Ein Patent, das die Welt veränderte Mercedes-Benz feiert Geburtsstunde des Autos – und stellt die neue S-Klasse vor

, aktualisiert am 29.01.2026 - 09:01 Uhr
Carl Benz, der Konstrukteur des ersten Automobils Foto: Mercedes-Benz AG

Carl Benz patentiert am 29. Januar 1886 seinen Motorwagen und revolutioniert die Mobilität. 140 Jahre später erinnert Mercedes daran und stellt in Stuttgart die neue S‑Klasse vor.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Veronika Kanzler (kan)

Völlig unbeachtet von der Öffentlichkeit geht am 29. Januar 1886 im Kaiserlichen Patentamt in Berlin ein Schreiben ein, das die Mobilität revolutionieren sollte. Carl Benz meldet ein „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent an; die Konstruktion wird später unter der Nummer DRP 37435 registriert. Es ist ein dreirädriges Gefährt – und das Dokument, das heute als Geburtsurkunde des Automobils gilt.

 

Die Patentschrift zählt inzwischen zum Weltdokumentenerbe der Unesco, weil sie den Beginn der modernen individuellen Mobilität markiert. Entstanden ist diese Erfindung in Mannheim, wo Benz über Jahre hinweg in kleinen Werkstätten an Motoren und Mechanik arbeitet.

Auszug aus dem Mercedes-Benz-Archiv: Das Patent „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ und die technische Zeichnung von Carl Benz. Foto: Mercedes-Benz AG

Der Patent‑Motorwagen ist – anders als bei Gottlieb Daimler – keine umgebaute Kutsche, sondern ein völlig neues Fahrzeug. Benz entwickelt Rahmen, Antrieb und Aufbau selbst: ein leichter Stahlrohrrahmen, ein liegender Einzylinder‑Viertaktmotor mit weniger als einem PS, Riemenantrieb und ein einzelnes lenkbares Vorderrad. Entscheidend ist weniger die Geschwindigkeit von 16 Kilometern pro Stunde als das Prinzip: ein Wagen, der sich ohne Pferde fortbewegt.

Carl Benz: Start-up Mentalität anno 1880

Der Weg dorthin ist jedoch holprig. Nach Angaben des Mercedes‑Benz-Archivs kämpft Benz in den 1870er- und frühen 1880er‑Jahren mit finanziellen Engpässen, einer zeitweise gepfändeten Werkstatt und wechselnden Geschäftspartnern. Seine spätere Frau Bertha setzt ihre Mitgift ein und sichert so das Fortbestehen des Projekts. Aus heutiger Sicht wirkt sein Umfeld wie eine frühe Form regionaler Start‑up‑Mentalität: wenig Kapital, viele Rückschläge, aber eine klare Idee, an der er unbeirrt festhält.

Technisch geht Benz einen Weg, der ihn von seinem wichtigsten Zeitgenossen unterscheidet. Während Gottlieb Daimler in Cannstatt einen schnelllaufenden Motor in eine vierrädrige Kutsche einbaut, konstruiert Benz ein komplett neues Fahrzeug. Beide arbeiten 1886 zeitgleich an ihren Konzepten – rund 130 Kilometer voneinander entfernt – treffen sich aber nie persönlich.

Im Sommer 1886 wagt sich Benz mit seinem Motorwagen zum ersten Mal auf öffentliche Straßen. Die Neue Badische Landeszeitung berichtet am 3. Juli 1886 über eine Probefahrt auf der Mannheimer Ringstraße. Dennoch bleibt die Resonanz gering; viele halten die „pferdelose Kutsche“ für ein Kuriosum, die sich kaum durchsetzen werde. Damit reiht es sich ein in die Riege bahnbrechender Innovationen wie dem Telefon oder dem Computer, denen die Menschheit anfangs auch skeptisch gegenüberstanden.

Bertha Benz verhilft ihrem Mann Carl zum Durchbruch

Erst im August 1888 zeigt Bertha Benz, was der Motorwagen leisten kann. Mit dem weiterentwickelten Modell 3 fährt sie von Mannheim nach Pforzheim – die erste automobile Fernfahrt. Diese Fahrt macht deutlich, dass das neue Verkehrsmittel alltagstauglich ist, und verankert den Südwesten als Wiege des Automobils.

Aus dem Patent von 1886 entsteht eine Industrie, die die Region zwischen Mannheim, Pforzheim, Cannstatt und Stuttgart über Jahrzehnte prägt. Die Entwicklungen von Benz und Daimler laufen erst 1926 zusammen, als Benz & Cie. und die Daimler‑Motoren‑Gesellschaft fusionieren – der Beginn der Daimler‑Benz AG.

140 Jahre nach der Patentanmeldung greift Mercedes‑Benz dieses Datum erneut auf. Am Abend will der Konzern in Stuttgart sein Flaggschiff, die erneuerte S‑Klasse vorstellen – an dem Tag, an dem 1886 die Geschichte des Automobils ihren formalen Anfang nahm.

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