Eishockey – Oberliga Erfahrung aus der NHL – Tom Coolen ist neuer Trainer der Stuttgart Rebels

Tom Coolen (links), hier ein Foto von 2018 bei seinem Engagement in Katowice, übernimmt das Traineramt bei den Rebels Foto: imago/Newspix

Der 72-jährige Kanadier hat die Verantwortlichen beim „Trainercasting“ überzeugt und ist neuer Headcoach des Stuttgarter Eishockey-Oberligisten. Hierzulande ist er kein Unbekannter.

Reporter: Torsten Streib (tos)

Der Blick auf sein Alter lässt nicht unbedingt auf modernes Eishockey schließen: Geburtsdatum 20. November 1953, aktuell also 72 Jahre. Dennoch hat Tom Coolen die Verantwortlichen des Oberligisten Stuttgart Rebels überzeugt. Der Oldie hat sich im finalen Trainer-Casting der Degerlocher gegen vier andere Kandidaten durchgesetzt. Damit ist beim Waldau-Club die mit Spannung erwartete Entscheidung über die Nachfolge des Interimscoachs Eu Jin Yap gefallen.

 

Auch der Geschäftsführer Alexander Fuchs und der sportliche Leiter Matthew Pistilli haben das Alter ihres nun Neuen zunächst kritisch beäugt. Sie hatten ihre Zweifel. Doch diese waren schnell verflogen. Coolen betrieb anscheinend gute Werbung in eigener Sache. „Er sprühte in den Gesprächen nur so vor Energie, wenn er darüber sprach, Spieler zu entwickeln“, berichtet Pistilli. Besagte Energie und auch die Motivation, die Spieler besser zu machen, sie auf einen nächsten Level zu bringen, das kam bei den Rebels-Verantwortlichen sehr gut an. Aber nicht nur das. Auch andere Dinge, die oben auf der Waldau wichtig sind, dort großgeschrieben werden und zum Traineranforderungsprofil gehören, deckten sich anscheinend mit den Vorstellungen des 72-Jährigen aus dem kanadischen Halifax. Dass der Verein für die im September beginnende nächste Oberliga-Runde erneut über eines der geringsten Liga-Budgets verfügen wird und keine Stars verpflichten kann, sondern hauptsächlich auf junge Akteure mit Potenzial baut, ist Coolen klar. „Er hat sich mit den Rahmenbedingungen voll identifiziert und bereits vor den Gesprächen mit unserem Kader und der Grundidee von physisch intensiven und einfachem, geradlinigen Eishockey beschäftigt“, sagt Fuchs.

Zudem hoffen die Rebels, in Coolen einen Mann für die Bande verpflichtet zu haben, der sich mit Problemen und dem Umgang einer Mannschaft auskennt, die in der unteren Tabellenhälfte ihr Eishockey-Dasein fristet. Stichwort Krisenmanagement. Längere Talsohlen gab es in der Vergangenheit häufig – damit umzugehen und wieder herauszukommen, fiel doch so manchem Vorgänger Coolens schwer. „Er hat schon mehrfach mit Teams aus ähnlicher Tabellenregion gearbeitet, kennt die mentale Belastung beziehungsweise den Umgang mit kritischen Situationen“, sagt Pistilli. Zur Erinnerung: In ihren ersten beiden Profi-Jahren waren die Stuttgarter Oberliga-Schlusslicht. Zuletzt reichte es dann zwar auch nur zum vorletzten Platz, jedoch präsentierte sich die Mannschaft deutlich konkurrenzfähiger und schrammte letztlich nur um zwei Zähler an den Pre-Play-offs vorbei.

Coolen ist hierzulande kein Unbekannter. Unter anderem war er Ende der 1990er-Jahre zwei Spielzeiten lang Headcoach der Kaufbeuren Adler, als diese noch in der DEL auf Puckjagd gingen. In der Saison 2007/08 coachte er den jetzigen DEL- und damaligen DEL-2-Klub Fishtowns Pinguins Bremerhaven. In seiner langen Trainerlaufbahn war er auch Assistenz-Trainer von Team Kanada bei einer Weltmeisterschaft und beim Deutschland-Cup. Darüber hinaus kann er auf NHL-Erfahrung zurückblicken. In der Spielzeit 2014/15 war er bei den Buffalo Sabres Co-Trainer von Ted Nolan. Mit diesem hatte Coolen zuvor auch ein Gespann bei den Olympischen Spielen 2014 gebildet, in diesem Fall in Diensten der lettischen Nationalmannschaft, ebenso später beim polnischen Nationalteam. Zuletzt war der Kanadier, der in seiner eishockeyfreien Zeit auch Dozent an einer Uni für Führungskräfte ist, Cheftrainer der Fife Flyer in der Britischen Elite Ice Hockey League.

Gemeinsam mit seinem Landsmann Pistilli soll der neue Chefcoach ein Spielsystem kreieren, das auf den Rebels-Kader abgestimmt ist und passt. Die ersten Gespräche darüber wurden bereits geführt. Darüber hinaus soll er mithelfen, die Strukturen und die Organisation beim Oberligisten auf den nächsten, professionellen Level zu hieven. Und da kommt sein Alter auch wieder positiv zum Vorschein. „Von seinem großen Erfahrungsschatz können wir nur profitieren“, sagt Pistilli.

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