Familienglück Kater streunt 13 Jahre - und kommt zum Sterben zurück

, aktualisiert am 22.04.2025 - 11:33 Uhr
Cäsar in jungen Jahren: Angst vor Wasser hatte der Kater noch nie. Foto: /Helmut Schuler

Vor 13 Jahren hat sich der Kater Cäsar aus dem Staub gemacht. Alle dachten, er seit tot. Doch dann ist er zu seiner Familie in Gärtringen zurückgekehrt. Der nächste Abschied steht allerdings bevor.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Elke Andert sitzt im Zug nach Pforzheim, als sie am 22. März eine Nachricht auf ihrem Anrufbeantworter abhört. „Das glaube ich jetzt nicht“, sagt sie, als die Nachricht zu Ende ist. Sie war vom Kreistierheim – und lautete. „Sie können ihren Kater abholen.“ Elke Andert weiß sofort, dass es sich um den Familienkater Cäsar handelt. Das Unglaubliche daran: Der Kater war vor 13 Jahren davongelaufen.

 

Die Nachricht vom Kreistierheim habe sich ein bisschen angehört wie eine Durchsage bei Ikea, sagt Elke Andert, die 60 Jahre ist und in Gärtringen lebt, scherzhaft. Ganz im Stile von: „Der kleine Jan möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden.“ Bloß, dass es sich nicht um ein Kind handelt, das nach einer Stunde von den Eltern abgeholt werden möchte, sondern um einen Kater, der vor über einer Dekade das Weite gesucht hat.

Kater Cäsar ist wieder zurück bei seiner Familie. Foto: StZN/Helmut Schuler

Cäsar verschwand für immer längere Zeitabschnitte

Es ist eine kuriose Geschichte: Erst im Januar hatte die vierköpfige Familie Abschied von ihrer Katze Cleopatra nehmen müssen – Cleopatra und Cäsar, die beiden waren ein Geschwisterpaar. Während eines Urlaubs im Allgäu im Jahr 2009 haben die beiden Kinder Mareike und Ruben sich zwei Kätzchen aussuchen dürfen, erzählt der Familienvater Helmut Schuler.

Drei Jahre funktionierte das Zusammenleben gut, die beiden Haustiere vertrugen sich, es gab keine Probleme. Doch dann – im Jahr 2012 – blieb Cäsar immer länger weg. „Das lief in Stufen ab“, erzählt Elke Andert. Zuerst fehlte er einige Tage, dann Wochen, dann Monate und schließlich verschwand er ganz.

Anfangs, erzählt Elke Andert, hätten sie ihn noch ab und zu im Wohngebiet herumstreunen sehen. Doch er ließ sich nicht anfassen, geschweige denn nach Hause locken. „In den letzten sieben oder acht Jahren haben wir ihn dann gar nicht mehr gesehen“, sagt die Gärtringerin. Die Hoffnung hatte die Familie seither aufgegeben. „Ich dachte, er lebt nicht mehr“, sagt Elke Andert.


Kater Cäsar war bei Tasso registriert – und kam deshalb wieder nach Hause

Wer den Kater im Kreistierheim abgegeben hat, weiß die Familie nicht. Aus Datenschutzgründen konnten ihnen die Mitarbeitenden nichts verraten. Das Tierheim konnte den Kater jedoch direkt zuordnen, weil er eine Erkennungsnummer hatte und bei der Tierschutzorganisation Tasso registriert war. Gleich am darauffolgenden Montag holte die Familie den völlig abgemagerten Cäsar aus dem Tierheim ab. Einen Katzenkorb hatte sie sich auf die Schnelle von Bekannten ausgeliehen. Bei ihnen daheim gab es kein Katzen-Equipment mehr. Cleopatra hatte wegen einer Nervenkrankheit eingeschläfert werden müssen. Katzenkorb, -klo und weiteres Zubehör wurden ans Tierheim gespendet. Und niemand ahnte, dass all dies nur einige Wochen später wieder von Nöten sein würde. Denn Cäsar stand auf der Matte, kaum dass seine Schwester das Zeitliche gesegnet hatte. Als ob er seine Rückkehr geplant hätte.

Als er das erste Mal nach 13 Jahren in seinem vormaligen zu Hause ankam, war es, als sei er nie weg gewesen, erzählt Helmut Schuler. Obwohl er den Großteil seines Lebens im Freien verbracht haben muss, macht es ihm seit seiner Rückkehr nichts aus, nur im Haus zu sein. Er benutzt das Katzenklo und nimmt langsam zu. Gesellschaftsfähig sei er auch, sagt Helmut Schuler.

Die nächste Trennung zeichnet sich schon ab

Beim Geburtstag des Sohnes neulich habe sich der 16-jährige Kater unter die Leute gemischt und sich wohl gefühlt. Einer seiner Lieblingsplätze ist am Tisch: Auch während des Gesprächs sitzt er wie ein Familienmitglied auf einem Stuhl und schaut verschlafen über die Tischplatte, als wolle er zuhören.

Besonders Sohn Ruben hat sich über die Rückkehr „seines Katers“ gefreut. Foto: Andert/Schuler

Die Familie genießt das sichtlich. Alle wissen allerdings, ihre nächste Trennung zeichnet sich bereits ab. Und dieses Mal wirklich für immer: Cäsar hat Leukämie. Das hat der Tierarzt bald nach der Rückkehr des Katers diagnostiziert. Wie lange er noch lebt, sei schwer einzuschätzen, sagt Elke Andert. Vielleicht sind es Wochen, vielleicht einige Monate. Vor allem für den Sohn Ruben sei diese Nachricht schlimm gewesen: Bereits als Kind sei Cäsar „sein Kater“ gewesen, die Freude nach der Rückkehr bei ihm deshalb besonders groß.

Eine Chance auf Heilung besteht nicht. Cäsar bekommt Medikamente und wird mit Leckerlis und Streicheleinheiten umsorgt.

Ein Happy End, könnte man meinen, sieht anders aus. Andererseits: wirklich?

Tipps für die Suche nach entlaufenen Katzen

Tasso
Beim Verein Tasso kann nach Verschwinden der Katze eine Vermisstenmeldung erstellt werden. Wenn die Katze vorher gekennzeichnet und registriert worden ist, ist die Suche einfacher – eine Vermisstenmeldung kann aber auch ohne diese Voraussetzungen aufgegeben werden. Beim Tierarzt kann die Katze mit einem Transponder gekennzeichnet werden. Die 15-stellige Nummer kann dann bei Tasso registriert werden.

Die Suche
Tasso empfiehlt, Suchplakate aufzuhängen und die Umgebung abzusuchen – inklusive Garagen, Schuppen und Kellern. Auch Tierheime oder Tierschutzorganisationen können informiert werden.

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