Der Gerlinger Rathausplatz verwandelt sich aktuell in ein Winterparadies mit Eisbahn und gastronomischem Angebot. Die Attraktion ist nicht nur bei Schlittschuhläufern beliebt.

Ludwigsburg: Franziska Kleiner (fk)

Montagmorgen. Drei Trucks sind auf dem Rathausplatz geparkt. Beladen mit kleinen Holzklötzen, größeren Bodenplatten und – vor allem – Aluminiumelementen. Je ein Meter breit, fünf Meter lang, werden sie am Abend zu einer Gesamtfläche von 340 Quadratmetern zusammengelegt sein. Zu zehnt, die Lastwagenfahrer eingeschlossen, sind sie an diesem Morgen aus Baden-Baden gekommen. Sie haben Anoraks an, tragen Mützen und trotzen so der Kälte. Zunächst verteilen sie mehrere Holzklötze in regelmäßigem Abstand auf dem Platz. Mittags um 12 ist der Platz bereits zum größten Teil mit erhöht ausgelegten Bodenplatten belegt.

 

Für die Mitarbeiter der Firma Sator ist die Gerlinger Bahn eine von drei Eisbahnen, die sie in dieser Saison aufbauen. Weniger als gewöhnlich, sagt Mike Sator. „Sonst waren es fünf bis zehn.“ Zum einen würde der Verzicht auf das winterliche Event in den Kommunen mit der finanziellen Situation begründet. Manchmal sind es aber auch Baustellen, die nicht rechtzeitig fertig werden – und deshalb den Schlittschuhbegeisterten einen Strich durch die Rechnung machen. Davon betroffen sei etwa die Eisbahn am Wiedenfelsen im Kreis Rastatt, berichtet Sator.

Bei den Kosten für die Gerlinger Bahn hält sich der Veranstalter, der Stadtmarketingverein Mein Gerlingen, zurück. Die Stadt habe auch in diesem Jahr zugesagt, im Zweifel den Abmangel für das im weiten Umfeld singuläre Angebot zu tragen, sagt die Vereinsvorsitzende Heike Bischoff. Gleichwohl setzt sie auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. „Die Eisbahn trägt sich im Wesentlichen selbst“, sagt sie. Die Kosten einschließlich Strom und Wasser deckten sich durch die Einnahmen aus dem Ticketverkauf, Sponsorengeldern und Gastronomielizenzen. „Die Eisbahn ist also kein Zuschuss-Event.“

Die Gerlinger Eisbahn nimmt schnell Formen an

Am frühen Nachmittag ist der Boden auf dem Rathausplatz fertig gelegt, er muss absolut eben sein, ehe die umrandeten Aluminumpanels aufgelegt, miteinander verbunden und mittels durchströmenden Glykols auf minus zehn Grad heruntergekühlt werden. Dann wird das Becken fünf Zentimeter hoch mit Wasser befüllt – insgesamt 24 Kubikmeter. Über Nacht friert das Wasser, ehe am nächsten Tag noch Werbung auf den Boden aufgebracht werden kann – und die letzten zwei Zentimeter Eis darüber wachsen: Das Wasser wird laut Mike Sator aus einem Feuerwehrschlauch aufgesprüht.

Stück für Stück wird die Eisbahn aufgebaut – am Freitag soll alles fertig sein. Foto: Simon Granville

Neben der Eisbahn wird das Kälteaggregat aufgestellt und in Betrieb genommen. Der Energiebedarf sei vergleichsweise gering, er liege bei rund 9000 Kilowattstunden während der gesamten Eisbahnzeit, sagt Bischoff. Der Energieverbrauch werde vor jeder Saison ebenso diskutiert wie der finanzielle Aufwand insgesamt. Bischoff redet diese Aspekte nicht klein, es sei ein Abwägen, sagt sie. So lange die Freude über und die Vorfreude auf die Attraktion so groß sei, sei das gerade in diesen Zeiten aus ihrer Sicht ein gewichtiges Argument. „Unser Herz brennt für die Eisbahn“, sagt sie selbst. In dieser kritischen Zeit „tut uns das gut“, ist sie überzeugt. „Ich bin froh, dass wir das machen.“

Der Schlittschuhverleih der Gerlinger Eisbahn ist im Zelt untergebracht

Die Zelte für die Umkleide und den Schlittschuhverleih – dort engagieren sich auch die örtlichen Vereine – sind parallel zur Bahn aufgebaut. Den Gerlinger Schulen wurde angeboten, noch vor Ferienbeginn die Eisbahn zu nutzen, „natürlich kostenfrei“. Den Überblick auf der Bahn behalten die beiden Betriebsleiter. „Sie werden mehr als 300 Stunden an der Eisbahn sein.“

Die Eisbahn lockt die einen auf das Eis – Rollstuhlfahrer haben die Möglichkeit, auf einem Eisgleiter über die Fläche zu gleiten – die anderen an die Bande, zum Zuschauen und Verweilen. Es ist vor allem abends ein Treffpunkt für Menschen aller Generationen, zumal auch mehrere Gastronomen sind entlang des Platzes präsent sind. Vergangenes Jahr wurden laut Bischoff 15 000 Tickets verkauft. Fast die Hälfte der Besucher kam aus Gerlingen, ein Drittel aus den umliegenden Kommunen, rund ein Viertel aus dem Stuttgarter Stadtgebiet.

Die Preise bei der zum vierten Mal aufgebauten Eisbahn bleiben im Vergleich zum Vorjahr konstant: Das Einzelticket kostet für Kinder 2,50 Euro, Erwachsene zahlen 6,50 Euro. Neu ist in diesem Jahr die Eisstockschießbahn, dafür wurde die Eisfläche im Vergleich zum Vorjahr vergrößert. Gruppen müssen sich anmelden. Geblieben sind auch Attraktionen. Unter anderem wird Leo Azzola sein Können zeigen. Er war Deutscher Meister und Olympiateilnehmer im Eiskunstlauf – jetzt ist er als Zahnarzt in Gerlingen tätig.

Eröffnung Am Freitag, 5. Dezember, wird Bürgermeister Dirk Oestringer um 18 Uhr die Eisbahn offiziell eröffnen. Eislaufen ist an diesem Tag allerdings schon von 14 Uhr an möglich. Die Bahn ist montags bis freitags von 14 bis 20 Uhr geöffnet, samstags 11 bis 22 Uhr und sonntags 11 bis 20 Uhr. Heiligabend ist die Bahn geschlossen.