Marie und Patric spazieren zu dem Gebäude in einem Stuttgarter Hinterhof, in dem sie gleich ihre letzte Therapiestunde angehen werden. Sie kommen gerade aus dem Urlaub im spanischen Cadiz, erzählen von der Sonne, der Trockenheit, der Schönheit der Stadt. Sie scheinen einen guten Urlaub gehabt zu haben. Was nicht selbstverständlich ist, wie sich ein paar Minuten später herausstellt, als das Stuttgarter Paar der Therapeutin Franciska Wiegmann-Stoll gegenübersitzt.
Eine Woche im sonnigen Süden Europas bedeutet für Marie, 29, und Patric, 28, auch: Sie sind in einem Land, in dem sie die Sprache nicht sprechen. Sie sind in einer Situation, in der sie Kontrolle abgeben. Bei Patric beginnen dann gerne mal die Gedanken zu kreisen: „Was ist, wenn etwas passiert? Was, wenn wir jetzt ins Krankenhaus müssen?“, geht ihm durch den Kopf.
Eskalierende Streits im Urlaub
Patric hat eine diagnostizierte Angststörung. Er fürchtet vor allem Krankheiten und plötzlichen Tod, er führt das auf Herzrhythmusstörungen zurück, die er als Jugendlicher hatte. Was die Gesundheit angehe, „überlasse ich normalerweise nichts dem Zufall“, sagt Patric. In einer fremden Umgebung ist das nicht möglich, das schürt diese Ängste besonders. In früheren Urlauben hat es dabei gerne mal geknirscht zwischen den beiden.
Patric erinnert sich an die Hochzeitsreise mit Marie auf Mauritius. „Das ist der schönste Ort auf Erden“, sagt Patric. Aber er habe ständig daran gedacht, sich irgendwelche Infekte einzufangen oder von einem Straßenhund gebissen zu werden. „Da hat sich Marie damals extrem schwer getan damit.“ Mitunter sei die Lage eskaliert.
Eine Panikattacke später versteht Marie die Ängste
„Ich kannte dieses Gefühl nicht, an einen anderen Ort zu fahren und Ängste zu bekommen“, sagt Marie. Eine Panikattacke um den Jahreswechsel, in der Zeit nach ihrer Fehlgeburt, habe das geändert. „Marie hat diesmal ultra besonnen reagiert“, sagt Patric. Das Gefühl zu haben, sich mitteilen zu können, ohne dass sich die Stimmung hochschaukelt, habe ihm großes Vertrauen in die gemeinsame Zukunft gegeben.
Marie hört seinen Worten zu, man merkt, dass es sie bewegt. „Ich empfinde das genauso“, sagt sie. Therapeutin Franciska Wiegmann-Stoll sagt: „Ihr seid auf der nächsten Stufe angelangt.“
Eine Trance, um die Liebe spürbar zu machen
Zum Abschluss der dritten und letzten gemeinsamen Sitzung führt Wiegmann-Stoll das Paar in eine Trance. Marie und Patric hocken sich gegenüber, die Augen geschlossen. „Denkt an einen Moment, in dem ihr ganz zufrieden wart, in dem ihr lächeln konntet“, sagt Wiegmann-Stoll. Sie leitet die beiden mit ruhiger Stimme weg aus dem Alltag. Sie fährt das Tempo runter, damit Marie und Patric in sich reinspüren können. „Stellt euch dann das Bild des anderen vor, und denkt an die Liebe, die zwischen euch fließt“, so Wiegmann-Stoll mit sanfter Stimme. Nach einigen Minuten holt sie die beiden wieder zurück. Maria: „So was ist schön.“
„Ich wünsche euch, dass euch dieses Gefühl viel Kraft gibt für eure Aufgaben und eure Herausforderungen, die als angehende Eltern anstehen“, sagt Wiegmann-Stoll. Sie gibt Marie und Patric eine „Schatz, ich muss mit dir reden“-Gesprächsbox mit. Sie soll es erleichtern, sich in stressigen Momenten bestimmte Themen bewusst vorzunehmen. „Es ist ja nicht so, dass ihr die Dinge nicht wisst. Es ist die nette Erinnerung daran, das auch umzusetzen“, sagt Wiegmann-Stoll. Werden Sie das auch hinbekommen?