Wilhelma in Stuttgart Zu alt für die neue Anlage? Was wird aus den Elefanten Pama und Zella?

Die beiden betagten Elefantendamen Pama und Zella in der Wilhelma. Foto: dpa

Im kommenden Jahr wird in der Wilhelma die neue Elefantenanlage gebaut. Was bedeutet das für die zwei betagten Elefantenkühe, die im Stuttgarter Zoo leben?

Lokales: Iris Frey (if)

Wenn im kommenden Jahr in der Wilhelma schrittweise die neue Elefantenanlage entsteht, stellen sich jetzt schon Tierrechtler die Frage, was mit den beiden aktuellen Elefantendamen Pama und Zella passiert. „Das kann man noch nicht sagen“, erklärt Wilhelma-Direktor Thomas Kölpin auf Nachfrage. Es könne sein, dass beide zum Zeitpunkt der Fertigstellung der neuen Anlage nicht mehr am Leben seien. Oder: „Wenn die neue Anlage 2029 fertiggebaut wird, dann sind Pama 63 und Zella 62 Jahre alt.“ Kölpin erklärt, dass die Zukunft der Tiere auch davon abhängig sei, wie es den beiden Elefantendamen gehe. Sollten beide Elefanten noch leben, hänge es vom Gesundheitszustand ab und ob ein Umzug in Teile der neuen Anlage sinnvoll sei oder sie auf der alten Anlage blieben. „Wir wollen das Beste für die Tiere, wenn sie noch leben sollten“, so Kölpin.

 

Wenn nur noch eins der beiden Tiere leben sollte, komme es in den Karlsruher Zoo, wo ebenfalls ältere Elefanten untergebracht seien. Denn: In die neue geplante Herde, die dann in die Wilhelma komme, könne man keine der älteren Elefantendamen integrieren. „Wichtig ist die Elefantenhaltung als Reservepopulation. Deshalb wollen wir die Elefantenbabys haben.“

Peta für Auffangstation für Elefanten aus schlechter Haltung

Peta plädiert dafür, die alten Elefantendamen in der neuen unterzubringen und statt der geplanten Zucht eine Auffangstation für Elefanten aus schlechten Haltungsbedingungen umzusetzen. „Auch wenn das Leben für Elefanten in Gefangenschaft niemals artgemäß möglich ist, könnten so zunächst Pama und Zella, später auch andere Elefanten aus Zirkus- und Zoohaltungen von zumindest etwas verbesserten Gegebenheiten profitieren. Das ist das Mindeste, was die Wilhelma an Wiedergutmachung leisten kann“, so Yvonne Würz, Fachreferentin für Zoo und Zirkus von Peta.

Schon 2018 stellte Thomas Kölpin (re.) das Projekt Team Elefant Stuttgart mit Stefan Ziegler von der Naturschutzorganisation WWF vor. Foto: dpa

Zum Vorschlag von Peta sagt Kölpin: „Damit lösen wir nicht das Artenschutzproblem. Wir machen dann nur Tierschutz.“ Tierschutz-Projekte für solche Tiere gebe es speziell in anderen Einrichtungen wie etwa dem Pangea-Projekt in Portugal und dem Elephant Haven - European Elephant Sancutary-Projekt (EHEES) in Frankreich. Letzteres ist ein Zufluchtsort im Südwesten Frankreichs für Zoo- und Zirkuselefanten, auch für die rund 100 Elefanten, die es laut Projektangaben zufolge, europaweit in Zirkussen gebe. „Diese haben Plätze für Elefanten aus Zirkussen. Aber die suchen derzeit eher nach Elefanten. Möglicherweise weil viele Zirkusse keine Elefanten mehr halten“, so Kölpin, „wir aber brauchen eine Reservepopulation, in der die Matri-Linie funktioniert und auch die Jungbullen vernünftig heranwachsen.“

Pama am 2. August 2016 an ihrem 50. Geburtstag. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Momentan sind die beiden Dickhäuter Pama 59 Jahre alt und Zella 58. Sie kamen nach Kölpins-Angaben ursprünglich aus Indien über Tierhändler in die Wilhelma. Zella kam 1972 im Alter von fünf Jahren in den Stuttgarter Zoo und Pama 1968 im Alter von zwei Jahren. „Beiden geht es aktuell gut“, sagt Kölpin.

Zella habe ein Augenleiden und sei auf einem Auge blind, auf dem anderen Auge habe sie ein vermindertes Sehvermögen. Pama habe Fußprobleme. Doch es sehe momentan gut damit aus. Die Probleme seien aus früherer Haltung gekommen. Für ihr Alter gehe es ihr entsprechend gut. Elefanten können sowohl in freier Natur als auch in Zoos etwa bis zu 70 Jahre alt werden.

Neue Elefantenanlage soll erstmals Nachwuchs ermöglichen

In der Wilhelma gab es noch nie Nachwuchs. Den soll es in der neuen Elefantenanlage geben. Dort erhofft sich der Zoo-Direktor Nachwuchs mit einer neuen Mutterherde und einem neuen Elefantenbullen. Das werde über das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP festgelegt, die zooübergreifend die Nachwuchsfrage bei vom Aussterben bedrohten Arten steuert und die Zucht koordiniert. Dann werde die Wilhelma eine Abspaltung einer Matri-Linie von einem Zoo aus Europa bekommen. Woher, weiß Kölpin noch nicht. „Das dauert ja noch vier Jahre“, so Kölpin.

Baustelle Elefantenwelt. Foto: Wilhelma/Lange

Die neue Anlage ist das bisher größte Bauprojekt der Wilhelma auf zwei Hektar Fläche, davon 1,5 Hektar Nutzfläche im Norden der Wilhelma. In der modernen dreiteiligen Anlage mit einer großen Kuppel, großer Innenanlage und Außenanlage. Diese Anlage habe die Vorteile, dass die verschiedenen Entwicklungs- und Altersstufen der Dickhäuter optimal zu halten seien. „Es gibt Pools, Duschen und Möglichkeiten zum Schlammsuhlen und verschiedene Fütterungsstationen, wo sich die Tiere über den Tag verteilt Futter holen können.“ Es gebe verschiedene Bewegungsanreize. Und der Boden sei mit Sand ausgestattet, wie auch schon auf der alten Anlage, die „immer wieder ein bisschen umgebaut“ wurde. Auch gebe es künftig keinen direkten Kontakt mehr zwischen Elefanten und Tierpflegern, etwa bei der Fußpflege oder wenn der Tierarzt kommt. „Es wird immer ein Gitter zwischen Tierarzt und Elefant sein.“ Die Tiere nehmen freiwillig am Training teil über ein Belohnungssystem.

Elefantenhaltung in der Wilhelma und in Deutschland

Erste Elefanten in der Wilhelma
gab es seit 1952. „Sie kamen damals über Tierhändler aus Asien“, so Kölpin, wie „Zella1“ und Vilja. Letztere wurde 61 Jahre alt und starb 2010 in der Wilhelma. Vilja war schon seit 1952 in der Wilhelma. Die ersten Elefanten lebten in einer Anlage, wo heute das Insektarium steht. 1968 wurde die andere Anlage im Norden des Zoos gebaut.

In Deutschland
gibt es neben Stuttgart zahlreiche Zoos mit Elefantenhaltung, so unter anderem in Hamburg, Hannover, Köln, Duisburg, Münster, im Opel-Zoo im Taunus, Heidelberg, München, Augsburg, Dresden, Leipzig, Erfurt, Berlin in zwei Anlagen, Cottbus, Neunkirchen und Wuppertal.

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