Die Leserinnen und Leser entscheiden: Wer bekommt den Ehrenamtspreis? Die Online-Abstimmung startet am 24. Januar. Bis zum 2. Februar kann man mitmachen.
Beeindruckend ist das Engagement all jener Menschen, die sich in ihrer Freizeit um die Belange ihrer Mitbürger und der Allgemeinheit kümmern. Wie vielfältig diese Aktivitäten sind, wie kreativ manches Ehrenamt ausgefüllt wird, hat die Ausschreibung zur Auszeichnung Stuttgarterin/Stuttgarter des Jahres 2025 erneut gezeigt.
Die Stuttgarter Zeitung, die Stuttgarter Nachrichten sowie die Volksbank Stuttgart, die das Preisgeld von 15 000 Euro bereitstellt, hatten im Herbst um die Bewerbungen gebeten – und die kamen wieder zahlreich. Die sechsköpfige Jury hatte alle Mühe, unter den 55 Einsendungen neun Kandidaten und Kandidatinnen für das Online-Voting zu bestimmen, an dem Sie liebe Leserinnen und Leser, bis zum 2. Februar teilnehmen können. Daneben hat die Jury einen Sonderpreis sowie einen Preis für das ehrenamtliche Engagement von Schülern an Stuttgarter Schulen bestimmt – zwei Preise, die nicht zur Abstimmung stehen. Alle Preisträger werden beim Festakt am 19. März in der Volksbank Stuttgart bekannt gegeben. Die drei Bestplatzierten erhalten ein Preisgeld von jeweils 3000 Euro. Derselbe Betrag wird auch für den Sonderpreis der Jury und für den Schülerpreis vergeben.
Und das sind die neun nominierten Projekte, über die Sie abstimmen können:
Die helfende Hand
Viktoria Stalter ist in der „Wasenboje“ zugegen, wenn auf dem Wasen gefeiert wird. Frauen machen dort inmitten des ausgelassenen Treibens oft negative Erfahrungen. Hilfe und Rat finden sie im Safer Space, dem Schutzraum. Allein während des Frühlingsfestes 2025 suchten diesen rund 200 Frauen auf. Sei es, weil sie sexuell belästigt oder bedroht wurden, sei es, weil der Verdacht bestand, dass ihnen K.-o.-Tropfen ins Getränk geschüttet wurden oder weil sie stark alkoholisiert waren. Viktoria Stalter vermittelt die Frauen, wenn nötig, an das DRK oder an die Polizei oder sorgt dafür, dass sie sicher nach Hause kommen. Sechs Paten und Patinnen schlagen sie vor. Stellvertretend für die Sechs wünscht sich Antonia Pollmer, dass das Engagement von Viktoria Stalter Wertschätzung erfährt.
Die Brunnenfreunde
Stuttgart ist eine Brunnen-Stadt. Damit das so bleibt, haben Peter H. Haller und Herbert O. Rau die Stiftung Stuttgarter Brünnele gegründet. Sie haben bisher 16 Brunnen am Leben erhalten, indem sie deren Renovierung oder Reaktivierung finanzierten. So verdanken es die Stuttgarter den beiden Brunnenliebhabern , dass das Wasser am Galateabrunnen am Eugensplatz wieder über die Wasserstaffel plätschert. Weil die Temperaturen im Sommer steigen, bekommen Brunnen eine noch größere Bedeutung, denn Wasser schafft Lebensqualität. So wie das jüngste Projekt der Brunnen-Freunde, das Wasserspiel am Paul-Gerhardt-Platz. Pate Sebastian Straub schlägt die beiden Brunnen-Freude für ihr langjähriges Engagement für den Ehrenamtspreis vor.
Die Kontaktfrau
Zusammen ist man weniger allein- das hat sich Ute Dümcke zum Motto gemacht und in Zuffenhausen eine Gruppe für ältere Menschen gegründet. Der Ruhestand, der Verlust des Partners, der Wegzug der Kinder: Es gibt viele Gründe, die einsam machen können. Ute Dümcke bringt zwischen 35 und 40 Menschen zusammen. Sie machen zusammen unter anderem Ausflüge und Besichtigungen oder besuchen Informationsveranstaltungen. Sehr wichtig ist die eigene WhatsApp-Gruppe, über die sich alle am Vormittag melden, um sicher zu gehen, dass alles in Ordnung ist. Wer kein Lebenszeichen schickt, wird angerufen und es werden die Angehörigen informiert. Patin Gisela Gaa schlägt Ute Dümcke vor, weil sie dieses gut funktionierende Netzwerk geknüpft hat.
Die Trauerbegleiterin
Wie unerträglich ist der Schmerz der Hinterbliebenen, wenn ein Familienmitglied oder ein geliebter Mensch Suizid begangen hat. Bärbel Frohnmaier musste dieses Leid selbst erfahren. Sie hat die Kraft aufgebracht, Menschen zur Seite zu stehen, die gleiches erleiden. In der offenen Selbsthilfegruppe Agus stützen sich die Hinterbliebenen gegenseitig. Bärbel Frohnmaier steht ihnen auch ganz praktisch zur Seite: Sie begleitet die Angehörigen und hilft beispielsweise bei der Auswahl der Kleidung für die Bestattung. Neben dem offenen und respektvollen Austausch in den Gesprächsgruppen gibt es bei Agus auch Informationen über weitere Hilfsangebote. Patin Elisabeth Wolf schlägt sie vor, weil sie von Bärbel Frohnmaier auch schon persönlich unterstützt wurde.
Die gute Seele
Heidelinde Schipke ist seit zehn Jahren im Patientenbegleitservice des Marienhospitals aktiv und hat auch in schwierigen Zeiten immer ein aufmunterndes Wort. Außerdem unterstützt sie zwei alte Damen, die beide über 90 Jahre alt sind, bei der Organisation des Alltags. Sie geht mit ihnen einkaufen, begleitet sie zum Arzt, und sie machen kleine Ausflüge. Weniger Gleichgültigkeit gegenüber den Mitmenschen und stattdessen Hinschauen und unterstützen – das wünscht sich Heidelinde Schipke, damit Menschen im Alter nicht vereinsamen. Stellvertretend für drei Paten, die sie vorschlagen, begründet Angelika Elser dies so: „Sie ist die hilfsbereiteste, selbstloseste und warmherzigste Person, die ich kenne.“
Die Kulturvermittler
„Humans of Stuttgart“ ist ein Multimediaprojekt, in dem Menschen mit Fluchtgeschichte oder Migrationshintergrund gleich in zweifacher Weise die handelnden Akteure sind: Sie wurden porträtiert und fotografiert und dies von 15 jungen Menschen, die die gleichen Erfahrungen und den gleichen Hintergrund haben wie sie. Anjuli Aggarwal und Hasan Malla haben das Projekt geleitet. Zu sehen waren die 70 Porträts im Stadtpalais und sind auf Instagram (@hostuttgart) veröffentlicht. Ein Buch ist ebenfalls erschienen. Dahinter steht der Verein Literally Peace e.V. Er will die Vielfalt über alle Grenzen und Sprachen hinweg sichtbar machen und Menschen vorstellen, die sonst wenig Beachtung finden würden. Patin Kathrin Waldow schlägt das Projekt vor, weil es Offenheit und Gemeinschaft symbolisiere.
Der Bademeister
Dass die Botnanger im Freibad an der Furtwänglerstraße ihre Bahnen schwimmen können, die Kinder durch die Wasserrutsche ins Becken flitzen und dass alles im und rund um das Bad seine Ordnung hat, verdanken sie Andreas Gölz. Sein Ehrenamt füllt er mit Organisationstalent und Humor aus: Er erstellt unter anderem die Personalpläne und hat die Technik für das Bad im Auge. Dabei wird er von anderen Ehrenamtlichen unterstützt. Wenn es wegen Personalmangels klemmt, schlüpft er selbst in die Rolle des Bademeisters und steht am Beckenrand. Patin Angela Eichele schlägt Andreas Gölz vor, weil er ein Beispiel dafür sei, wie ein Mensch mit Herzblut und Tatkraft etwas für die Gemeinschaft bewirken könne.
Die Kranken-Beraterin
Daniela Köder-Yangyuoru kann das Haus nicht mehr verlassen und sich nur in einem abgedunkelten Raum aufhalten. Sie leidet, verursacht durch Covid an ME/CFS, einer schweren neuroimmunologischen Erkrankung. Dennoch ist sie von ihrem Krankenbett aus aktiv – ausschließlich online. Als Ärztin kann sie nicht mehr praktizieren, doch sie unterstützt Menschen, die ebenfalls durch Corona schwer erkrankt sind. Sie vertritt deren Interessen in vielfältiger Hinsicht. Unter anderem berät sie über das Longcovid Netzwerk Stuttgart Ratsuchende. Zudem ist sie in der Selbsthilfegruppe über Fatigatio e.V. aktiv sowie in verschiedenen Social Media Foren. Im Mai 2025 hat sie eine Liegenddemo organisiert. Patin Mareike-Tamara Müller schlägt sie vor, weil Andrea Köder-Yangyuoru zeige, wie viel ein Einzelner bewegen könne, auch wenn seine Kräfte begrenzt sind.
Der Schüleranwalt
Marvin Schwarze ist Schulsprecher an der Margarete-Steiff-Schule, dem sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum für körperlich eingeschränkte Kinder und Jugendliche in Stuttgart. Von den vielen organisatorischen Aufgaben, wie der Vorbereitung für eine Fahrt nach Berlin bis zum Getränkeverkauf, ist er immer dabei. Zu seinen großen Aktionen in den letzten beiden Jahren gehörten die Organisation einer Podiumsdiskussion mit Lokalpolitikern und eines Konzerts mit einer Band.
Marvin Schwarze möchte den Aufenthalt in der Schule für alle so attraktiv gestalten, dass sie am Abend sagen: „Ich habe heute einen richtig tollen Tag erlebt.“ Unterstützt wird er von seiner Mutter Melanie Schwarze, die sich nicht nur für ihr eigenes Kind, sondern auch für andere Kinder mit Behinderung engagiert und damit Mut macht. Deshalb schlägt Patin Stefanie Palm beide für den Ehrenamtspreis vor.
So stimmen Sie online über die Kandidatinnen und Kandidaten ab
Abstimmung
An der Online-Abstimmung können Sie ab sofort bis einschließlich 2. Februar hier teilnehmen.
Der Preis
Alles Wissenswerte über den Ehrenamtspreis und die Gewinner der Vorjahre finden Sie hier.