In gut drei Monaten, Ende Februar, schließt Andrea Klutt ihren „SchuhLaden“ am Ostendplatz zum letzten Mal auf - und dann endgültig ab. Mehr als 40 Jahre an der Ostendstraße sind dann Schuh-Geschichte. Manche Ost-Einwohner beklagen schon ein Ladensterben im Zentrum des Stuttgarter Ostens, nachdem vor Kurzem auch der Blumenladen am Platz geschlossen hat. Der Vorsitzende des örtlichen Handels- und Gewerbevereins macht sich aber keine Sorgen um den Einzelhandel dort.
100-jährige Schuhtradion im Stuttgarter Osten
Hinter dem „Der SchuhLaden“ steht eine lange, fast 100-jährige Schuh-Tradition im Stuttgarter Osten. 1930 übernahmen Max Koch und seine Frau ein Hut- und Schirmgeschäft an der Gablenberger Hauptstraße und erweiterten es um eine Schuhabteilung. 1953 wurde Schuh-Koch der Alleinverkauf von Salamander-Schuhen im Stadtbezirk Stuttgart-Ost übertragen. Das Geschäft expandierte, in Gablenberg kam ein weiteres Stockwerk dazu, außerdem folgten Salamander-Geschäfte in Ditzingen und Untertürkheim.
„Der SchuhLaden“ an der Ostendstraße mit größerer Fläche und breiterem Sortiment wurde 1981 eröffnet, erst im Haus nebenan, seit 2000 dann in der früheren Tengelmann-Filiale. Das Stammhaus an der Gablenberger Hauptstraße schloss 1985. Andrea Klutt ist seit 2004 Geschäftsführerin und führt die Familientradition in dritter Generation weiter. Die bevorstehende Schließung schmerzt sie zwar, die Tradition ist damit aber nicht zu Ende. Im ursprünglichen Stammhaus an der Gablenberger Hauptstraße hat sie schon vor Längerem einen Rieker-Store eröffnet, den es auch weiter geben wird.
Andrea Klutt hatte sich mit ihrem Vermieter am Ostendplatz nicht auf einen neuen Mietvertrag einigen können. „Die Miete hier ist viel zu hoch“, sagt sie und ergänzt gleich: „Sie sind allgemein viel zu hoch.“ Alle Einzelhändler, auch die in Gablenberg, würden darüber stöhnen. Gleichzeitig seien die Umsätze seit der Pandemie deutlich zurückgegangen, in ihrem Fall im Vergleich zu 2019 um 30 Prozent, bei deutlich gestiegenen Fixkosten.
Seit in ihrem Schuhladen der Räumungsverkauf mit deutlichen Preisnachlässen läuft, hört sie von der Kundschaft immer wieder Klagen über das Ladensterben. „Jeder sagt, er kauft nicht online“, erzählt sie. Sie kann jeden Tag die langen Schlangen vor der Postfiliale am Ostendplatz schräg gegenüber sehen, wenn Unmengen von Paketen abgeholt oder die Retouren abgegeben werden. „Man kann den stationären kleinen Einzelhandel nur stützen, wenn man regelmäßig dort einkauft, nicht nur alle paar Jahre“, so Andrea Klutt. Sie nennt noch einen weiteren Grund für die Probleme speziell im Schuhgeschäft. „Die heute großen Marken sind alle durch uns kleine Händler groß geworden. Und jetzt nehmen sie uns die Marken weg.“ Immer mehr bekannte Trendmarken setzen inzwischen auf eigene Stores und beliefern den klassischen Schuh-Handel nicht mehr, was auch schon in der Stuttgarter Innenstadt zu spüren ist.
Der Vorsitzende des Handels- und Gewerbevereins Stuttgart-Ost, Thomas Rudolph, macht sich trotz der Schließungen keine Sorgen. „Insgesamt ist der Einzelhandel am Ostendplatz immer noch intakt.“ Der große Rewe-Markt mit Öffnungszeiten bis Mitternacht locke nicht nur Einwohner des Stuttgarter Ostens, sondern auch Pendler, egal ob mit dem Auto oder mit der Stadtbahn. „Die meisten Dinge des täglichen Bedarfs kann man rund um den Ostendplatz kaufen“, so Rudolph. Leerstand gebe es kaum, dafür immer wieder auch Neuzugänge wie zuletzt den Bioladen „Gesunde Kost Rein“ in dem vom Bau- und Wohnungsverein aufwendig sanierten und umgebauten Gebäude direkt am Ostendplatz. Der HGV-Vorsitzende weiter: „Wichtig ist aber auch, dass die Menschen weiter in den Geschäften kaufen und weniger im Internet.“
Wer nächstes Jahr in die SchuhLaden-Räume ziehen wird, ist noch offen. Andrea Klutt und Thomas Rudolph gehen aber davon aus, dass die Fläche künftig gastronomisch genutzt werden wird, auch wenn es rund um den Platz schon jede Menge gastronomischer Nutzungen aller Art gibt. Andrea Klutt wird dann in ihrem Rieker-Store im Gründungshaus von Schuh-Koch anzutreffen sein. Auch dort sorgt ein großer Lebensmittelmarkt, der Gablenberger Aldi, seit Jahren für Kundenfrequenz, auch in den direkt umliegenden Geschäften.