Elektrischer Van VLE Dieses Auto von Mercedes darf nicht jeder fahren – trotz Pkw-Führerschein

, aktualisiert am 23.05.2026 - 13:46 Uhr
In der High-End-Variante kann derzeit nicht jeder Führerscheininhaber den Mercedes VLE fahren. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Mehrere Varianten des elektrischen VLE überschreiten die Gewichtsgrenze für Klasse-B-Führerscheine. Was Mercedes dazu sagt – und was die EU damit zu tun hat.

Automobilwirtschaft/Maschinenbau : Veronika Kanzler (kan)

Ein Detail, das viele Autofahrer längst vergessen haben, wird plötzlich wieder relevant: das Ausstellungsjahr des Führerscheins. Beim neuen Elektro-Van VLE von Mercedes entscheidet es darüber, wer bestimmte Varianten überhaupt fahren darf – und wer nicht.

 

In Deutschland werden Führerscheininhaber für Pkw in zwei Gruppen unterteilt: jene, die ihre Fahrerlaubnis vor 1999 erhalten haben, und jene danach. Die meisten bemerken den Unterschied erst, wenn sie etwa für einen Umzug einen großen Transporter mieten wollen. Beim VLE aber spielt er schon beim Autokauf eine Rolle.

Drei von sechs Mercedes VLE überschreiten 3,5 Tonnen

Den VLE gibt es bislang in sechs Ausführungen. Drei davon überschreiten aufgrund ihres Ausstattungspakets die relevante Grenze von 3,5 Tonnen – das zulässige Gesamtgewicht für Fahrer mit einem Pkw-Führerschein der Klasse B. Dieser wurde 1999 im Zuge der EU-weiten Angleichung eingeführt.

Wer seinen Führerschein in Deutschland vor mehr als 27 Jahren gemacht hat und damit noch die Klasse 3 besitzt, darf Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 7,5 Tonnen fahren. An diesem Bestandsschutz hat sich bis heute nichts geändert.

In der Vergangenheit stellte dieser Umstand Autokäufer jedoch selten vor Probleme. Zwar sind Fahrzeuge im Laufe der Zeit größer und schwerer geworden: Lag das Durchschnittsgewicht eines Pkw im Jahr 2013 nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamts noch bei 1,47 Tonnen, waren es zehn Jahre später bereits 1,69 Tonnen. Das liegt unter anderem daran, dass heute deutlich mehr Technik verbaut wird – und an der wachsenden Zahl von Elektroautos, die meist mehrere hundert Kilogramm schwerer sind als vergleichbare Verbrenner.

Welche Varianten des Mercedes VLE sind betroffen?

Nach der EU-weit gültigen Regel dürfen Fahrer, die ausschließlich im Besitz der Klasse B sind, folgende Varianten des Mercedes VLE nicht fahren, weil ihr zulässiges Gesamtgewicht 3,7 Tonnen beträgt:

  • „Der Vielseitige“ VLE, kommt mit der Serienausstattung und kann mit sechs oder sieben Sitzen bestückt werden. Diese Variante hat unter anderem Hinterachsenlenkung und eine Heckklappe, die sich separat öffnen lässt. Laut Mercedes ist diese Variante besonders auf hohe Zuladung ausgelegt. Einstiegspreis: rund 84 000 Euro.
  • „Der stilvolle Innovator“: Diesen VLE gibt es mit sechs oder sieben Sitzen. Das Fahrzeug hat die „Exclusive“ Ausstattungslinie, wozu etwa der Superscreen im Cockpit gehört, sowie Massagefunktion in den Sitzen. Der Einstiegspreis liegt bei circa 95 000 Euro.
  • „Der Grand Exclusive“. Topvariante mit sieben Sitzen und gehobener Ausstattung, darunter ausklappbare Tische im Fond und eine temperierte Mittelkonsole für gekühlte Getränke oder warme Speisen. Einstiegspreis: knapp 108 000 Euro.
Ein batterieelektrisches Fahrzeug ist schwerer als eines mit Verbrennungsmotor. Kommen High-End-Sitze mit hochfahrbarer Fußstütze und Klapptische hinzu, kann das Gewicht, wie hier beim Mercedes VLE, auch mal über 3,5 Tonnen liegen. Foto: Mercedes-Benz AG

Mercedes-Benz weist potenzielle Kunden bei der Konfiguration auf die Besonderheit hin: „Aufgrund der zulässigen Gesamtmasse des von Ihnen konfigurierten Fahrzeugs von mehr als 3,5 t, kann es in vereinzelten Ländern zu Einschränkungen bei der Benutzung des Fahrzeugs kommen. Bitte informieren Sie sich über diesbezüglich geltende landesspezifische Regelungen (wie u.a. bezüglich Führerscheinklassen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Mautregelungen).“

Mercedes-Benz: 2027 ist VLE auch mit „kleinerer Batterie“ erhältlich

Auf Anfrage unserer Zeitung teilt Mercedes mit: „Das Portfolio wird sehr zeitnah und schrittweise um weitere Modelle sowie Ausstattungsoptionen und -linien vergrößert.“ Ab diesem Sommer können Kunden dann auf gewichtstreibende Extras wie das Panoramadach oder die Hinterachslenkung verzichten. Außerdem wird der VLE ab kommendem Jahr auch mit einer kleineren Batterie mit 80 kWh erhältlich sein; auch das wirkt sich positiv auf das Gewicht aus.

„Mercedes-Benz möchte mit dem VLE nicht nur Kunden in Europa, sondern auch im Nahen Osten, in Asien und insbesondere in China ansprechen“, teilt das Unternehmen mit. Zudem ist der elektrische Van das erste Modell dieser Sparte, das Mercedes-Benz auch in den USA verkauft. Sowohl in Amerika als auch in Asien spielen die europäischen Gewichtsgrenzen keine Rolle.

Die EU hat das Gewichtsproblem allgemein bei elektrischen Autos erkannt und eine Neuregelung der Führerscheinrichtlinie beschlossen: Künftig sollen Inhaber der Klasse B auch Elektrofahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht zwischen 3,5 und 4,25 Tonnen fahren dürfen – sofern sie den Führerschein seit mindestens zwei Jahren besitzen. Spätestens bis Ende 2027 müssen die Mitgliedstaaten die Regelung in nationales Recht umsetzen.

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