten des Vereins. „Die Mädchen können dort neue Dinge ausprobieren und ihre Grenzen erweitern“, sagt die junge Frau. Wandern, Wasserski, Schwimmen im offenen Gewässer – nicht jeder habe in den Familien die Möglichkeit, so etwas zu machen.
Die Vereinsarbeit zeigt Wirkung, sagt die ausgebildete Pflegefachfrau. Aus anderen Städten, in denen es bislang keinen Schwimmverein für Musliminnen gibt, kämen inzwischen Beratungsanfragen. Bouteldjis neuestes Projekt: Kickboxen für muslimische Mädchen. In Zusammenarbeit mit einer Freundin hat sie dieses neue Angebot im Verein etabliert. „Für mich“, sagt sie, „ist Familie das Wichtigste, und der Verein ist inzwischen wie eine Familie für mich.“
Wettbewerb Seit 2005 würdigt die Württembergische Sportjugend jährlich zehn Ehrenamtliche, die sich in den Sportvereinen im Ländle um den Kinder- und Jugendsport verdient gemacht haben. Heuer hat es 167 Bewerbungen gegeben. Die Auszeichnung ist mit jeweils 1000 Euro dotiert
Gewinner Außer Alexander Schmidt und Rahma Bouteldji gehören in diesem Jahr zu den Geehrten: Kornelia Dürr (TC Talheim, Tennis), Caroline Geng (TSG Wilhelmsdorf), Jonas Lingel (TSV Ellwangen), Magnus Pinnekamp (Hockey-Club Tuttlingen), Sanket Sahoo (SV Böblingen), Heidi Schmid (TV Spaichingen), Eberhard Wenzelburger (SV Ingersheim) und Patrick Zirn (Skizunft Kornwestheim).
Jury Der Jury, die unter den Bewerbungen ausgewählt hat, gehörten folgende Personen an: Sonja Carle (Vorsitzende der Württembergischen Sportjugend), Manfred Lucha (bisher Minister für Soziales, Gesundheit und Integration des Landes Baden-Württemberg), Matthias Neth (Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg), Renate Riek-Bauer (Volleyball-Rekordnationalspielerin), Elke Rutschmann (Sportjournalistin und Vorsitzende des Frauenbeirats im Vorstand des Württembergischen Landessportbundes), Theresa Schopper (bisher Ministerin für Kultus, Jugend und Sport des Landes Baden-Württemberg), Andreas Wagner (Präsident der Deutschen Eislauf-Union).