Das General Aviation Terminal am Stuttgarter Flughafen ist der Ort, den man normalerweise nicht sieht. Dort starten und landen Privatjets, Taxi- und Firmenflieger – sowie eilige Organtransporte. Wir durften uns vor Ort umsehen.
Gedämpftes Licht, Klaviermusik, kulinarische Köstlichkeiten: So könnte man sich das Terminal vorstellen, an dem Menschen verkehren, die ein privates Flugzeug besitzen oder deren Arbeitgeber sie mit eigenen Fliegern irgendwo hinbringen. Doch die Realität am Stuttgarter Flughafen ist nüchterner. Das General-Aviation-Terminal (Gat) verfügt nur über wenige Annehmlichkeiten, die es an einem regulären Terminal nicht gibt.
Das Terminal Das gesamte Gat ist mit Gebäude, Hangars und Vorfeld auf rund 7,5 Hektar eher klein; das gesamte Flughafengelände umfasst rund 400 Hektar. Wer an dem 1999 eingeweihten Terminal abfliegt, kann direkt davor parken. Im Eingangsbereich des Gebäudes befindet sich eine kleine Empfangstheke, ein paar schwarze Ledersessel und ein verhältnismäßig winziger Bereich mit Gepäckkontrolle und Körperscan.
Einen großen Wartebereich braucht es an dem besonderen Terminal nicht. Foto: Ines Rudel
Mehr ist nicht nötig, denn wer am Gat abfliegt, braucht keinen Wartebereich mit Restaurants oder Läden. Stattdessen warten die Piloten und die Crewmitglieder auf ihre Passagiere. „Die Passagiere können dann fliegen, wann sie fliegen müssen“, erläutert Hagen Kurz, der Geschäftsführer des Gat. Für die Crews gibt es daher eine eigene Lounge, in der bequeme Sessel stehen, die auch zum Schlafen genutzt werden können.
Die Passagiere Nur etwa fünf Prozent der Menschen, die am Gat verkehren, nutzen die General-Aviation für Privatflüge, sagt Hagen Kurz. Den deutlich größeren Anteil bildeten Geschäftsreisende, die „flexiblere Lösungen“ bräuchten als jene Flüge, die regulär angeboten werden. So werde am Gat kaum nach Berlin geflogen, weil es dafür genügend reguläre Linienverbindungen gebe. Dafür fliegt unter der Woche täglich eine Maschine von Stuttgart nach Braunschweig und wieder zurück. So werden Menschen transportiert, die in Braunschweig für einen Automobilkonzern tätig sind.
Zudem werden Reparaturteams von anderen in der Region Stuttgart ansässigen Firmen, die weltweit tätig sind, schnell irgendwo hingebracht. Das sind in der Regel Ingenieure oder Techniker. Dazu kommen Flugschüler der beiden am Gat ansässigen Flugschulen sowie eilige Rettungs- und Organtransporte. „Der ADAC fliegt hier vor allem in der Urlaubszeit fast täglich“, sagt Kurz.
Im Schnitt würden pro Tag etwa 120 Menschen am Gat abgefertigt. Bei Großereignissen wie der Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2006 seien es deutlich mehr gewesen, „da war ordentlich was los hier“, erinnert sich Hagen Kurz. Bei der jüngsten Europameisterschaft in diesem Sommer seien es jedoch nur etwa 20 Prozent mehr Flugbewegungen als sonst gewesen. Dies waren dann Menschen, die privat zu Fußballspielen fliegen, sagt Stelian Dumitrache aus der Unternehmenskommunikation des Flughafens Stuttgart.
Der Luxus Abgesehen von vier Lounges, einem Limousinen-, Wäsche- und Geschirrservice ist das Gat eher praktisch gehalten. „In den USA haben Gat einen ganz anderen Stellenwert als in Deutschland oder Europa“, erzählt Hagen Kurz. Hierzulande seien diese weniger luxuriös und mehr auf die Bedürfnisse von Businesskunden ausgerichtet.
Die Flugzeuge Ein typischer Privatjet ist an der Kennung zu identifizieren. Denn jedes Flugzeug hat außen eine Folge aus Buchstaben und Zahlen aufgedruckt, vergleichbar mit einem Autokennzeichen. Steht am Anfang „D“, bedeutet das, dass es ein deutsches Flugzeug ist, „N“ steht für Nordamerika – und „VP“ für British Virgin Islands. Die Britischen Jungferninseln in der Karibik gelten als Steueroase. Am Gat stehen auch ganz kleine Maschinen, in die nur eine oder zwei Personen passen. Damit lernen Piloten in der Ausbildung das Fliegen. Oder aber sie gehören Einzelpersonen oder Vereinen, die diese zu Hobbyzwecken nutzen. Obwohl diese Kleinstflugzeuge günstiger sein können als angenommen – einzelne, ältere bekomme man ab etwa 18 000 Euro, neuere ab etwa 60 000 Euro, sagt Dumitrache – sei dies ein teures Hobby. Nicht nur wegen der Kosten für Instandhaltung und Treibstoff, sondern auch aufgrund der hohen Abstellgebühren an einem internationalen Verkehrsflughafen. „Hobbypiloten machen das eher anderswo“, sagt Dumitrache. Oder aber mehrere tun sich zu Haltergemeinschaften zusammen und teilen sich die Kosten.
Die Politik Der Flughafen Schiphol in Amsterdam hatte 2023 angekündigt, Privatjets bis Ende 2025 zu verbieten. Dies wurde mit Umwelt- und Lärmschutz begründet sowie mit einer Entscheidung des Flughafens, nicht weiter wachsen zu wollen. Dadurch wurde auch in Deutschland eine Diskussion losgetreten. Sowohl Klimaaktivisten als auch Politiker – in Stuttgart etwa Stadträte aus dem linkeren Spektrum – stellen regelmäßig die Frage nach der Berechtigung von Privatjets.
Hagen Kurz kommentiert dies so: „Ökologisch ist das nicht perfekt, aber die Flüge vom Gat sind wichtig für unseren Wirtschaftsstandort.“ Viele Firmen könnten mit den Linienflügen nicht das abdecken, was sie bräuchten. Und im Vergleich zu Lufthansa-Drehkreuzen wie München und Frankfurt beispielsweise gebe es von Stuttgart aus weniger Direktverbindungen, sagt Stelian Dumitrache. Dazu komme, dass die Nachfrage eben da sei: „Wenn wir das verböten, würden andere Flugplätze genutzt.“
Sowieso sei für Flughäfen ein Verbot von Privatjets aufgrund des europäischen Diskriminierungsverbots quasi unmöglich. „Dafür müsste man begründen können, warum bestimmte Menschen oder Flieger abgewiesen werden“, sagt Dumitrache. Dazu komme, dass der Flughafen dem Land Baden-Württemberg und der Stadt Stuttgart gehöre und damit im Auftrag der Allgemeinheit in erster Linie Fliegen ermöglichen soll.
Geschäftsführer des Gat: Hagen Kurz Foto: Ines Rudel
Jedoch versuche der Flughafen durch seine Entgeltordnung Flugzeuge zu bevorzugen, die leise und umweltfreundlich unterwegs sind – und andere stärker zur Kasse zu bitten. Doch auch da gebe es Grenzen, denn der Flughafen dürfe mit seiner Entgeltordnung kein Geld verdienen, diese dürfe nur kostendeckend sein, sagt Dumitrache.