Die in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Mannheimer Brauerei Eichbaum hat vor 30 Jahren lokalpatriotische Biertrinker in Stuttgart zum Schäumen gebracht.

Stadtentwicklung/Infrastruktur : Christian Milankovic (mil)

„Sturm im Bierglas“ hat unsere Redaktion vor 30 Jahren getitelt: was herkunftsbewusste Stuttgarter Biertrinker im Jahr 1995 zum Schäumen brachte, war aber nicht etwa der sowieso jährliche steigende Preis für die Wasen-Maß. Vielmehr hatte das Land entschieden, den nagelneuen Biergarten im Mittleren Schlossgarten von einer Brauerei aus dem Kurpfälzischen beliefern zu lassen.

 

Dass zum Zeitpunkt dieses Beschlusses der in Mannheim geborene Gerhard Mayer-Vorfelder als Finanzminister Hausherr des Schlossgartens war und seine Behörde der Mannheimer Eichbaum-Brauerei den Zuschlag gab, trug nicht zur Beruhigung der Lage bei. Daran erinnert sich manch einer angesichts der aktuellen Meldungen, wonach die traditionsreiche Mannheimer Brauerei in wirtschaftliche Schieflage geraten ist.

Nicht so vor 30 Jahren. Da stand das Unternehmen noch im Saft und schlug so die Stuttgarter Brauereien aus dem Rennen. Mayer-Vorfelder, der die Anfangs auf Skepsis stoßende Idee eines Biergartens in der großen Grünanlage mit dem nötigen Nachdruck verfolgte, erklärte den konsternierten Lokalgrößen und der interessierten Öffentlichkeit, die Mannheimer Brauerei hätte „in allen Punkten das beste und für das Land wirtschaftlichste Angebot vorgelegt. Sie wird daher für die nächsten zehn Jahre unser Vertragspartner sein“.

Bei der von MV prognostizierten Dekade sollte es nicht bleiben. Ein Vierteljahrhundert floss badisches Bier aus den Zapfhähnen im Schlossgarten, ehe Biergartenwirtin Sonja Merz im Jahr 2021 zu heimischen Hopfensaft der Marke Stuttgarter Hofbräu wechselte.